Aurora steht mit Rosenflügeln

Bitte prüfe den Text zunächst selbst auf Auffälligkeiten und nutze erst dann die Funktionen!

Wähle rechts unter „Einstellungen“ aus, welcher Aspekt untersucht werden soll. Unter dem Text findest du eine Erklärung zu dem ausgewählten Aspekt. Nicht jede Anmerkung ist für die Analyse gehaltvoll.

Gottlieb Konrad Pfeffel: Aurora steht mit Rosenflügeln Titel entspricht 1. Vers(1765)

1
Aurora steht mit Rosenflügeln
2
Auf Tempes dunkelgrauen Hügeln,
3
Und sä't die Flur mit Perlen an.
4
Apollo, der sich satt getrunken,
5
Schlägt nun des Lichtes erste Funken
6
Und öfnet seine Zirkelbahn.

7
Ihm folgen aus den trägen Tiefen
8
Die Rosse, die vom Meerschaum triefen;
9
Ihr Wiehern schreckt der Nymphen Ohr.
10
Er führet streichelnd sie zusammen
11
Und füttert sie mit Feuerflammen
12
Und spannt sie seinem Wagen vor.

13
Schon messen sie die Himmelsstraße
14
Und schnauben aus der weiten Nase
15
Der Welt das Tageslicht herab.
16
Die Nacht mit der Gespenster Schwarme
17
Fleucht in des todten Chaos Arme,
18
Das ihr das finstre Daseyn gab.

19
Der Mond erblaßt vor Phöbus Blicke,
20
Die Sterne weichen schnell zurücke
21
Und schon vermißt man ihre Spur.
22
Des lichten Aethers blaue Meere
23
Ersäufen ihre stolzen Heere,
24
Und nun erwachet die Natur.

25
Ich höre schon wie Philomele
26
Dem Schöpfer mit entzückter Seele
27
Ihr feyerliches Loblied singt,
28
Ich höre schon die muntre Biene,
29
Die vom bethauten Rosmarine
30
Den ersten Raub nach Hause bringt.

31
Der Löwe schüttelt seine Mähne,
32
Er bleckt die blutgefärbten Zähne,
33
Er brüllt und Echo brüllt ihm nach.
34
Itzt hebt er sich aus seinem Neste
35
Und frißt des Hirschkalbs warme Reste,
36
Dem er im Schlaf den Nacken brach.

37
Ein dumpfer Lärm vertreibt die Stille.
38
Der Uhu flieht; es schweigt die Grille;
39
Der Schäfer und der Weise wacht:
40
Sie schreiten mit verneuten Kräften
41
Zu ihren täglichen Geschäften,
42
Und nur in Städten ists noch Nacht.

43
Die Schafe hören voller Freude
44
Den Ruf des Hornes auf die Weide;
45
Sie drängen sich zum Stall heraus.
46
Der Hahn mit seiner Purpurkrone
47
Lockt, als ein Sultan auf dem Throne,
48
Die Hennen aus dem Gitterhaus.

49
Schon wird der Stier mit strengen Hieben
50
Dem schwarzen Acker zugetrieben,
51
Den er in krause Furchen theilt;
52
Indem die Kuh mit hohlem Brüllen
53
Ihr schlaffes Euter anzufüllen
54
Auf den beblümten Anger eilt.

55
Im ganzen Dorf ist alles rege;
56
Ein jeder gehet seine Wege;
57
Der Reisende besteigt sein Pferd:
58
Die Ruhe flieht aus den Gemächern,
59
Ein süßer Rauch steigt von den Dächern,
60
Nur feyrt des Junkers magrer Herd.

61
Der schwarze Schmidt und sein Geselle
62
Stehn aufgeschürzt vor ihrer Hölle,
63
Der Blasbalg facht die Flammen an;
64
Das Eisen funkelt an der Zange,
65
Der Hammer fällt mit wildem Klange
66
Und macht den Ambos zum Vulkan.

67
Es hört die schlummernde Laurette
68
Den Ruf der Mutter in dem Bette
69
Und richtet gähnend sich empor:
70
Die Alte legt die Silberlocken
71
Des Flachses um den nackten Rocken
72
Und mißt ihr schon ihr Tagwerk vor.

73
Sylvander greift nach Chloens Bilde,
74
Die er im dunkeln Lustgefilde
75
An sein entflammtes Herz gedrückt;
76
Er seufzt, daß diese süßen Stunden
77
So plözlich mit dem Traum verschwunden,
78
Der seinen frohen Geist berückt.

79
Sieh, Doris! jene Lampe sterben,
80
Sie scheint vor Neid sich zu entfärben,
81
Daß Phöbus Antlitz heller glänzt.
82
Sieh, seine holden Strahlen blitzen,
83
Sie dringen durch des Vorhangs Ritzen,
84
Der unser Lager grün bekränzt.

85
Sein Gruß ermahnt uns aufzustehen;
86
Komm, laß uns zu den Blumen gehen,
87
Die deine sanften Hände ziehn.
88
Doch wird wohl Flora schöner prangen
89
Als du, Geliebte! deren Wangen
90
Trotz Lilien und Rosen blühn?

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

Einstellungen

    Text teilen & herunterladen

    PDF-Export

    Arbeitsblatt zur Interpretation herunterladen

  • Äußere Form

  • Sprachlich-inhaltliche Analyse

  • Voller Zugriff auf Textopus

    • Interaktive Analyse von über 65.000 Gedichten und über 700 Dramen

    • Zugriff auf mehr als 400 Rezitationen und hilfreiche Epochenübersichten

    • Mit Aufdeckfunktion zum Selbstlernen von Stilmitteln, Kadenzen, Metrum u. v. m.

    Textopus App

    Textopus-App

    € 4,99/Jahr
    In-App-Kauf
    Apple App StoreGoogle Play Store
    Klett Digitale Unterrichtsassistenten

    Für Lehrkräfte

    Kostenlos in ausgewählten Digitalen Unterrichtsassistenten der Deutsch-Lehrwerke des Ernst Klett Verlags
    Deutsch kompetent

Gottlieb Konrad Pfeffel
(17361809)

* 28.06.1736 in Colmar, † 01.05.1809 in Colmar

männlich, geb. Pfeffel

deutscher Schriftsteller, Kriegswissenschaftler und Pädagoge

(Aus: Wikidata.org)

Textopus kann Fehler machen. Überprüfe die Informationen. Teils KI-gestützt. Siehe Hinweise zur möglichen Fehleranfälligkeit.