Unterthänigstes Sendschreiben an Ihro Hochfürstl. Durchl. zu Sachsen Meinungen

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Sidonia Hedwig Zäunemann: Unterthänigstes Sendschreiben an Ihro Hochfürstl. Durchl. zu Sachsen Meinungen (1727)

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Ist dieses nicht zu viel,
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Daß meine Niedrigkeit, daß sich mein Dichterkiel
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Zu deiner Hoheit wagt? darf ich mich unterstehen
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Durchlauchtster! durch ein Blat vor dein Gesicht zu gehen?
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Ich zittre mit der Hand, ich werf die Feder hin!
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Trieb, Ehrfurcht, Hofnung, Furcht verwirrt jetzt meinen Sinn.
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Doch was verzage ich! Ich nehm die Feder wieder.
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Der Dichter nicht verschmäht. Er hält gelehrten Fleiß
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Nach seiner Weisheit wehrt. Er kennt, Er sieht und weiß
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Nach seiner Einsicht wohl, wer sich dahin bestrebet,
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Daß er durch Wissenschaft sich aus dem Staub erhebet,
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Und sucht, kein faules Glied der Republik zu seyn.
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Mir fällt
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Wie hoch
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Wodurch

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Allein
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Auch an und vor sich selbst, wohl deine Gnad und Gunst?
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Man schimpft und höhnt sie ja; man nennt sie offt bey Hofe
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Wie Günther schon gesagt, die abgedankte Zofe.
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Sie heist ein Hirngespinst, und eine Bettel-Magd,
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Und eine Heuchlerin die nur zum Scheine klagt.
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Sie schmeichle um Gewinst, und wisse zuverblenden,
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Und könte meisterlich die edle Zeit verschwenden.
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Die Laster sind weit mehr die man ihr angedicht.
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Bist du ihr dennoch hold? Ists nicht zuviel vor Helden
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Und Fürsten, wenn sie was zu ihrem Ruhme melden?
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Ruft nicht der Weisheit Feind, der Süd und West durchzieht.
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Verächtlich wärs, wenn sich ein Prinz um sie bemüht.
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Ein Herzog dörfte sie nicht lesen oder kennen,
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Er könte sie, wie dort Sibillens Buch verbrennen.
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(das sie zwar selbst gethan.) Der Fürsten Lust allein
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Solt nur die Lust der Welt, das Trink und Jagen seyn.
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Vortreflich schöner Spruch! wie? sind denn nicht die Prinzen
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Ein Vorbild und ein Licht und Väter der Provinzen?
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Ein Fürst muß Wissenschaft, Verstand, beherztes Blut,
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Huld, Gnade, Warheit, Treu, gerecht, doch sanften Muth,
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Erbarmen, Gütigkeit, und andre Fürsten-Gaben,
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Zu seines Namens Ruhm, und Glück des Landes haben.
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Die Weisheit, der Verstand, die lautere Vernunft,
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Die einen Herzog schmückt, schließt nun die Musen-Zunft
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Aus seiner Brust nicht aus. Sie steht mit unter diesen,
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Die Fürsten Gnadenreich und Großmuthsvoll begrüssen,

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Es ist die Poesie kein niederträchtig Werk;
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Sie ist der weisesten und größten Augenmerk,
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Und süsser Zeitvertreib. Die Potentanten müssen
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An etwas eine Lust nach ihrer Last geniessen.
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Der Fürsten ihre Lust ist zwar gar mancherley,
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Rudolphens Pinsel kam den Mahlern treflich bey.
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Der junge Cyrus fand an junger Bäume setzen
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Die angenehmste Lust, das herrlichste Ergetzen.
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Gambrivius braut Bier. Albertus drechslet schön.
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Es wußte Carl geschickt mit Uhren umzugehn.
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Wilhelmus gleichfals auch. Und Ferdinand polirte
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Gold und die Waffen schön. Garochus schnitzt und zierte,
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Der Bogen Pfeile wohl. Aeropus ward bedacht,
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Wie er bald Lichtergen und bald Laternen macht'.
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Atheus putzt sein Roß. Und Abas schlug die Eisen
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Dem Reitpferd selbsten an, und zäumt es auf den Reisen.
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Was macht Domitius? Er spießt die Fliegen an.
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Ich weiß zwar nicht, ob man dieß Fürstlich nennen kan!
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Ich weiß nicht, hab ich recht? bey Fürstlichem Vergnügen,
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Muß doch der grosse Geist allzeit zum Grunde liegen.

