Freund, warum glaubet doch der ganze Schwarm der Thoren

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Gottlieb Konrad Pfeffel: Freund, warum glaubet doch der ganze Schwarm der Thoren Titel entspricht 1. Vers(1764)

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Freund, warum glaubet doch der ganze Schwarm der Thoren
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Es sey nur ihm allein die Weisheit angeboren?
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Und warum ist kein Narr, der, von sich selbst entzückt,
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Nicht seinen Nachbar keck ins nächste Tollhaus schickt?
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Ein Schulfuchs, welcher sich mit Sprüchen ausgerüstet,
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Der nur auf griechisch schwört und als ein Pfau sich brüstet,
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Der bey dem Bücherstaub sich hypochondrisch saß
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Und sich mit vielem Schweiß zum Grillenfänger las,
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Glaubt daß die Seele träumt, und daß wir schwärmen müssen,
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Wenn wir bey jedem Wort nicht wie sein Lehrbuch schließen.
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Ein Laffe, welcher sonst kein andres Tagwerk kennt,
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Als daß er nett geputzt zu hundert Schönen rennt,
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Ein welches Liedchen brummt, als ein Franzose dahlet,
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Auf englisch sich betrinkt, auf deutsch mit Ahnen prahlet,
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Verachtet jede Schrift, trotz der Gelehrsamkeit
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Und suchet einen Ruhm in der Unwissenheit.
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Er glaubt daß sie allein den edeln Hofmann schmücke,
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Und weist den Musenfreund ins alte Rom zurücke.
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Ein stolzer Muffel glaubt mit seinem Heuchelschein
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Für Gottes Auge selbst verschmitzt genug zu seyn,
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Indem er gleisnerisch den Schalk zu decken suchet,
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Die Welt ein Sodom heißt und auf die Ketzer fluchet.
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Ein Freygeist, der die Schrift für frommen Unsinn hält,
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Und seine Sinnlichkeit sich zum Gesetz erwählt,
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Nennt allen Gottesdienst ein thörichtes Bemühen
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Und foltert seinen Witz die Priester durchzuziehen;
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Er spricht der Tugend Hohn, er lacht des Weltgerichts
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Und sieht im Tode blos die Rückkehr in das Nichts.
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Allein wer kann das Meer der Unvernunft erschöpfen?
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Der Erdkreis wimmelt ja von lauter tollen Köpfen;
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Viel eher zählet man wie oft der Arzt Callist
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In einem Vierteljahr zum Mörder worden ist,
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Wie oft Laidion dem ganzen Stutzerorden
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Den Jungfernkranz verkauft, eh sie zur Frau geworden.
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Doch, Freund, ich werde müd mit Narren umzugehn,
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Mein kurzes Urtheil soll in diesem Satz bestehn:
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Daß, trotz dem Lob, das wir von Hellas Weisen lesen,
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Die wahre Weisheit nie des Menschen Loos gewesen.
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Der Wahnwitz klebt uns an so sehr man uns auch lobt,
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Nur daß der eine laut, der andre leiser tobt.
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So wie in einem Wald, den hundert Gänge trennen,
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Die fremden Wanderer sich leicht verirren können,
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Und einer diesen Pfad, der andre jenen wählt,
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So ist ein Irrthum schuld daß jeder anders fehlt.
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Die Menschen wallen stets auf ungewissen Wegen;
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Der Irrwisch ist ihr Herz, dem sie zu folgen pflegen,
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Oft wirft ein Moralist uns unsre Thorheit vor
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Und dieser weise Mann ist selbst der größte Thor;
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So heftig auch hierzu die muntern Spötter lachen,
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So will ein jeder Thor sich doch zum Weisen machen,
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Wenn er mit blindem Stoltz nach seinem Sinne lebt
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Und seine Fehler selbst als Tugenden erhebt.
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Drum sag ich dieses nur, dem der sich gerne kennet;
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Der Weiseste bleibt der, so sich nicht Weise nennet,
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Der fremde Mängel stets mit Sanftmuth übergeht,
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Hingegen bey sich selbst bedachtsam stille steht;
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Der bey der Prüfung sich nicht vor sich selbst verstellet
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Und seinen Fehlern selbst ein strenges Urtheil fället,
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Doch jeder richtet sich stets mit Gelindigkeit.
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Ein Filz, der seinem Geld fußfällig Weihrauch streut,
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Den selbst beym Ueberfluß die Nahrungssorgen schinden,
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Will in dem tollsten Geiz noch seltne Klugheit finden
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Und feiert jeden Tag als ein beglücktes Fest,
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Der seinen Schatz vermehrt, den er verrosten läßt.
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Nein, wahrlich nein, es giebt doch keine größre Narren
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Als die so Tag und Nacht nur Geld zusammenscharren.
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So spricht ein lockrer Geck, der gleichfalls rasend ist
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Und seiner Väter Gut vertanzt, verschmaust,verküßt,
