Zween Wanderer mit Kennersmienen

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Gottlieb Konrad Pfeffel: Zween Wanderer mit Kennersmienen Titel entspricht 1. Vers(1783)

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Zween Wanderer mit Kennersmienen,
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Sie waren aus Burgund und Kent,
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Begegneten im Orient
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Sich bey Palmiras Prachtruinen.
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Sie saßen matt vom langen Gehn
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In einer Ceder breiten Schatten,
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Und sagten sich, was sie gesehn,
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Vielleicht auch nicht gesehen hatten.
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Besonders sprach der Frankensohn
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Viel von bestandnen Abentheuern,
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Von groß und kleinen Ungeheuern
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Und endlich vom Chamäleon.
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Es ist ein drollichtes Gemische
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Von Fisch und Eidex; dieser gleicht
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Sein Kopf und Schwanz, der Leib dem Fische,
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Und gleichwohl schwimmt es nicht. – Es kreucht
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Im zögernden Galopp der Schnecke,
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Und seine Haut ist himmelblau. –
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Halt, Freund, dein Bild ist nicht genau;
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Ich fands in einer Myrtenhecke,
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Rief Master John, und es war grün. –
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Pardon! ich sahs mit eignen Augen
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Den Hauch des Zephyrs in sich saugen,
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Von dem es lebt, und wette kühn,
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Blau war es, gleich dem Baldachin
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Des Himmels, unter dem es speiste. –
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God damn! Auch ich nahm, wenn ich reiste,
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Die Augen mit: das Thier war grün ...
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Blau! ... Grün! ... Du lügst! ... Ein Bärenhäuter
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Sagt das. Itzt hätten sich die Streiter
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Mit Knütteln kreutzlahm demonstriert,
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Hätt ihr Geschrey nicht einen dritten,
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Ein braunes Mönchlein hergeführt.
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Ihr Herrn, worüber wird gestritten?
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»freund, über das Chamäleon,
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Könnt ihr uns seine Farbe sagen?«
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Ja wohl, sprach Vater Simeon,
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Ihr braucht euch darum nicht zu schlagen.
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»der Narr behauptet es sey grün;
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Ich sage blau.« Wo denkt Ihr hin?
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Laßt eines bessern euch belehren;
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Braun ist es, braun, das kann ich schwören;
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Erst gestern hab ich eins gekauft
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Und durch mein Glas genau besehen.
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Die Kempen wollten spottend gehen.
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Wenn ihrs nicht sehen wollt, so lauft;
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Ich hab es hier zum größten Glücke
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In meinem Schweißtuch, sprach der Greis.
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»weist her!« Er zog es aus der Ficke.
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Und siehe da, das Thier war weiß.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Gottlieb Konrad Pfeffel
(17361809)

* 28.06.1736 in Colmar, † 01.05.1809 in Colmar

männlich, geb. Pfeffel

deutscher Schriftsteller, Kriegswissenschaftler und Pädagoge

(Aus: Wikidata.org)

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