[das Ilmenauische Bergwerk]

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Sidonia Hedwig Zäunemann: [das Ilmenauische Bergwerk] (1727)

1
Glück auf! Glück auf! wer sucht mich schon
2
So früh in meiner Ruh zu stöhren?
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Glück auf! o Reitzungs-voller Thon!
4
Was könt ich wohl vergnügters hören?
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So recht! mein Wunsch trift ein; der klare Ilmen-Fluß
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Gibt mir Gelegenheit zu sehen,
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Wie weit die Wunder Gottes gehn;
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Mein Vorsatz wird erfüllt. Es ist der Bergmanns-Gruß.
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Wie zärtlich hör ich Ihn zu vielenmahlen klingen!
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Wie reitzend sucht er mir durchs Ohr ins Herzen zu dringen!
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Wie angenehm und süß kommt mir
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Der ungewohnte Zuruf für!

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Nur fort! wohin? vor
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Da wird dein Geist Vergnügen finden.
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Vergnügen? Ist die Luft nicht rauh?
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Liegt nicht ein festes Eis in Gründen?
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Bedecket nicht anjetzt ein tief gefallner Schnee
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Die grün-und finstern Tannen-Wälder,
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Die sonst mit Klee geschmückten Felder,
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Der Thäler buntes Kleid und auch der Berge Höh?
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Man hört ja, wie mich dünkt, nicht eine Wald-Sirene;
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Man hört im Gegentheil ein kläglichs Wild-Gethöne.
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Es sieht ja alles dürr und grauß,
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Todt, furchtsam und erstorben aus.

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Doch nein! du hegest falschen Wahn,
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Versuchs! du wirst dein Herz ergötzen.
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Komm! sieh das
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Dieß wird dich schon in Freude setzen.
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Schau dort den Hütten-Rauch, geh eiligst! komm herhey,
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Und sieh, was Menschen-Hände bauen,
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Wodurch wir Gottes Seegen schauen.
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Trit her! Du findest hier die alte Güt und Treu.
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Wohlan! so will ich nun nicht länger wiederstreben,
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Hingegen sehr genau auf alles Achtung geben.
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Ich fühl auch schon in meiner Brust
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Ganz ungemeine Freud und Lust.

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Was blickt dort vor ein Schein hervor?
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Wen hör ich
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Hier will dem Herrn ein Bergmanns-Chor
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Noch vor der
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O tröstlicher Gesang! o schönes Sterbe-Lied!
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Das Herz wird kräftiglich gerühret,
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Und von dem Eitlen abgeführet,
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Indem die Andachts-Gluth mich recht zum Himmel zieht.
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Hier lerne ich die Welt und ihre Lust verachten,
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Und meines Iesus Tod und meinen Tod betrachten.
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Hie lern' ich, wie man Gott verehrt,
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Bevor man sich zur Arbeit kehrt.

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Das Auge kan sich überall
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An
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Bey manchem schönen
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Mit Lust und viel Vergnügen weiden.
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Drum hält mich nichts zurück, ich steige frisch hinauf.
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Der steile Berg gleicht einem Walle;
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Ein jeder grüsset mich, und ruft mir zu: Glück auf!
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Wohin ich meinen Fuß auf dem Gebürge richte,
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Daselbst vergnügt sich auch mein Geist und das Gesichte.
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O was vor eine Freudigkeit
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Erfüllt mein Herz zu dieser Zeit!

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Was hat nicht dort die
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Ich seh das
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Zum
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Bald lauft es schnell und stark. Dieß wallende Crystall,
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Kan mir im Winter, wie im Grünen,
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Zur lieblichsten Ergötzung dienen;
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Bald labt mich sein
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Wie alles ordentlich und richtig müsse gehen.
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So wächst durch
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Des Bergwercks Wohlfahrt, Glück und Heil.

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Das Wasser im Gefluder laufen.
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Es eilt zur Gottes-Gabe fort,
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Hier wird durch Seil und Rad, Erz, Siefer und Gestein,
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Nach Wunsch
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Dort müssen sich die
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Damit in steter Gluth die
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Man läufet ab und zu, ja gleichsam um die Wette,
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Und machet mit Begier und größtem Fleiß die Bette,
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Worauf man denn die
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Und dadurch die

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Am
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Wie richtig
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Ich kan allhier noch ohn Gefahr
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Was klingt mir vor dem Ohr? Wer spielt auf diesem Berg?
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Wer pfeift, und führt den Tact so schöne?
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O! wie vergnügt mich dieß Gethöne!

