Im Land der Allobrogen

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Gottlieb Konrad Pfeffel: Im Land der Allobrogen Titel entspricht 1. Vers(1777)

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Im Land der Allobrogen
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Lebt Fräulein Isabell:
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Sie schoß mit Pfeil und Bogen
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So gut als Wilhelm Tell:
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War jung und schön, doch spröde
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Und kalt für Lieb und Scherz;
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Auch gieng im Land die Rede,
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Sie hab ein stählern Herz.

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Ein Held aus den Cevennen,
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Mit Namen Odoard,
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Bey einem Ringelrennen
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Von ihr entzündet ward.
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Er girrt ihr seine Plage
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Bey Nacht und Tage vor:
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Umsonst! des Buhlen Klage
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Schallt in ein taubes Ohr.

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Er bringt ihr Papagoyen,
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Gekauft in Trapezunt:
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Er holt ihr aus Savoyen
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Den besten Wachtelhund:
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Er sendet ihr ein Füllen
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Mit einem Reigerstrauß;
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Doch nichts beugt ihren Willen;
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Sie schlägt die Gaben aus.

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Als nach dem Wettgefechte
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Sie ihm den Preis gereicht,
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Ergriff er ihre Rechte
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Und seufzte tief erweicht:
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Ach, lindre meine Schmerzen
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Auch nur mit einem Blick.
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Allein mit stolzem Herzen
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Zog sie die Hand zurück.

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Fahr hin! rief er, mit Zähren
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Wirst du den Trotz bereun;
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Doch dann werd ich nicht hören,
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Nicht fühlen deine Pein.
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Sie lacht der eiteln Worte,
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Und Odoard entflieht,
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An einem öden Orte
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Zu weinen. Was geschieht?

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Einst ritt auf ihrer Schecke
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Die Jägerin durchs Holz;
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Da kam aus dunkler Hecke
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Ein Bär mit ernstem Stolz
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Stracks auf sie los. In Eile
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Faßt sich das kühne Weib,
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Und schießt mit einem Pfeile
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Das Unthier durch den Leib.

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Schnell, wie der Flug des Barden,
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Rennt sie zum todten Wild,
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Und findet Odoarden
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In Bärenhaut verhüllt.
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Er konnte nicht mehr sprechen,
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Sein Auge deckt ein Flor,
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Doch warfs ihr noch im Brechen
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Ihr Unrecht zärtlich vor.

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Mit grauenvollem Harme
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Stürzt sich die Magd auf ihn,
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Und faßt ihn in die Arme;
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Umsonst! er war dahin.
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Sie heult, sie stöhnt, sie klaget,
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Sie rauft das Haar sich aus,
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Springt auf ihr Pferd und jaget,
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Blaß wie der Tod, nach Haus.

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Entblöst an Haupt und Fuße
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Führt sie die Klerisey
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Mit Chorhemd und Capuse,
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Panier und Kreuz herbey.
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Die Leiche wird mit Schelle
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Und Sang dem Grund vertraut,
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Und eine düstre Zelle
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Hart an die Gruft gebaut.

73
Hier sagt die strenge Schöne
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Der Welt auf ewig ab;
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Weint täglich eine Thräne
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Auf ihres Buhlen Grab;
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Und als sie nach zwölf Wochen
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Vom Gram verzehret ward,
79
Begrub man ihre Knochen
80
Zum Staub des Odoard.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Gottlieb Konrad Pfeffel
(17361809)

* 28.06.1736 in Colmar, † 01.05.1809 in Colmar

männlich, geb. Pfeffel

deutscher Schriftsteller, Kriegswissenschaftler und Pädagoge

(Aus: Wikidata.org)

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