Unterthäniges Sendschreiben an Ihro Hochfürstl. Durchl. zu Sachsen-Weimar

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Sidonia Hedwig Zäunemann: Unterthäniges Sendschreiben an Ihro Hochfürstl. Durchl. zu Sachsen-Weimar (1727)

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der ein Herz voller Huld und Großmuth träget,
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Und darneben jedes Werk mit viel Weisheit überleget.
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Ob er Dirs gleich nicht entdecket, und aus Ehrfurcht oft verhehlt.
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Du hast mir was ich gewünscht, und was meinen Geist erquicket,
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Aus besondrer Gnad und Huld zu dem heilgen Christ geschicket.
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Aber Du was vor die Seele, und zu ihren Zeitvertreib.
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Jens ist nützlich; dieses noth; jenes schmückt und ziert die Glieder;
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Dieses aber giebt dem Geist, und der Seele Kräfte wieder.
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Diese schön und grossen Bücher fordern meine Geister auf,
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Und belustgen meine Sinnen durch den ganzen Lebenslauf.
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Unser Geist muß wie der Leib seine Speiß und Nahrung kriegen,
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Muß an etwas seine Lust, sein Ergötzen und Vergnügen
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Durch die Lebens-Zeit empfinden. Dieses schenkt und giebt ein Blat,
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Und ein Buch, das Geist und Weisheit, und viel Lehren in sich hat.
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Ja, Durchlauchtster! dieß Geschenk, diese Welt-berühmte Bücher
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Machen meinen Geist und Sinn immer munterer und sicher,
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Auf der Weisheit Bahn zu wandeln und Minerven nachzugehn,
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So, daß ich dadurch im Tode dennoch kan das Leben sehn.
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Deine Dien'rin,
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Und will Dir im Geist die Hand und den Saum des Purpurs küssen,
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Vor das gnädge Christ-Geschenke, das mir deine Huld beschert.
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Nim hiermit den Dank,
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Keinen andern Dank kan ich als ein solches Herze bringen,
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Das mit Ehrfurcht angefüllt, und dieselbe durch das Singen
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Bey bequemer Zeit und Stunden; bey dem Lust- und Freuden-Fest,
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Voller Demuth, nach der Weise der Poeten sehen läst.
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Held! so lang mein Blut sich regt, und mein Mund ein Wort kan lallen,
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Werd ich stets mit Dankgebühr vor Dein Antlitz niederfallen.
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Wenn mein Mund darinne lieset, und mein Geist sich dran erquickt,
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Werd ich auch zugleich an Dich und an Deine Gnade denken,
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Und den Geist auf Deine Huld,
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Ich wünsch Dir,
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Welcher Stadt und Land erfreuet, und vom Fleisch und Blute ist;
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Welcher aus Sophiens Schooß und Augustens Lenden stammet;
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Der mit einem solchen Geist, wie Augustus angeflammet;
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Welcher sich in samtnen Windeln auf Charlottens Händen regt;
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Ihre Schönheit im Gesichte, und Dein Bild im Herzen trägt.
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Held! in Demuth bitt ich Dich: schenk mir ferner Deine Güte,
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Deine Großmuth, Deine Gnad, daß mein Geist und mein Gemüthe
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Weiter frölich ist und bleibet. Zum Beschluß wünscht Herz und Mund:
41
Deine Schwachheit müsse weichen; werde wieder bald gesund.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Sidonia Hedwig Zäunemann
(17111740)

* 15.01.1711 in Erfurt, † 11.12.1740 in Plaue

weiblich

deutsche Dichterin

(Aus: Wikidata.org)

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