Amynth, der sich mit Wünschen quälte

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Gottlieb Konrad Pfeffel: Amynth, der sich mit Wünschen quälte Titel entspricht 1. Vers(1781)

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Amynth, der sich mit Wünschen quälte,
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Weil ihm zu seinem Zeitvertreib
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Ein Regiment, ein schönes Weib
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Und eine Tonne Golds noch fehlte,
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Lag einst bey düsterm Sternenlicht
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Und sann auf glänzende Projecte,
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Als ihn ein mystisches Gesicht
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Aus seinen Phantasien weckte.
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Ihm rief ein sanfter Ton: Amynth!
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Und als er aus dem Bette blickte,
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Sah er das schönste Götterkind,
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Das je des Barden Aug entzückte.
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Sie hielt in ihrer rechten Hand
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Ein Füllhorn und ein Ordensband
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Und schien ihm freundlich mit der Linken
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An ihre weiße Brust zu winken.
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Wer bist du? rief er, durch die Macht
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Des Winks von seiner Angst entbunden.
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Allein, itzt schlug es Mitternacht,
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Und schnell war die Gestalt verschwunden.
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Allmählig, wie der Tag, erwacht
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Amynth und trocknet sich die Stirne.
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Wo bist du, rief er, holde Dirne?
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Schuf Morpheus dich zu meiner Quaal?
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Doch nein – ein leeres Ideal
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Kann keine solche Glut entzünden.
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Wohlan, mir bleibt nur eine Wahl,
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Zu sterben oder dich zu finden.
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Er sattelt seinen Bucephal,
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Trabt rüstig über Berg und Thal,
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Und kurz, nachdem er einen Blinden
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Und ein paar Kinder umgerannt,
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Warf ihn der wilde Gaul vom Rücken
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Und floh, Gott weiß in welches Land.
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Ein Held muß sich in alles schicken;
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Er setzt zu Fuß die Reise fort
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Und glaubt entzückt, bald hie, bald dort,
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Den trauten Irrwisch zu erblicken;
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Doch wenn er ihm entgegenläuft,
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Zerfließt er, wie die Seifenblase,
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Nach der ein rascher Knabe greift.
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Itzt winkt ihm eine stille Straße
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In einen dunkeln Palmenhayn;
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Hier schlummert er im weichen Grase
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Vom langen Zug ermattet ein,
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Und sieht die flüchtige Sylphide
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In einem silbernen Talar
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Mit weißen Rosen in dem Haar;
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Ihr Gruß war ernste Huld und Friede.
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Er rafft sich auf, sie schwirrt davon;
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Er jagt sie, wie Latonens Sohn
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Einst Daphnen, über Stock und Stengel;
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Itzt hascht er sie; doch schnell zerrinnt
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Das holde Traumbild, und Amynth –
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Umarmet einen Todesengel.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Gottlieb Konrad Pfeffel
(17361809)

* 28.06.1736 in Colmar, † 01.05.1809 in Colmar

männlich, geb. Pfeffel

deutscher Schriftsteller, Kriegswissenschaftler und Pädagoge

(Aus: Wikidata.org)

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