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Wie schön ists, wenn ein Fürst kein Fürsten-Haupt erhebt,
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Und nach der schönsten Lust der Weisheit eifrig strebt,
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Und sich an ihr ergötzt: So kan er klug regieren,
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Und seinen Fürsten-Hut durch sich noch grösser zieren.
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Die Weisheit find kein Haus, zu ihrem Glück und Ehr,
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Das schöner, als die Brust der Potentanten wär.
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Durch kluge Fürsten kan die Weisheit herrlich glänzen;
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Durch sie erweitert sich ihr Reich und seine Gränzen.
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Der Römer edles Haupt Aurelius Anton
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War ihrer Augenlust, und ihr warhaftger Sohn.
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Was that Vespasian? Was Zeno? sie studirten.
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Was Cäsar? Friederich? Sie lasen, meditirten.
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August und Adrian, Alphonsus liebten sie:
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Und Carl verehrte auch die Weisheit spat und früh.
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Franciscus, Heinrich laß mit Lust gelehrte Schriften.
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O schöne Fürsten-Lust! die kan ein Denkmaal stiften
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Das ewiglich besteht. War Nero voller Wuth;
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So nahm die Wissenschaft und Dichtkunst doch sein Blut,
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Und seine Seele ein: Er hat geschickt geschrieben,
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Und mit der Poesie die Zeit gar oft vertrieben.
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Wie mancher grosser Fürst, den Deutschland in sich schließt
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Trinkt öfters aus dem Fluß, der am Parnasso fließt.
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Man geh die Prinzen durch, so wird man klärlich lesen,
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Und finden, daß ihr Herz der Musensitz gewesen.
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Hat nicht der Held Eugen die Dichtkunst hochgeschätzt?
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Was Wunder, wenn
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Was Wunder, daß du Sie
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Und ihr dein grosses Herz zu eine Wohnhaus giebest.
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Dein hocherleuchter Geist sieht ihre Schönheit ein.
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Du weist sie will besitzt, sie will verwahret seyn.
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Du bist ein weiser Fürst, den Pallas auferzogen,
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Drum bist du ihrem Volk auch Großmuthsvoll gewogen.
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Ein Dichter findt bey dir ein gnädiges Gehör,
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Und wenn der Zoil auch mit Macht darwieder wär.
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So liebst und lobest du,
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Die Federn und das Blat der klug und weisen Männer,
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Nach deiner Einsicht hoch, und siehst es gnädig an.

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Allein,
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(ich bitte demuthsvoll, vergieb den kühnen Fragen,
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Verzeihe gnädiglich, was jetzt die Worte sagen!)
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Daß du der Hände Werk von einem Weibesbild,
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Das ja mit keinem Witz; mit Schwachheit angefüllt,
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So gnädiglich verehrst? wo hat man wohl vernommen,
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Das von dem Frauenvolk was Gutes wär gekommen?
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So spricht der Klugheit Feind; so spricht der tolle Neid.
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Man hörts ja, wie er oft mit vollem Munde schreyt:
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Ein Weibsbild sey kein Mensch. Wir wären Plage-Geister
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Der Männer. Und was mehr? Xantippens Obermeister.
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Und solche Tittel mehr, die er umsonst verschenkt.
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Ein Weibsbild, das an Kiel und Wissenschafft gedenkt,
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Und sie zu forschen sucht, das muß ein Monstrum heisen,
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Man müß im Buch und Kiel aus denen Händen reisen.
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Der Degen in der Faust, die Feder in der Hand,
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Den Hut auf Schläff und Kopf wär Männern zuerkant,
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Und nicht dem Frauenvolk. Daß müsse dum verbleiben,
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Die höchste Klugheit sey, den Namen nur zu schreiben,
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Kehrt sich ein Weibsbild an dieß Geboth nun nicht,
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Hilf Himmel! wie wird es getadelt und gericht!
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Du aber Grosser Fürst! wilst dich daran nicht kehren,
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Vielmehr gedenkst du mich dem Neid zu Trutz zu ehren.
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Mein! was kan ich davor, daß mich Apollo liebt;
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Daß Pallas mir die Brust daraus zu saugen giebt;
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Daß mir die Musen hold! Soll ich denn ihre Gaben;
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Soll ich des Schöpfers Pfund so liederlich vergraben?
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Nein? warlich, dieses geht Sidonia nicht ein,
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Und solte Jupiter mit Donnerkeilen dräun!
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Ich schwör: Jemehr der Neid sich denkt an mir zu reiben;
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Jemehr bestreb ich mich zu lesen und zu schreiben!

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Vor deine Gnad und Huld, wormit du jederzeit
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Die Arbeit meiner Hand so gnädigst angesehen.
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Fahr fort

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Daß als du deine Reis' durch unsre Stadt verricht,
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Und als ein Graf durchgiengst, hätt'st du dir vorgenommen,
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Sidonien zu sehn, zu Hedewig zu kommen.
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Allein du hätt'st gesorgt, dein Ausgang möchte dich
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In unsrer Geren-Stadt
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Verrathen, und dich sehn. Wie zürn ich aufs Geschicke
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Und Schicksaal, daß es mir die Gnade und das Glücke,
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Die Freude hätte ich,
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Durch Dint und Kiel gebracht, die ich dadurch empfunden.
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Wie sich
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Nicht ohne ist es zwar,
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Man hätte es gemerkt, man hätte dich gekennt.
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Ein Fürst kan sich nicht leicht verbergen und verhehlen.
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Gewiß, man hätte
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Sich auch im Reise-Hut, und Reise-Kleider weißt
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Aus Antlitz und Gestalt, Geberden, Augen, Wesen
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Kan man das Fürstliche erkennen, sehn und lesen.
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Was Wunder, wenn ich dich so gleich als Fürst gegrüßt.
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Und unterm Reise-Rock den Purpur-Saum geküßt.

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Ich danke Dir
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Die Du mir unverdient erzeigst.
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Dieselbe nicht zurück. Erhalt mir deine Gnad,
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Und schaffe, daß mein Mund einmahl die Gnade hat,
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Und Deinen Fürsten-Rock und Purpur-Saum zu küssen.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Sidonia Hedwig Zäunemann
(17111740)

* 15.01.1711 in Erfurt, † 11.12.1740 in Plaue

weiblich

deutsche Dichterin

(Aus: Wikidata.org)

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