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Am Fuß des Latmos wölbt sich eine tiefe Grotte,
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Vom Finger der Natur, der Kunst Vitruvs zum Spotte,
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In adrigten Granit mit Allkraft eingedrückt
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Und durch ein Säulenpaar von Tropfstein ausgeschmückt.
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In ihrem Schooß umschlang die göttliche Selene
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Einst den Endymion. Zur Feyer dieser Szene
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Hat Amor das Portal mit Myrthen rund umschanzt
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Und einen Rosenhain ins nahe Thal gepflanzt,
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Das ein gekrümmter Bach mit seiner Fluth bespület,
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Hell wie der Morgenthau, der Florens Busen kühlet,
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Und majestätisch still, wie die Zufriedenheit.
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Sein flacher Boden ist mit Goldkies überstreut,
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Den das beglückte Volk, das diese Flur besitzet,
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Für gelben Sand nur hält und blos zum Scheuern nützet.
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Oft wann der Flor der Nacht die bunten Auen schwärzt,
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Kömmt Thetis Nymphenchor den Bach heraufgescherzt,
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Denn früh verliert er sich und deckt mit seinem Schaume
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Des Meeres grüne Fluth gleich einem Silberpflaume.
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Schon nahte sich Apoll der Grenze seiner Bahn;
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Schon blies ein kühler West die welken Blumen an,
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Als Galathea, schön wie keine der Najaden,
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Die schwüle Trift verließ, um einsam sich zu baden.
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Sie warf sich in den Bach, der gierig sie verschlang
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Und wollustmurmelnd sich um ihren Busen drang.
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Die Schöne plätschert schon im flüßigen Kristalle;
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Bald trägt sein Rücken sie gleich einem Federballe,
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Bald tauchet sie das Haupt bis auf den Grund hinab
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Und hebt es triefend auf aus dem zerwühlten Grab.
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Hier sah sie Tityrus, der lieblichste der Hirten
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Des karischen Gefilds, durch die verwachsnen Myrthen,
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Zwo Stunden gieng er schon dem schönsten Schaafe nach,
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Das von der Trift entlief, und naht sich nun dem Bach,
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Wo er das Götterbild kaum in der Fluth erblicket,
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Als er voll Ehrfurcht sich dreymal zur Erde bücket;
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Er glaubt Dianen selbst (daß es hier oft geschehn,
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Erzählt die ganze Flur) in vollem Reiz zu sehn.
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Ihr Anblick schmelzt sein Herz, das laute Schläge hoben,
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Schon will er ihr ein Lamm zum Opfer angeloben,
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Als ihn von ungefehr des Mädchens Aug entdeckt.
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Dem bangen Täubchen gleich, wenn es der Habicht schreckt,
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Entschlüpft sie längs dem Schilf und fliehet in die Höhle,
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Die ihr Gewand verwahrt, und ruft aus voller Kehle
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Die Hülfe des Neptuns und aller Nymphen an.
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Ihr Ruf erfüllt das Thal. Der edle Hirt Sylvan,
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Ein Liebling des Apolls, der bey der Abendröthe
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Am nah gelegnen Hain zu einer neuen Flöte
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Sich einen Buxbaum hieb, vernahm ihr Angstgeschrey.
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Von Mitleid angespornt eilt er im Flug herbey
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Und sieht den Tityrus, der vor der Höhle wachte,
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Bald einzudringen droht und bald des Mädchens lachte,
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Das jezt ihm stolz befahl, jezt ihn beym großen Pan
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Voll Huld zu weichen bat. Der Anblick des Sylvan
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Beschämt den Tityrus, der hastig ihm erzählet,
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Wie diesen Abend ihm sein schönstes Schaaf gefehlet,
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Wie er es lang gesucht und hier von Amors Hand
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Dem Bache zugeführt das schönste Mädchen fand,
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Das er für Phöben hielt; wie es sein Wahn erschreckte
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Und wie es mit Geschrey sich in die Kluft versteckte.
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Hier, fuhr der Schäfer fort, hält mich die Sehnsucht fest,
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Bis es den dunkeln Schoos des Heiligthums verläßt;
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Dann soll es nur ein Kuß aus meinem Arme retten.
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Nun drang die Schäferin, umschwebt von Amoretten,
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Mit holder Majestät sich durch das Myrthenthor.
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So hob Aurora sich, um einst dem Götterchor
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Den Tag der Wiederkehr des Phöbus anzusagen,
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Aus Thetis Schilfpallast auf ihren Rosenwagen.
