Freund, einen kurzen Augenblick

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Gottlieb Konrad Pfeffel: Freund, einen kurzen Augenblick Titel entspricht 1. Vers(1777)

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Freund, einen kurzen Augenblick
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War ich bey dir: doch wie viel Glück
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Lag nicht in diesem Augenblick!
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Die Freundschaft zählt nicht so die Stunden,
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Wie Adam Riese zählen lehrt,
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An ihrem Busen durchempfunden
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Ist eine ganze Seklen werth;
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Unmerkbar lang, gleich den Aeonen,
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Die der entzückte Mahomet
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Einst in des Weltbaus obern Zonen
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Am Thron der höchsten Majestät
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Durchlebet, oder doch gewähnet
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Durchlebt zu haben. Gabriel
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Trug ihn zum Ahnherrn Ismael
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Dahin, wo Gott die Tugend krönet.
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Er sah, was noch kein Auge sah,
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Und hörte, was kein Ohr gehöret,
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Und als er wieder umgekehret
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Auf seinen Sopha; siehe da!
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War er bey zwanzigtausend Jahren
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Von Haus, und fand noch Zeit genug
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Den angefüllten Wasserkrug,
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Den, als er zum Olymp gefahren,
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Sein Fuß vom Tisch herunter stieß,
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Vor seinem Falle zu bewahren.
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So zeitvoll sind im Paradies,
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Am Quell des Schönen und des Guten,
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Und diesseits der Gestirne mir
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Bey deiner Gattin und bey dir,
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O Freund, die flüchtigen Minuten.
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Wenn dieses Blättchen einer liest,
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Für den es nicht geschrieben ist,
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Wie wird er des Phantasten lachen?
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Das mag er! Soll ich ihm dafür
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Noch eine saure Miene machen,
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Daß er ein Glück verkennt, das wir
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Mehr als das ganze Pohlen schätzen,
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Um dessen letzten Scheidestrich
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Therese, Käthe, Friederich
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Die Federn und die Lanzen wetzen?
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Das Herz bestimmt der Dinge Werth,
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An ihm schleift jeder seine Brille.
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Ist Sympathie ein Steckenpferd,
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So sey sie meine Lieblingsgrille.
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O, Heil mir, Freunde, daß auch Ihr
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Das mystische Concert verstehet,
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Bey dessen Symphonien mir
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Die kurze Zeit so schön vergehet!
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Doch hätt ich Euch wohl ausgespähet?
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Hätt Euch so schnell mein Herz gewählt?
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Wär es von dem, der uns beseelt,
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Nicht in die himmlischen Accorden
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Der Sympathie gestimmet worden.
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Ja, Freund, ja holde Zoe, du,
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Die ich voll Stolzes Freundin nenne
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Und, schloß gleich Gott mein Auge zu,
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Mit allen ihren Reitzen kenne,
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Auch Euch weis' ich ein Hüttchen an
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Auf meiner Hesperiden-Insel,
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Die sich, nach Platons frommem Plan,
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Mein kühner schwärmerischer Pinsel
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Für Biederseelen ausgemahlt.
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O daß ich dich erschaffen möchte,
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Geweyhter Feen-Aufenthalt,
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Du Schinznach für die zwey Geschlechte!
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Doch wenn wir dieses Heiligthum
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Entzückungsvoller Sympathien
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Hienieden, Freunde, nicht beziehen,
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So giebt es ein Elysium.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Gottlieb Konrad Pfeffel
(17361809)

* 28.06.1736 in Colmar, † 01.05.1809 in Colmar

männlich, geb. Pfeffel

deutscher Schriftsteller, Kriegswissenschaftler und Pädagoge

(Aus: Wikidata.org)

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