Ihr, deren Chor bey Abels Todtenfeyer

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Gottlieb Konrad Pfeffel: Ihr, deren Chor bey Abels Todtenfeyer Titel entspricht 1. Vers(1770)

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Ihr, deren Chor bey Abels Todtenfeyer
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Die ersten Elegien sang,
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Löst, Engel Gottes, mir den Augenschleyer
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Und stimmet meiner Harfe Klang.

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Geleitet mich zu jenem frohen Hügel,
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Den eine Rosenkrone schmückt.
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Das eiserne, verhängnißvolle Siegel
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Des Todes ist ihm aufgedrückt.

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O tretet sanft, denn einer eurer Brüder
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Schläft unter diesem frischen Moos.
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Doch nein, eröfnet seine Gruft mir wieder
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Und hebt ihn aus der Erde Schooß.

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Sie thut sich auf; der Sarg entsteigt, vom Schimmer
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Des Monds bestrahlt, der Dunkelheit.
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Ach! und mein Aug erkennt die schönen Trümmer
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Von seines Geistes Pilgerkleid.

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O laß mich, laß mich ihn noch einmal küssen,
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Allwürger, deinen frühen Raub.
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Mein Sunim, ach mein Kind, warum begießen
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Nicht deine Thränen meinen Staub!

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Wo ist der Geist, der diesen Schutt bewohnte?
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Er, der in seinem Raupenstand,
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Dem jungen Lenze gleich, auf Rosen thronte
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Und wie der junge Lenz verschwand?

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Wo ist das Herz, das an des Meinen Seite
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Noch jüngst so laut, so feurig schlug,
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Als ich zum Freunde mir den Knaben weihte,
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Der schon den Tod im Busen trug?

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Sein Geist entfloh, zu groß für seine Zelle;
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Sein Herz, für diese Welt zu rein,
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Verwelkte; doch der Liebe heil'ge Quelle
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Schließt kein Gefäß von Muskeln ein.

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Er lebt, er liebet fort und seiner Jugend
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Reicht Gott des Mannes Palme dar,
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Ihm, dessen letzte That noch eine Tugend,
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Schon eines Engels würdig war.

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Du, der du sanft die holde Blume küßtest,
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Als sie an meiner Brust verdarb;
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Sprich, du sein Schutzgeist, wenn du sterben müßtest,
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Stürbst du nicht wie mein Sunim starb?

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Ach und ich lebe; doch versiegt ihr Zähren,
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Versiegt; er könnte meinen Schmerz
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Vom Himmel sehn und meine Thränen wären
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Auch dort noch Dolche für sein Herz.

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Führt mich zurück, ihr Engel! selbst das Hoffen
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Aufs Wiedersehn wischt sie nicht ab;
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Denn ach, das Bäumchen, das der Strahl getroffen,
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War eines blinden Vaters Stab.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Gottlieb Konrad Pfeffel
(17361809)

* 28.06.1736 in Colmar, † 01.05.1809 in Colmar

männlich, geb. Pfeffel

deutscher Schriftsteller, Kriegswissenschaftler und Pädagoge

(Aus: Wikidata.org)

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