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Noch hängt ein lichter Thau der himmlischen Gestalt
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Am goldgelockten Haar, das ihr vom Nacken wallt;
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Ein weißer Leibrock deckt, von ihren eignen Händen
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Aus zartem Flachs gewebt, den schlanken Wuchs der Lenden,
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Die nach Cytherens Art ein breiter Gürtel schmückt,
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Von weiß und grünem Bast mit seltner Kunst gestrickt.
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Verstummt erkennen nun die Hirten an der Schönen
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Die junge Galathe, die Schwester der Kamönen,
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Die bey dem Hochzeitfest Damöts im Wettgesang
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Den bunten Gürtel sich als einen Preis errang.
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Sie naht sich dem Sylvan: Heil dir, o du mein Retter!
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Sprach sie, dich sandten mir die mitleidvollen Götter
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Als dieser böse Hirt ... Ich bin nicht böse, nein,
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Beym Pan, das bin ich nicht, fiel Tityrus ihr ein.
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Was that ich? als die Furcht dich in die Höhle jagte,
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Hab' ich dich zwar verfolgt; doch ob ich es gleich sagte,
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So drang ich nicht hinein. Was hemmte meinen Fuß
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Als Ehrfurcht? Freylich bat ich dich um einen Kuß
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Zum Lösegeld; allein den konnt' ich mir ja rauben.
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Ja, Kind! so sprach Sylvan, du kannst dem Hirten glauben,
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Ich bin dein Retter nicht, denn bieder ist sein Herz.
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Gieb ihm den Kuß zum Lohn, was er gethan, war Scherz.
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Doch als dein Angstgeschrey den Vater der Tritonen
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Um seinen Beystand bat, dacht ich an Amymonen,
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Von der mein Ahne mich ein hohes Lied gelehrt,
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Das er als Jüngling einst auf ferner Trift gehört.
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Noch muß ich es ihm oft mit meiner Chloe singen;
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Dann drückt er mir die Hand; erstickte Seufzer dringen
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Aus seiner frommen Brust. Des Mädchens Wange glüht
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Und weinend dankt es ihm von neuem für das Lied.
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Wirst du, so fuhr er fort, des Hirten Wunsch gewähren,
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Dann, holde Sängerin, will ich auch dich es lehren.
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Halb lächelnd, halb erzürnt bot Galathe den Kuß.
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So küssen Grazien. Entzückt gab Tityrus
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Das süße Lösegeld der Schönen zweymal wieder,
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Dann setzten alle sich im bunten Grase nieder;
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Der Schäfer blies das Lied auf seinem Haberrohr
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Und sang dem stummen Paar die ernsten Worte vor:
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So sang der Hirt; sein Lied begleiteten die Thränen
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Des biedern Tityrus und der verstummten Schönen;
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Ein sanfter Händedruck (mehr lohnt kein Lorbeerreis
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Von Phöbus eigner Hand) war seines Sieges Preis.
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Sie bat noch zweymal ihn mit hochgefärbten Wangen
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Und seelenvollem Blick es wieder anzufangen,
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Und eh noch Lunens Strahl sich an dem Latmos brach,
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Sang sie's, wie Echos Mund einst Orpheus Klage, nach.
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Nun deckte sich die Flur mit einer grauen Hülle
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Und Galathea gieng in feyerlicher Stille
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Am Arm des Tityrus durch den bethauten Wald;
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Vor ihr flog Zypripor in Schmetterlingsgestalt.
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Bald schmieget sie vertraut sich an des Hirten Seite,
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Der ihre weiche Hand als eine süße Beute
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In seine Rechte schließt und an den Busen drückt,
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Bis sie der Mutter Dach am bunten Rain erblickt.
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Sie naht der Thüre sich mit immer trägerm Fuße
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Und hält ihm röthend still bey seinem Abschiedskusse.
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Von nun an kam es oft, weil Hylax leicht entschlief,
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Daß sich ein keckes Lamm von ihrer Trift verlief.
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Indeß wenn Tityrus dann seine Heerde zählte,
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Durch Amors Zauber ihm ein junger Widder fehlte;
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Sie suchten beyderseits und fanden jedesmal
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Den Widder und das Lamm am Bach im Myrthenthal.
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Doch floh die Nymphe nicht, wenn schnell ihr aus dem Schilfe
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Der Hirt entgegensprang, und schrie nicht mehr um Hilfe.