Des großen Zoroasters Ruhm

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Gottlieb Konrad Pfeffel: Des großen Zoroasters Ruhm Titel entspricht 1. Vers(1781)

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Des großen Zoroasters Ruhm
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War durch ganz Orient verbreitet.
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Von Oromaz ins Heiligthum
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Der himmlischen Magie geleitet,
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Trat er auf Hermes lichte Spur
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Und fand der plastischen Natur
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Geheime Werkstatt aufgeriegelt,
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Und las mit eines Sehers Blick
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Der Nachwelt mystisches Geschick
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In der Gestirne Lauf entsiegelt.
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Von Vorwitz und von Muth beflügelt,
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Kam einst ein Prinz vom Indusstrand
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Nach Persien, die Wunderlehren
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Des Philosophen anzuhören.
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Er trat an seines Führers Hand
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Mit raschen Schritten auf die Brücke
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Des Geisterreichs. Die Scheidewand
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Der Körperwelt zog sich zurücke,
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Und manches neue Sylphenland
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Lag aufgedeckt vor seinem Blicke.
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Erfahrung macht den Schüler kühn;
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Er wollte stets noch höher steigen
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Und bat im Heldentaumel ihn,
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Das Bild des Todes ihm zu zeigen.
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Der Weise ziehet einen Kreis
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Und schlägt mit seinem goldnen Stecken
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Dreymal den Grund. Auf sein Geheiß
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Erscheinet der Monarch der Schrecken.
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Gott! rief der Prinz in kalten Schweiß
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Getaucht, was seh ich? laß mich fliehen!
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Ha! welch ein scheußliches Phantom,
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Aus dessen Auge, wie ein Strom,
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Des Orkus rothe Blitze sprühen!
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Mit Schlangen ist sein Haupt geschmückt
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Und – seine Faust, o laß mich fliehen!
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Hält einen Dolch auf mich gezückt.
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Mein Sohn, versetzt der graue Weise
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Und nahet lächelnd sich dem Kreise,
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Ich sehe die Harpye nicht,
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Vor welcher deine Seele bebet;
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Ein Engel ists, der vor mir schwebet,
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Gehüllt in heitres Sonnenlicht:
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Sein Scheitel ist mit Mohn umkränzet,
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Und wie ein Demantzepter glänzet
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In seiner ausgestreckten Hand
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Der Schlüssel zu der Himmelspforte.
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Itzt sprach er drey geheime Worte
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Und das erhabne Bild verschwand.
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Der Jüngling weint am Hals des Alten:
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Du siehst, fuhr dieser fort, mein Sohn,
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Der Tod ist ein Chamäleon,
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Er borget immer die Gestalten
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Der Seelen, denen er sich weist.

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Und so, Geliebte, wird dein Geist
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In ihm der Tugend Bild erblicken,
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Das ich mit täuschendem Entzücken
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Schon oft statt deines Bilds gegrüßt.
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Entferne, Gott, die große Scene,
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Bis mich ein Aschenkrug verschließt,
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Und meiner Freundin stille Thräne
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Auf meinen Staub geflossen ist.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Gottlieb Konrad Pfeffel
(17361809)

* 28.06.1736 in Colmar, † 01.05.1809 in Colmar

männlich, geb. Pfeffel

deutscher Schriftsteller, Kriegswissenschaftler und Pädagoge

(Aus: Wikidata.org)

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