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Ein junger Pilgrim, Franz genannt,
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Zog baarfuß durch das Bayerland.
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Auf seiner rechten Schulter lag
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Ein schweres Kreuz; den ganzen Tag
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Bat er sein Paternoster her,
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Als ob er schon im Himmel wär.
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Auf einer schmalen Rasenbahn
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Traf er ein frisches Mägdlein an,
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So lieblich wie Sanct Dorothe,
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So schlank wie Genovevens Reh.
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Ein Schäferstab ziert ihre Hand,
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Den Kopf ein Hut mit grünem Band.
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Ihr Anblick so den Franz betäubt,
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Daß er im Ave stecken bleibt.
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Sein Herz kocht auf, sein Fuß wird lahm,
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Und als die Dirne näher kam,
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Spricht er, indem sein Aug sie mißt,
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Halbleis: Gelobt sey Jesus Christ.
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Das Kind versetzt nach Gotts Gebot:
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In Ewigkeit, ward blaß und roth
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Und schlug die schwarzen Aeugelein
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Stracks auf das Agnus Dei fein,
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Das warm auf ihrem Busen wallt.
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Woher? sprach Franz. Ich komme halt
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Von Sanct Gaßner, (hier neigt sie sich)
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Der mir vertrieb den Seitenstich,
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Und meiner Mutter Kunigund
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Die Hühneraugen aus dem Grund.
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Es ist fürwahr ein Wundermann,
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Der selbst die Teufel meistern kann.
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Und ich, sprach Franz, mein trautes Kind,
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Büß' eine große, große Sünd.
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Ich liebt die junge Brunehild,
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Schön wie ein Muttergottes-Bild
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Und freundlich wie Theresia,
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Wenn sie im Schlaf den Heiland sah.
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Wir liebten uns ein halbes Jahr
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Und wären jetzt ein Ehepaar,
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Ach hätte nicht der grimme Tod
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Sie abgemäht. In dieser Noth
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Lief ich voll Angst und voll Verdruß
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Und warf mich in den Iserfluß.
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Ein Fischer holte mich heraus;
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Dann fühlt ich erst mit bangem Graus
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Wie weit der Satan mich verführt,
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Trat vor den Beichtstuhl tief gerührt
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Und ward vom Pater Januar
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Verdammt, dieß Kreuz ein ganzes Jahr
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Zu schleppen, und zur Pönitenz
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Alltäglich hundert Rosenkränz
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Zu beten. Gott sey Lob und Dank,
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Heut Abend werd ich frey und frank.
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Ihr habt sie also recht geliebt?
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Sprach Nantel, inniglich betrübt,
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Zum hübschen jungen Pilgersmann,
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Und eine warme Thräne rann
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Aus ihrem Aug. Ihr Seraphim!
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Rief Franz mit sanftem Ungestüm,
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Was seh ich? ach sie weint um mich!
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Der ganze Himmel segne dich,
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Du liebes Mägdlein! Weißt du was?
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Laß uns hier sitzen in das Gras.
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Sie setzten sich, der gute Franz
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Vergaß bey ihr den Rosenkranz.
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Sein Kreuz pflanzt er in kühlen Grund,
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Daraus ein Myrthenstrauch entstund;
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In dessen Schatten sprach er viel,
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Das sich nicht reimen lassen will,
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Und als die Zung ihm wurde laß,
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So schwatzten Aug und Herzen baß.
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Kurz eh noch klang das Angelus
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Gab Nantel ihm den ersten Kuß.
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Itzt führt er sie am Arm nach Haus,
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Da hinkte Kunigund heraus;
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Die Hühneraugen waren fort,
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Doch sproßten Warzen an dem Ort.
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Die gute Mutter freut sich fast
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Ob ihrem Kind und ob dem Gast:
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Sie tischt ihm Butterbrod und Wurst
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Und Wabben auf, und für den Durst
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Nahm er ein Glas Tyrolerwein
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Auf Sanct Gaßners Gesundheit ein.
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Er ward in ein Gemach geführt,
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Mit lauter Heil'gen tapeziert,
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Und schlief im grünen Bettgezelt,
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In welchem Nantel kam zur Welt.
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Was ihm in diesem Paradies
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Geträumt hat, weiß man nicht gewiß.
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Des Morgens als die Sonn aufstund,
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Erschien ihm Mutter Kunigund
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Und sprach: Mein Kind hat mir erzehlt,
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Was Euch für eine Marter quält.
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Wolan, ich hab nur dieses Kind,
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Bin reich an Bienen, Schaf und Rind
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Und möchte gern zum Tochtermann
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Solch einen frommen Jüngling han.
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O Wunder! rief hier Franz und schoß
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Zum Bett heraus, halb nackt und bloß.
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Gebt ihr mir euer Töchterlein,
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So endigt sich all meine Pein;
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Do will sie mich? – Zieht Hosen an,
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Sprach Kunigund und fragt sie dann.
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Im Hui war unser Franz geputzt
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Und trotz Sanct Görgen aufgestutzt,
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Und als ihn Nantel kommen sah,
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Sprach schon ihr Aug von ferne Ja.
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Ein grauer, heiliger Dechant
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Knüpft Tags darauf das Eheband.
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Das ganze Dorf zur Hochzeit kam
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Und aß mit Braut und Bräutigam,
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Bis auf des Lammwirths Dominik,
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Der sich erhieng an einem Strick.
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Ich Küster Anton war auch da
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Bey zehn Maas Bier in einer Nacht
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Mit Gottes Hülf in Reime bracht.
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Dafür gab mir das junge Paar,
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Traun! einen blanken Gulden baar.
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Gott segne sie in dieser Zeit
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Und in der frohen Ewigkeit.