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Theanor saß am Eingang seiner Zelle,
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Die vor Jerusalem auf einem Berge stand,
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Und sah den greisen Tag im lichten Sterbgewand
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Des Abendroths, wie er die graue Schwelle
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Des Horizonts mit feyerlichem Schritt
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Am Arm der Zeit hinunter glitt.
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So gleitet nach dem stillen Meere
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Der Ewigkeit des Menschen Leben hin.
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Mein Lenz entfloh, mein Winter wird entfliehn;
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O! wenn ich nur schon durchgedrungen wäre
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Durch deine Halle, schauervolles Grab!
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So seufzet er und eine bittre Zähre
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Rollt über sein Gesicht herab.
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Sie rollte noch, als, gleich dem Strahle
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Des matten Blitzes, ihn ein Silberstrom
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Umfloß, und eine Stimm aus dem saphirnen Dohm
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Ihm zurief: blicke nach dem Thale!
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Er blickt ins Thal; auf einem dunkeln Pfad
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Schlich ein gebückter Greis getrost an seinem Stecken,
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Als plözlich der Monarch der Schrecken
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Aus einer Wolke vor ihn trat.
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Der Greis erkennet ihn: Sey dreymal mir gegrüßet,
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Du Bote der Unsterblichkeit!
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So redet er ihn an und neiget sich, und küsset
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Den schwarzen Saum an seinem Kleid.
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Wie, sprach der alte Sohn der Sünde:
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Erschrickst du nicht vor dem, der jedem Adamskinde
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So furchtbar ist? ... »Nur den erschreckt dein Bild,
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Der vor sich selbst erschrickt.« So schaudre vor den Seuchen,
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Die vor mir her im Finstern schleichen
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Und vor dem kalten Schweiß, der mir vom Fittig quillt!
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»ich schaudre nicht.« – Warum nicht? – »Freund, ich werde
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Durch sie gewahr, daß du mir nahe bist.« –
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Wer bist du denn, du Mensch von Erde,
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Der Freund mich nennt? – »Ich bin ein Christ.«
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Schnell hauchet ihn der ernste Seraph an
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Und Tod und Sterblicher verschwanden. –
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Ein unterirdischer Orkan
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Eröffnet an dem Ort, wo sie gestanden,
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Mit einem dumpfen Donnerschlag
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Ein tiefes Grab. Theanor bebte.
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Er sah daß etwas in der Höle lag,
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Darauf ein dunkler Nebel schwebte.
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Doch plötzlich hallt in sein betäubtes Ohr
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Ein leiser Harfenklang von des Olympus Küsten:
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Er blickt hinauf und sieht den Christen
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Umringt von einem hehren Chor
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Verklärter Geister, das mit süßen Psalmen
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Ihn Bruder grüßt und einen Kranz von Palmen
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Auf seinen Seitel drückt. Sein Angesicht
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Wirft Strahlen wie das Sonnenlicht.
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Theanors Geist hängt an der großen Scene
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Und feyert mit. Sein Psalm ist eine Freudenthräne.
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Nun blickt er in das Thal: die Dunkelheit,
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Die auf dem Grabe lag, zerfließet,
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Und nun erkennet er was es verschließet –
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Des Christen abgetragnes Kleid.