Zuschrift bey der andern Auflage

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Sidonia Hedwig Zäunemann: Zuschrift bey der andern Auflage (1727)

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Ich widme Dir – – doch nein;
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Die Kühnheit ist zu groß; Es möchte strafbar seyn,
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Wofern ich mich so frey zum Purpur wagen solte,
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Und meiner Niedrigkeit darbey vergessen wolte.
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Jedoch! was red ich jetzt? Darf sich die Poesie,
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Vor kein gesalbtes Haupt, und grossen Königs Knie
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In Unterthänigkeit und Demuth niederwerfen?
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Kein Dichter seinen Kiel zum Dienst des Königs schärfen?
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O ja! so sehr man auch die reine Dichtkunst flieht,
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So wenig man auch sonst auf ihre Schönheit sieht,
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Sie aus Verachtung schilt, und schimpflich gnug benennet;
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So lebt doch mancher Fürst, der ihren Adel kennet.
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Und dessen Helden-Ruhm bis an den Himmel steigt,
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Und noch im Tode lebt, hat bey vergnügten Stunden
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Auch an der Dichter Kunst nicht wenig Lust gefunden.
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Er wußte selbsten schon, was rein und lieblich war,
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Drum kunt ein muntrer Kiel sein Lied ganz ohn Gefahr
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Dem welt berühmten Held vor Aug und Anlitz bringen,
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Und einen reinen Thon nach Art der Dichter singen.
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So sehr nun diesem Held ein Helden-Lied gefiel,
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So süsse kams Ihm vor, wenn man ein Säyten-Spiel
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Nach muntrer Bergmanns-Art vor seine Ohren brachte,
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Und seinem hohen Geist dadurch Vergnügen machte.
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Hat nicht dieß grosse Haupt bey mancher Lustbarkeit
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Ein Aufzug nach der Art der Bergmannschafft erfreut?
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Wie hoch hat nicht sein Ohr die Berg-Music geschätzet,
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Die seinen tapfern Geist durch ihren Thon ergötzet?
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Daß deine Königs-Brust dem Vater ähnlich sey.
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Du hast des Vaters Thron wie seinen Geist bekommen.
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Was
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Und was
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Daß man Dich auch mit Recht
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Du bist mit Großmuth selbst wie jener ausgeschmücket/
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Dein Auge nicht allein auf hohe Edern blicket;
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O nein!
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Auch auf ein niedrig Laub, und kleinen Rosen-Strauch;
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Ein jeder darf getrost Dein hohes Anlitz sehen,
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Und kan von Dir,
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Dis machet mich beherzt, daß ich mein Dichter-Spiel
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In Unterthänigkeit vor deine Füsse lege,
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Und keinen Zweifel nicht in meiner Seelen hege;
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Als würdest du mein Blat verachten und verschmähn.
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Du wirst,
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Das Dir jetzt Ehrfurchts-voll dies Blat in Demuth sendet.
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Du bist,
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Kein Mensch ist in der Welt, der Dich nicht hoch verehrt.
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Ich kan Dir sonst,
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Nichts als ein Ehrfurchts-Blat mit Reimen übergeben.
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Verschmäh,
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Ich bitte Demuths-voll:
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Mit Gnaden auf dis Blat, so werd ich glücklich heisen,
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Und andre werden mich auch gleichfals glücklich preisen.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Sidonia Hedwig Zäunemann
(17111740)

* 15.01.1711 in Erfurt, † 11.12.1740 in Plaue

weiblich

deutsche Dichterin

(Aus: Wikidata.org)

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