Geh, Betty, schließ die Halle zu

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Gottlieb Konrad Pfeffel: Geh, Betty, schließ die Halle zu Titel entspricht 1. Vers(1776)

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Geh, Betty, schließ die Halle zu
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Und gieb die Harfe mir;
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Von einem Fräulein, schön wie Du
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Sing ich ein Liedchen Dir.

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Der große Carl, ein deutscher Held,
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Des Fräuleins Vater war;
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Die Sachsen schlug er aus dem Feld
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Und manche Maurenschaar.

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Doch Emma war so furchtbar nicht,
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Mild, heiter, minnereich;
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Ein Rosenbeet war ihr Gesicht,
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Ihr Aug dem Himmel gleich.

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Die schlaue Mutter hielt sie hart;
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Kein Ritter kam ihr nah,
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Bis auf den Junker Eginhard,
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Den Schreiber des Papa.

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Ein hübscher Mann aus altem Stamm,
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Pechschwarz von Aug und Haar,
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Flink wie ein Hirsch, sanft wie ein Lamm,
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Und keck wie Roland war.

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Den ganzen Winter gab er ihr
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Im Schreiben Unterricht;
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Allein sie sah nicht aufs Papier,
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Nur stets ihm ins Gesicht.

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Ein weiches Herz führt Mädchen weit
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Im siebenzehnten Jahr.
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Herr Eginhard in kurzer Zeit
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Der Hahn im Korbe war.

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Einst hatte Carl das Zipperlein
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Und zog mit seinem Weib,
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Der schönen Hildegard, allein
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Im Schach zum Zeitvertreib.

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Im Vorsaal bebt des Schreibers Knie
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Vor Nachtfrost. Immer wach
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Führt Satan ihn, man weiß nicht wie
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In Emmas Schlafgemach.

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Lag sie zu Bett? Die Chronika
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Sagt nichts davon. Genug,
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Der arme Junker wärmt sich da,
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Bis Glocke zwölfe schlug.

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Die Mette schallt. Mit einem Kuß
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Entwich er. Doch, o weh!
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Im Hof, durch den er waten muß,
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Lag nun ein tiefer Schnee.

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Was seh ich, schrie er, großer Gott!
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Läßt sich mein Fußtritt sehn,
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So sterb ich heut auf dem Schaffot,
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Du mußt ins Kloster gehn.

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Stumm, wie die Schmerzensmutter, lief
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Das Fräulein durchs Gemach;
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Auf einmal stand sie still und rief:
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Nur mir, Geliebter, nach.

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Auf ihren Schultern trägt sie ihn,
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Beym klaren Mondenschein,
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Durch den beschneyten Schloßhof hin,
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Bis in sein Kämmerlein.

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Doch ach, ihr Heilgen alle, steht
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Dem armen Paare bey!
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Carl sieht aus seinem Kabinet
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Die seltne Reuterey.

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Voll Wuth griff er nach seinem Schwerdt,
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Schoß wie ein Pfeil heran:
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Sterbt beyde, rief er – Nein, bekehrt
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Euch erst! – Holla, Caplan!

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Der Priester hörts; mit schwerem Kopf,
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Das Chorhemd in die Queer,
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Mit ofnem Wams und Hosenknopf
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Flog er bestürzt daher.

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Er sah – Nur Hogarth malt das Bild –
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Das Fräulein auf den Knien,
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Carl mit dem Schwerdt, der Knapp als Schild
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Gelehnet auf sie hin.

73
Was soll ich? lallt Probst Engelbert
74
Mit einer Hand im Haar.
75
Ey nun, ruft Carl und senkt sein Schwerdt,
76
Vermähle dieses Paar.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Gottlieb Konrad Pfeffel
(17361809)

* 28.06.1736 in Colmar, † 01.05.1809 in Colmar

männlich, geb. Pfeffel

deutscher Schriftsteller, Kriegswissenschaftler und Pädagoge

(Aus: Wikidata.org)

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