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Der seinen reichen Schatz als eine Last betrachtet,
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Und mitten im Genuß nach neuen Freuden schmachtet.
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Wer folgt von beyden wohl dem größten Selbstbetrug?
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Die Wahrheit zu gestehn, sie beyde sind nicht klug;
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So wird der weise Stax mit hoher Miene sagen
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Und an ein Paroli sein halbes Erbtheil wagen.
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Das Spiel ist sein Beruf, er wartet als ein Held,
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Ob Leben oder Tod auf seine Seite fällt.
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Allein sein Aß verliert, das Glück hat ihn getäuschet.
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Nun sehet wie sein Zahn das arme Blatt zerfleischet,
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Wie sein verzerrtes Haar sich auf dem Haupte sträubt,
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Wie sein ergrimmter Blick am Himmel kleben bleibt,
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Wie dem Beseßnen gleich, den ein Levit bedräuet,
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Sein Mund ein ganzes Heer von Flüchen wiederkäuet.
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Ihr Leute, leget doch dem Titan Fesseln an,
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Damit er nicht aus Wuth den Himmel stürmen kann;
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Doch nein, wir wollen ihn mit dieser Cur verschonen,
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Ihm soll sein Wahnsinn selbst statt aller Strafe lohnen.
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Die Thorheit hat auch Gift, das uns weit süßer schmeckt,
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Und einem Nektar gleich, den blöden Sinn erweckt,
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Bis das berauschte Haupt von eiteln Träumen siedet.
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Des Cleons Aberwitz ist daß er Reime schmiedet.
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Wird gleich sein rauher Vers mit Unsinn untermischt
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Und reich an Wörterschwall von Schülern ausgezischt,
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Genug daß doch sein Wahn, daran er sich ergötzet,
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Ihn über den Virgil auf dem Parnasse setzet.
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Zu glücklich wenn er stets der dreisten Hand entflieht,
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Die den verjährten Staar von seinen Augen zieht,
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Und ihm die Verse zeigt, die sich vom Winde blähen,
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Und arm an Geist und Reiz auf schweren Stelzen gehen,
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Den Ausdruck ohne Sinn meandrisch umgedreht,
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Die Blumen ohne Wahl der Schnur nach hingesät.
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Wie würde Cleons Fluch den frechen Richter drücken,
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Der ihn aus Träumen weckt, die seinen Geist entzücken.
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Ein Mucker, wie man sagt, so war er sonst nicht dumm,
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Trug einen seltnen Wahn in seinem Kopf herum,
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Er schwebte stets im Geist in überirdschen Sphären
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Und glaubte den Gesang der Seraphim zu hören,
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Bis ein berühmter Arzt ihn aus Geschicklichkeit,
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Vielleicht von ungefehr, von seiner Sucht befreyt.
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Nun sprach der Aeskulap vom wohlverdienten Lohne.
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Was, rief der fromme Mann in einem rauhen Tone,
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Ich dich bezahlen, dich, du Sohn der Finsterniß,
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Der mich durch Satans Kunst dem Paradies entriß?
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Sein Eifer war gerecht, die Cur war nicht die beste;
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Von allen Uebeln ist oft die Vernunft das größte.
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Die Freudenstörerin haucht mitten in der Lust
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Der Reue bittres Gift in die vergnügte Brust.
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Die Spröde hegt für uns die größten Grausamkeiten
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Und will, Pedanten gleich, nur immer mit uns streiten;
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Sie warnt, sie predigt stets; allein wie Priams Kind,
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Cassandra, weißagt sie nur immer in den Wind.
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Der Grübler will sie zwar zur Königin erheben
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Und ihr die Sinnlichkeit zur Sklavin übergeben;
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Er schaft im Traume sie zur Göttin auf der Welt,
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Aus deren Händen er das wahre Glück erhält,
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Und hofft durch ihre Macht vom Irrthum zu genesen;
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Sein Lobspruch läßt sich schön in einem Buche lesen.
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Ich ehre sein System, und finde doch dabey
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Daß in des Thoren Wahn oft mehr Vergnügen sey.

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So weit mein Despreaux. Du, der die Weisheit kennet
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Und eben weil ers ist, sich niemals weise nennet,
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Sprich, hat der Mann wohl Recht? ich, Lieber, weiß es nicht;
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Nur weiß ich daß noch viel zur Weisheit mir gebricht.
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Wohl dem, der stets ihr Gold von fremdem Glimmer scheidet,
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Auf seinem Lebenspfad die schroffen Kanten meidet,
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Sich stets, so gut er kann, fest auf den Beinen hält
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Und nach Confuzens Rath gleich aufsteht, wenn er fällt.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Gottlieb Konrad Pfeffel
(17361809)

* 28.06.1736 in Colmar, † 01.05.1809 in Colmar

männlich, geb. Pfeffel

deutscher Schriftsteller, Kriegswissenschaftler und Pädagoge

(Aus: Wikidata.org)

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