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Dieß dringt durch Geist und Mark, mein Herz fängt anzuwallen.
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Des Bergwerks Schönheit nimmt mich ein;
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Ich will, ich muß ein Bergmann seyn.

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Ich kan die Regung meiner Brust
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Ohnmöglich länger unterdrücken:
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Ich muß zu meiner Herzens-Lust
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Mich mit dem Bergmanns-Kleide schmücken.
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Mein
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Kein unterirrdisch Ungeheuer,
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Schweigt stille! denn mein Geist wagt alles durchzugehen.
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Schweigt! lasset mich im Berg die Weisheit Gottes sehen.
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Glaubt, daß ich jetzt so lustig bin,
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Das macht, mir liegt die Fahrt im Sinn.

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Man wendet zwar darwider ein:
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Kein Weib soll Mannes-Kleider tragen.
101
(wenn es gelegne Zeit wird seyn,
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Will ich hierauf die Antwort sagen.)
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Man wirft mir weiter vor: Dieß sey nicht mein Beruf
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Es sey von Gott der Weiber-Orden
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Zum Haushalt nur erschaffen worden;
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Man nimmt des Salomons sein Spruch-Buch zum Behuf.
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Der König hat zwar recht; allein wer wills uns wehren,
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Wenn wir darneben auch uns von dem Pöbel kehren.
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Wer straft uns, wenn auch unser Geist
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Ein Herz voll Muth und Feuer weist?

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Worzu hat uns die höchste Kraft
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Verstand und Muth ins Herz gegeben,
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Als daß wir auch nach Wissenschaft,
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Und edlen Werken sollen streben?
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Wie manches Frauenbild macht Kiel und Blat bekant;
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Wie manches ist durch Helden-Thaten
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Ins Buch der Ewigkeit gerathen.
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Spieß, Degen, Blat und Kiel schmückt auch die Weider-Hand.
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Weswegen soll denn nicht ein Frauen-Bild auf Erden
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Durch
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Auch diese That muß rühmlich seyn!
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Glück auf! ich

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Zurück; Warum? O nein! mir macht
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Ich, und
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Ich kan ganz wohl
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Mir komt die
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Hier seh ich, wie die Seraphinen
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O! wären sie nicht da, wie trostlos wären wir,
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Es müßte unser Leid zerschmettern und zerbrechen;
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So aber können wir die Worte frölich sprechen;
131
Weil dieß der Himmels-Leiter gleicht,
132
So wird mit Gott der Flötz erreicht.

133
Was zeigt sich hier vor ein Gebäu?
134
Wie künstlich baut man in der Erde?
135
Ihr Werk-Verständgen! Sagt nur frey,
136
Ob oben so gebauet werde?
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Das allergröste Haus, der herrlichste Pallast
138
Wird warlich nicht so fest gegründet,
139
Als man den Berg gezimmert findet.
140
Hier trägt ein festes Holz die allerschwerste Last.
141
Venedig ist gestützt und schwebet auf dem Naßen.
142
Hat dort Semiramis auf Pfeiler bauen lassen;
143
O! so beschämt doch dieser Berg
144
Dieß beydes, Stadt und Gartenwerk.

145
Jetzt spühr ich wie die
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Ich fühle nun die untern Lüste.
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Mein Auge wende dich dorthin,
148
Hier siehst du
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Wie schön und rein und frisch, wie sanft, wie schnell und klar,
150
Belustget euch entzückte Sinne!
151
Gebt den Gedanken Raum! doch seht! was nehm ich wahr?
152
Und

153
Herzu! da geht das Schmeißwerk gut.
154
Wie edel sind alhier die
155
Dort schrämt man mit vergnügtem Muth,
156
Denn man erblicket
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Des großen Phisici sein Thränen-volles Buch,
158
Weiß uns auch
159
So gab schon dazumahl

160
So bringt des Bergwerks Alterthum
161
Dem Bergwerk nicht geringen Ruhm.

162
Es zeiget mir der
163
Die lang geweßne Vater-Treue,
164
Und alte Güte Gottes an.
165
Ja, jetzt erblick ich sie aufs neue.
166
Und seiner hohen Weisheit Stärke,
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Und seiner Allmacht Wunderwerke.
168
Hier macht sich seine Huld und Liebe recht bekant.
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O! solt ein Stoicus in diese Grube kommen,
170
Ich weiß, ihm würde bald sein falscher Wahn benommen;
171
Er würde mit Ergötzen sehn,
172
Was hier die Allmacht läßt geschehn.

