Der Attila für Huhn und Hähne

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Gottlieb Konrad Pfeffel: Der Attila für Huhn und Hähne Titel entspricht 1. Vers(1765)

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Der Attila für Huhn und Hähne,
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Herr Fuchs, war alt und wohlbetagt;
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Er kam um alle seine Zähne
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Und ward vom Podagra geplagt.
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Das alte deutsche Sprichwort sagt:
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Der allerärgste Schelm auf Erden
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Muß noch zuletzt ein Mucker werden.
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Warum? Ist hier die Frage nicht;
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Genug, der alte Bösewicht
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Begann itzt seine Räubereyen
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Durch Seufzen, Fasten und Kasteyen,
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Vor allen Thieren zu bereuen.
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Mit thränenvollem Angesicht
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Trat er nach den zermalmten Knochen
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Von einem jungen Auerhahn,
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Dem er nur erst vor wenig Wochen
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Mit schlauer Wuth den Hals gebrochen,
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Voll Andacht eine Wallfahrt an.
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Er wählte sich die rauhsten Stege,
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Die man im Wald nur finden kann
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Und traf auf seinem weiten Wege
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Ein junges rasches Eichhorn an.
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Er sah es mit vergnügten Sprüngen
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Sich auf die höchsten Wipfel schwingen,
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Und schnell erhebt sich in der Brust
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Des Büßers eine fromme Lust,
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Sich an dem Tänzer zu erbauen
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Und ihn von nahem zu beschauen.
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Sey mir gegrüßet, lieber Sohn,
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So sprach er in gebrochnem Ton,
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Ich sehe mit vergnügtem Herzen
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Dich so beglückt, so sorgenfrey,
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Des Lebens Gram vorüberscherzen.
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Doch ich gestehe dir dabey,
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Daß ich auf meinen Pilgerzügen
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An der entfernten Wolga Strand
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Vorlängst ein weißes Eichhorn fand,
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Das in der seltnen Kunst zu fliegen
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Es dir noch weit zuvor gethan.
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Der Vorwurf kränkte Mäzchens Ehre.
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Ich dächte, hub es höhnisch an,
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Daß ich kein Klotz im Springen wäre.
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O! sprach der Alte, glaube mir,
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Du kannst mit jenem Wunderthier
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Auf keine Weise dich vergleichen.
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Es drückte fest die Augen zu
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Und konnte doch so flink wie du
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Die Wipfel tausendjährger Eichen
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Mit einem sichern Flug durchstreichen.
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Ha, sprach das Eichhorn, blöder Greis!
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Das kann ich auch, so viel ich weiß.
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Es schließet flugs die Augenlieder,
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Nimmt einen ungemeßnen Satz
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Und stürzet auf den Rasenplatz
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Zu Meister Fuchsens Füßen nieder,
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Der plözlich alle seine Kraft
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Verrätherisch zusammenraft,
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Um unsern Springer bey dem Nacken
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Mit scharfen Krallen anzupacken.
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Das Eichhorn schrie: Barmherzigkeit!
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Herr Fuchs, der Spaß geht allzuweit;
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Sie thun als wollten Sie mich fressen.
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Nur sachte, lieber kleiner Sohn,
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Sprach Reinecke mit bitterm Hohn,
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Ich habe längst den Spaß vergessen
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Und suche mir ein Abendessen.
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Auf diesen freundlichen Bericht
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Rief Mäzchen voller Angst und Grauen:
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O Zevs ... jedoch ich murre nicht;
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Ein zu gerechtes Strafgericht
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Giebt mich in dieses Heuchlers Klauen;
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Allein du falscher Bösewicht,
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Der lachend mir den Nacken bricht,
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Ich sah dich erst als Pilger wallen,
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Ich hörte dein Gebet erschallen,
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Und nun dankst du den Göttern nicht,
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Die dir ein fettes Mahl bescheren?
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Ein Heuchler will auch selbst zur Zeit,
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Wenn er den Arm dem Laster leiht,
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Die Welt durch falschen Schein bethören.
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Der alte Schelm war schon bereit
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Den Leckerbissen aufzuzehren;
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Doch itzt sieht er ein Haselhuhn
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In einem niedern Busche ruhn.
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Ich muß mich, denkt er, nicht verrathen,
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Hier giebt ein zweytes Meisterstück
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Vielleicht mir einen zweyten Braten.
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Voll Andacht kehrt er seinen Blick
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Nach des Olymps lazurnen Kreisen
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Und faltet, um den Zevs zu preisen,
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Der Pfoten blutgefärbtes Paar.
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Das Eichhorn nimmt des Zeitpunkts wahr,
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Und schneller als des Habichts Schwingen
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Durch die zertheilten Lüfte dringen,
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Erreicht es einen sichern Ast.
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Hier sah es unter tausend Flüchen
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Den Gaudieb sich vor Schaam verkriechen,
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Und rief ihm nach: Mein frommer Gast
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Willst du hinfort ein Eichhorn speisen,
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So mußt du nie die Götter preisen,
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Als bis du es verzehret hast.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Gottlieb Konrad Pfeffel
(17361809)

* 28.06.1736 in Colmar, † 01.05.1809 in Colmar

männlich, geb. Pfeffel

deutscher Schriftsteller, Kriegswissenschaftler und Pädagoge

(Aus: Wikidata.org)

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