Baharam

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Gottlieb Konrad Pfeffel: Baharam (1781)

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Wie mancher Geck, der Kronen trägt,
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Trüg itzt als Domherr die Calotte,
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Hätt einst dem stolzen Aftergotte
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Sein Volk die Arbeit auferlegt,
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Wie Baharam sie zu erwerben.

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Ein Königssohn aus Persien
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War Baharam. Um seinen Erben
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Nicht durch die Schmeichler zu verderben,
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Ließ Hormuz in Arabien
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Durch einen Weisen ihn erziehen.
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Der gab ihm Adel, nicht sein Blut,
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Und lehrte seinen kühnen Muth
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Vor nichts als vor dem Laster fliehen.
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Schon war auf dieser wilden Flur
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Der Prinz zum Purpur reif geworden,
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Als er des Vaters Tod erfuhr.
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Er macht sich auf, verläßt die Horden
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Und eilt auf den ererbten Thron.
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Doch fern von seinem Vaterlande
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Erwarteten Gefahr und Bande
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Zwey Jahre lang den Königssohn.
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Man glaubt ihn todt. Die Nation
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Wählt einen andern Autokraten;
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Prinz Kesra wars. Er herrschte schon
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Ein Jahr in Hormuz weiten Staaten,
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Als der befreyte Baharam
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Einst unverhoft nach Casbin kam,
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Und vor dem Schach und den Magnaten
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Der Ahnen Reich in Anspruch nahm.
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Kein Krieg soll unser Recht entweihen,
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Sprach er, der Thron sey dem bestimmt,
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Der zwischen zween ergrimmten Leuen
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Das Diadem vom Kampfplatz nimmt.
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Es ist, versetzt mit schlauem Witze
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Der König, schon mein Eigenthum;
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Du strebst nach dem, was ich besitze;
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Wohlan, so kämpfe du darum.
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Das will ich, rief mit edler Hitze
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Der Prinz und wählt zum ernsten Fest
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Den Tag, den Ort, die Ungeheuer,
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Die man von Stund an hungern läßt.
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Der Tag erscheint. Das Abentheuer
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Zog eine Welt zum Rennplatz hin,
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Auf dem in königlicher Feyer
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Auch Kesra samt dem Hof erschien,
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Versteht sichs ausser den Staketen
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Auf einem marmornen Altan.
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Beym ersten Schalle der Trompeten
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Zeigt sich ein Herold auf dem Plan,
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Und legt auf einem Purpurküssen
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Die Krone zu des Prinzen Füssen,
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Der in bescheidenem Gewand,
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Mit einem Dolch an seiner Hüfte,
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Still, wie ein Gott, im Kreise stand.
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Itzt tönt die Losung durch die Lüfte,
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Und plötzlich stürzt das Leuenpaar
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Mit dampfend aufgesperrtem Rachen
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Und mit dem Blick des Höllendrachen
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Von beyden Seiten auf ihn dar.
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Das Volk bebt laut. Mit kühler Seele
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Jagt er dem ersten seinen Stahl
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Ins Herz, und schnell, wie Schlag auf Strahl
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Umklammert er des andern Kehle,
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Bis ihn sein ehrner Arm erstickt.
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Dann setzet er die Königskrone
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Sich auf das Haupt. Heil, Heil dem Sohne
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Des Hormuz! rief das Volk entzückt.
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Und Kesra? – Starr von Schaam und Staunen
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Lag er auf den Altan gebückt,
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Bis ihn der Jubel der Posaunen
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Und seines Volks Triumphgeschrey
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Aus seinem schweren Traum erweckte.
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Er eilt mit festem Schritt herbey.
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Sey König! rief er laut, und streckte
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Die Arme nach dem Sieger aus;
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Ich steige fröhlich von dem Throne,
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Der dir gebührt; dein Heldenstraus
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Erwarb dir mehr als meine Krone –
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Mein Herz. So sprach der edle Feind
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Und ward, wie die Annalen melden,
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Nicht nur der treuste Knecht des Helden;
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Er ward und blieb sein treuster Freund.

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So mußtest du den zwo Harpyen,
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Der Dummheit und dem blassen Neid,
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Den Lorbeer aus den Klauen ziehen,
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Den Delos Gott für dich geweiht.
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Erhabner Bodmer, o noch lange
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Schmück er dein silberweisses Haar,
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Bis deiner Schüler fromme Schaar
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Ihn einst, bey leisem Flötenklange,
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Mit einem Thränenopfer netzt
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Und ihn auf deine Urne setzt!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Gottlieb Konrad Pfeffel
(17361809)

* 28.06.1736 in Colmar, † 01.05.1809 in Colmar

männlich, geb. Pfeffel

deutscher Schriftsteller, Kriegswissenschaftler und Pädagoge

(Aus: Wikidata.org)

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