173
Als Gott schon bey sich fest gestellt,
174
Die Felder herrlich auszuzieren;
175
So ließ er auch der untern Welt
176
Die Fülle seiner Güte spüren.
177
Gibt uns das Erd-Gebäu Feld, Wiesen, Gärten, Wald,
178
Korn, Obst und Kraut und andre Gaben,
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Die wir zum Leben nöthig haben;
180
So dient das Bergwerck auch zu unsern Unterhalt.
181
Gold, Silber, Erz und Bley, Salz, Schwefel, Kupfer, Eisen,
182
Muß uns auf dieser Welt den größten Dienst beweisen.
183
Woraus man ja den Seegens-Fluß
184
Des Bergwerks genug erkennen muß.

185
Wie sehr wird nicht zur Frühlings-Zeit,
186
In Gärten und auf bunten Auen,
187
Das Auge und der Geist erfreut!
188
O schöne Blumen, die wir schauen!
189
Allein wagt euch in Berg! kommt! fahret mit mir ein!
190
So findt ihr gleiche Anmuths-Spuren,
191
Ihr schaut die lieblichsten Figuren.
192
In Schwülen abgebildt. Bald werdens Blumen seyn;
193
Bald Bäume, Fische, Kraut; bald andre Lieblichkeiten,
194
Und Bilder, welche fast der Künstler Werk bestreiten.
195
So siehet nun dieß untre Haus
196
Gleich wie der schönste Garten aus.

197
Da unsre Eltern das Gebot
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Im Paradiese übergangen;
199
So kam der Fluch: Ihr solt das Brod
200
Durch saure Müh und Schweiß erlangen.
201
Ja wohl trift dieses zu. Der Bergman trägt den Lohn
202
Nach naßen
203
Nach öftern
204
Von Noth und Kümmerniß, von Jammer-vollen Tagen;
205
Von Elend, Angst und Schmerz kan uns ein Bergmann sagen.
206
Er wünscht die
207
Und schmeckt sie doch wohl öfters nicht.

208
Ihr Helden! die ihr euch so sehr
209
Auf Degen, Stahl und Lager stützet,
210
Schaut, ob man hier wofern nicht mehr,
211
Doch gleiche Tapferkeit besitzet?
212
Ihr könt ja euren Feind im Feld vor Augen sehn;
213
Ihr könt zur Linken und zur Rechten
214
Mit Vortheil, klug und muthig fechten;
215
Ihr werdet doch gewahr, woher die Kugeln gehn.
216
Ihr könt auch in Gefahr den Unglücks-vollen Streichen
217
Des Feindes oft geschickt entfliehen und entweichen:
218
Wodurch sich euer Leib und Geist
219
Dem Unfall und dem Todt entreist.

220
Allein seht unsre
221
Erwegt, mit wem dieselben kämpfen!
222
Hier drohet uns der
223
Dort will die Fluth
224
Bald zeigt der
225
Und bald zerschmettern uns die Wände;
226
Bald schläfert unsern Geist ein Stempel kläglich ein.
227
Wir können unsern Feind nicht sehen und entfliehen,
228
Noch uns, wie ihr Feld, so leicht zurücke ziehen.
229
Drum auch die Grube, gleich dem Feld,
230
Viel tapfre Streiter in sich hält,

231
Wenn Krieger nach dem Lager ziehn,
232
So ist ihr Marsch ein Weg der Freuden:
233
Da wir vielmehr das Eitle fliehn,
234
Und unsern Geist in Andacht weiden.
235
So wohl die Fahrt als Gang zeigt größre Sittsamkeit,
236
Als jene Reise muntrer Helden.
237
Was wollt ihr viel von Schiesen melden?
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Wir sind so gut als ihr zu dieser That bereit.
239
Ihr zündt das Pulver an, und schießt nach Maur und Wällen;
240
Wir wissen das Gestein im Berg zu zerschellen.
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Ihr brechet durch, nach Kriegs-Gebrauch,
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Und sprengt den Stein; wir gleichfalls auch.

