»mein trautes Röschen, letzten May

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Gottlieb Konrad Pfeffel: »mein trautes Röschen, letzten May Titel entspricht 1. Vers(1779)

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»mein trautes Röschen, letzten May
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Verschied Graf Woldemar;
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Er schenkte mir für meine Treu
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Zweyhundert Gulden baar.«

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»nun, Liebchen, hab ich für uns Brod;
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Drum komm, o komm doch bald.
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Leb wohl! ich bin bis in den Tod
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Dein treuer Theobald.«

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Als Röschen diesen Brief bekam
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Zu Mons in Hennegau,
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Noch selben Tag sie Abschied nahm
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Von ihrer gnädgen Frau.

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Sie zog nach dem Ardennerwald
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Zur Gräfin Adelgund,
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Bey der ihr lieber Theobald
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Noch itzt als Jäger stund.

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Frisch wallt das Mägdlein seine Bahn
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Und langt am sechsten Tag
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Spät auf der Gräfin Herrschaft an,
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Die tief im Walde lag.

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Noch eine Meile; doch der Flor
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Der Nacht umhüllt das Land.
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Durch Sumpf und Büsche drang sie vor,
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Und Sumpf und Busch verschwand.

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Die Vögel schweigen, nur der Ost
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Durch alte Buchen schwirrt,
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Auf deren einer ohne Trost
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Ein Turteltäubchen girrt.

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In stille Schwermuth aufgelöst
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Horcht Röschen, bis ihr Fuß
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An einen Erdenhügel stößt,
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Auf den sie fallen muß.

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Gott, ruft sie, soll ich sterben hier
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In einem wilden Wald?
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Ich Arme! wärst du doch bey mir,
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Geliebter Theobald!

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Es blitzt; der Erdenhügel bebt;
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Es steigt ein Geist empor;
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Sein Kleid, an welchem Blut noch klebt,
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Ist weiß, wie Silbermoor.

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Da bin ich, sprach ein dumpfer Laut;
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Ein Wilddieb gab mir hier
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Den Tod; doch freu dich süße Braut,
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In kurzem folgst du mir.

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Er lächelt. Ha, mein Theobald!
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Ruft sie mit wildem Harm,
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Und stürzt der luftigen Gestalt
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Todt in den kalten Arm.

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Nun sieht man Hand in Hand das Paar
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Zu Nacht den Hayn durchziehn,
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Und auf dem Grabe jedes Jahr
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Zwo weisse Rosen blühn.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Gottlieb Konrad Pfeffel
(17361809)

* 28.06.1736 in Colmar, † 01.05.1809 in Colmar

männlich, geb. Pfeffel

deutscher Schriftsteller, Kriegswissenschaftler und Pädagoge

(Aus: Wikidata.org)

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