Zween Füchse brachen einem Pächter

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Gottlieb Konrad Pfeffel: Zween Füchse brachen einem Pächter Titel entspricht 1. Vers(1759)

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Zween Füchse brachen einem Pächter
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Zur Nachtzeit in sein Hühnerhaus,
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Und übten Mord und Todtschlag aus.
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Ein stolzer Hahn, des Hofes Wächter,
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Der Hennen Abgott, fiel im Straus
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Als Held für seine Sultaninnen,
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Und kurz, es konnte nichts entrinnen,
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Was Federn auf dem Leibe trug.
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Den Dieben frommt kein langes Weilen,
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Sie sagten: laßt den Raub uns theilen,
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Raps war schon alt und folglich klug.
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Er sprach zum jüngern Spießgesellen:
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Mein Sohn, ich weiß aus tausend Fällen,
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Wie nöthig man zu sparen hat;
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Ist heut mein Magen noch so satt,
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So will er morgen doch was haben.
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Auch ist der Winter vor der Thür,
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Darum, Herr Neffe, glaube mir,
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Laß uns den reichen Schatz vergraben,
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Um lang uns noch damit zu laben.
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Der junge Rips, ein lockrer Wicht,
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Versetzte mit ersticktem Lachen:
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Ich danke für den Unterricht
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Und will ihn mir zu Nutze machen.
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Hier fiel er auf den Proviant
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Und schob ein Hühnchen in den Rachen.
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Ein zweytes ward ihm nachgesandt
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Und mit dem Spiele fortgefahren,
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Bis alle, trotz der Homilie
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Des Oheims, rein verzehret waren.
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Nun suchte Rips mit saurer Müh
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Sich von der Tafel zu erheben.
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Allein auf einmal wird ihm schwach;
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Sein Athem stockt, die Kniee beben:
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Er wälzt sich, seufzet Weh und Ach,
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Und sucht den Fraß zurück zu geben.
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Der Oheim fuhr dem armen Gauch
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Mit einer Feder in die Kehle.
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Allein umsonst, der volle Bauch
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Zerbarst. Zevs helfe seiner Seele;
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Sprach Raps und schickte sich nun auch
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Zum Siegesmahl. Er nagt die Flügel
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Des Hahns in kleinen Bissen ab,
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Hölt für den Rest des Raubs ein Grab
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Und überdeckt mit Moos den Hügel.
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Nun schlendert er in kurzem Trab
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Nach Haus, und überschlägt im Gehen,
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Wie weit der Vorrath reichen mag.
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Er rastet nicht, kaum graut der Tag,
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So eilt er nach dem Schatz zu sehen.
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Allein der Pächter, ein Pandur,
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Der nur zu früh den Raub erfuhr,
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Ließ heimlich auf den Gaudieb lauren;
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Auch war er kaum dem Hügel nah,
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So stand ein Regiment von Bauren
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Mit ungeheuren Prügeln da,
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Und um den Ausgang kurz zu sagen,
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Raps ward auf seinem Schatz erschlagen.

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Kein Alter ist von Lastern frey.
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Der Jüngling fröhnt der Schwelgerey,
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Der Greis ist seiner Thaler Sklave,
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Und beyde sind sich selbst zur Strafe.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Gottlieb Konrad Pfeffel
(17361809)

* 28.06.1736 in Colmar, † 01.05.1809 in Colmar

männlich, geb. Pfeffel

deutscher Schriftsteller, Kriegswissenschaftler und Pädagoge

(Aus: Wikidata.org)

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