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Wenn Helden nach der blutgen Schlacht
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Die angenehmste Ruh genießen;
245
So läßt der Bergmann in dem
246
Den heisen Schweiß von Wangen fliessen.
247
Die
248
Allhier ist ein beständig Streiten,
249
Man hat die Feinde stets zur Seiten.
250
Drum grünt und blüht uns auch ein schöner Ehren-Strauß.
251
Die Helden rühmt man hoch, die vor dem Feind gestritten.
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Wie vielmahl haben wir gekämpft, gekriegt, gelitten?
253
Die Grube läßt uns keine Rast,
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Drum sind wir stets zum Streit gefaßt,

255
Wenn unser werthes Vaterland
256
Ein feindlich Krieges-Heer beziehet.
257
Und sich der tare Helden-Stand
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Um Schwerd und Gegenwehr bemühet;
259
So sieht die
260
Sie greift auch nach Gewehr und Degen,
261
Und sucht die Feinde zu erlegen.
262
Geht also fordert auch der Bergmann Fried und Ruh.
263
Wer dieß zu leugnen denkt, mag nur zurücke sehen,
264
Was zu
265
Man gab der
266
Schwerd, Bley und Pulver in die Hand.

267
Als Herzog Heinrich der das Land
268
Elysien als Herr regierte,
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Des Tarter Fürsts Tyrannen Hand,
270
Und tollen Christen Blut-Durst spührte;
271
So zog zwölfhundert Mann von
272
Sie kämpfen tapfer, kühn und muthig,
273
Und färbten ihre Degen bluthig;
274
Ein jeder zeigte sich als ein beherzter Held.
275
Die Knappen haben hier den größten Ruhm erworben;
276
Als tapfre Helden sind sie in der Schlacht gestorben.
277
So legte denn ihr Todes-Schweiß
278
Den Grund zu ihren ewgen Preiß.

279
Zurück! zurück! hier giebts Gefahr!
280
Seht! hier muß
281
Ein jeder nehme seiner wahr!
282
Getrost! Gott wohnt auch in der Erden;
283
Die Engel stehn uns bey; sie lagern sich allhier.
284
Ihr Flügel-Schutz bedeckt uns immer
285
Sie reisen aus der Noth; ihr Antlitz leucht uns für.
286
Sie unterstützen uns, und fordern die Geschäfte;
287
Erhalten uns gesund, und geben Stärk und Kräfte.
288
Daher
289
Die sonst die

290
So sehr der Arzt, Hygäens Kind,
291
Das Auge an den Kräutern weidet,
292
Die er im Feld und Wäldern findt,
293
Und aus den bunten Gärten scheidet;
294
So lieblich stellt er sich auch hier das Bergwerk vor,
295
Warum? es bringt ihm viel Ergötzen;
296
Es weiß ihm Sachen vorzusetzen,
297
Die voller Anmuth sind. Verwirft sie gleich ein Thor.
298
Aus Mineralien die aus der Grube kommen,
299
Wird mancher edler Stein zur Arzeney genommen.
300
Die Welt denkt mit Verwundrung dran,
301
Was einstens Theophrast gethan.

302
Ich muß das
303
Ich muß in diesem tiefen Ort
304
Auch mit Betrachtung stille stehen.
305
Wie so? auch dahinnein? Das Wasser rauscht hier sehr.
306
Es hat seit zwölf und noch mehr Jahren
307
Kein Mensch dieß
308
Die
309
Das Wasser! laßt es seyn! laßts toben, brausen, stürmen;
310
Ein Zärtling sucht sich nur vor dieses zu beschirmen.
311
Bleibt nur mein
312
So fahr ich in das

313
Dem David wurde ehedem
314
Von Helden, die im Tode leben,
315
Dort aus dem Brunnen Bethlehem
316
Ein Trank von Wasser übergeben.
317
O! hätt ich doch anjetzt ein schönes Glaß bey mir!
318
Ich wolte meine Sehnsucht stillen,
319
Und dieses Glaß mit Wasser füllen:
320
Ich trüg es nach der Fahrt gleich
321
O! daß ich doch die Hand zu
322
Ich brächte mein Geschenk und tiefste Ehrfurchts-Gaben
323
Gleich wie Sinät in Perser Land.

324
Ich habe nun die Seegens-Spuhr
325
Der Allmacht in der Erd erwogen,
326
Und aus den Wundern der Natur,
327
Die schönste Wissenschaft gezogen.
328
O wie vergnügt bin ich! wie frölich
329
Weg Spielen, Tanzen, Scherz und Schmücken;
330
Das Bergwerk kan mich nur erquicken;
331
Kein Garten labt mich so, als dieses untre Haus.
332
Auf! ich muß noch mehr sehn! ich will in nächsten Tagen
333
Mit gleicher Munterkeit mich auch in
334
Geht, bringt mir Kleid und
335
Damit es mir an nichts gebricht.

336
Wir sind nun an das
337
Was Wunder, wenn ich frölich thu?
338
Weil ich viel schönes wahrgenommen.
339
Wie lieblich, rein und klar
340
Wie reichlich bricht man
341
Das Erz zu unsers Schöpfers Preise?
342
Der Seegen zeiget sich allhier in reicher Mas.
343
Wie hoch ist doch die Huld der Majestät zu achten.
344
Wie süsse wird das Herz vergnügt,
345
Wenn solcher Schatz vor Augen liegt.

346
Ihr Künstler! bildet euch nicht ein,
347
Ihr wüstet alles auszuzieren.
348
Des Stollens Gang und sein Gestein,
349
Weiß schönre Farben aufzuführen.
350
Kommt! schaut den
351
Bald will er reinem Purpur gleichen;
352
Bald muß ihm Schnee an Farbe weichen;
353
Bald scheint sich das
354
Da fügt die untre Luft und Wasser was zusammen.
355
Daß Bäume mancher Art in kurzen draus entstammen.
356
Dort setzt sich ein Gewächse an,
357
Das man nicht gnug bewundern kan.

358
Wie mächtig kan
359
Was lässet sich vor ein Gebrauß,
360
Vor ein Geräusch und Donnern hören?
361
Ist es das
362
Bald lauft das Wasser still und fachte;
363
Bald scheints, als ob es Perlen machte;
364
Bald giebt sein sanft Geräusch den angenehmsten Thon.
365
Das Echo ruft sonst nur in dick-belaubten Wäldern
366
Und spricht in Thälern ein, und schwatzt in grünen Feldern;
367
Hier aber hat es auch sein Haus,
368
Und füllts durch seine Stimme aus.

369
Durch dieses
370
Der Himmel hat uns unterstützt,
371
Kein
372
Nun aber will ich auch die edlen
373
Ich spühr sie schon von ferne rauchen,
374
Das Holz kan hier nicht dampfend schmauchen,
375
Sonst könt kein heller Schein von
376
Die
377
Dort brennt ein Feuer, welches bleicht,
378
Daß man dem blassen Tode gleicht,

379
Die
380
Ein Freuden-Feuer anzuzünden.
381
Sie legt mir ihre Schätze für.
382
Was ist wohl nützlichers zu finden?
383
Man macht auf
384
Wie der
385
Mein Auge nimmt mit Lust die
386
Wer nur betracht, wie hier das Silber fließt und glühet,
387
Der meinet, daß er auch ein Bild vom Monde siehet.
388
Woran man tausend Freunde hat.

389
Das Feuer lummert mit Gewalt,
390
Sein Thon kan Ohr und Geist betäuben.
391
Kein Donner so durchdringend schallt;
392
Mich aber kans zum Jauchzen treiben.
393
Kein Regenbogen wird so schön an Farben seyn,
394
Als hier das Feuer zierlich brennet.
395
Wer ist, der einen Künstler nennet,
396
Der also schildern kan? O! seht doch diesen Schein!
397
Dort ist ein ander Feur von lichten rothen Flammen,
398
Aus welchen wiederum viel neue Farben stammen.
399
Wie? sind die
400
Nun nicht mit Recht mein Augenmerk?

401
Der Allmacht stets mit Seegen krönet,
402
Nein! sage, ist dir nicht bekannt,
403
Wer sich nach deinem Wachsthum sehnet?
404
Dein
405
Man kan aus allen Werken schauen,
406
Wie hoch es Sein Bemühn, Kunst, Witz und Fleiß gebracht,
407
Er pfleget keine Zeit und Mühe zu erspahren,
408
Den Stollen, das Gebäu und
409
Dein Flor steigt auch durch Ihn hinauf,
410
Drum spricht mein Mund zu dir: Glück auf.

411
An diesem Bergwerk habt, vergönnet,
412
Daß ich
413
Euch, die man billig Götter nennet.
414
Glück auf!
415
Glück! auf!
416
Ihr müßt biß an den Himmel wachsen!
417
Lebt, blühet, grünet und prangt zu
418
Die Gottheit schenke
419
August! Mein Herzog, Fürst und Held!

420
Was fehlt mir noch was wünsch ich mehr?
421
Zu eurem Wohl, und Gottes Ehr
422
Läß sich ein steter Seegen merken.
423
Glück auf!
424
Nebst andern Freunden und Bekannten!
425
Auf! feyret
426
Ich schweige denn die Feder bricht,
427
Ja

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Sidonia Hedwig Zäunemann
(17111740)

* 15.01.1711 in Erfurt, † 11.12.1740 in Plaue

weiblich

deutsche Dichterin

(Aus: Wikidata.org)

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