Ein ander Sendschreiben

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Sidonia Hedwig Zäunemann: Ein ander Sendschreiben (1727)

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So, so,
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Durch deinen netten Kiel anjetzo anzuregen,
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Dein Thema kan hiervon ein wahrer Zeuge seyn:

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Daß eine schöne Mohrin einem schönen Europäer besser gefalle, als eine schöne Europäerin.

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Wohlan so schreibe ich! Mir fällt ein Liedgen ein.
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Verzeihe, daß ich dich jetzt auf den Schauplatz führe,
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Und deine Liebes-Glut, doch sonder Neid berühre.

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Wie? soll ein muntrer Musen-Sohn
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Den Trieb der Liebe nicht empfinden?
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Wie? soll der junge Coridon
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Sich nicht zu ihren Dienst verbinden?
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O nein! ich widerstrebe nicht.
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Es fordert die Natur und Pflicht,
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Ich soll ihr treuer Diener heisen.
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Sie reitzet mich und andre an,
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So will ich denn, so sehr ich kan,
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Ihr dienen, und mich ihr nicht freventlich entreisen.

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Vor ihrem Altar fällt der Held,
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Der König und der Riese nieder;
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Der Priester wird von ihr gefällt;
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Er bringt ihr seine Sieges-Lieder.
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Der Philosoph ist nicht im Stand,
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Sich ihrer starken Macht und Hand
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Durch seinen Witz zu widersetzen.
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Die Liebe siegt nach Wunsch und Lust,
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Sie weiß so gar die härtste Brust
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Bevor man sichs versieht aufs schärfste zu verletzen.

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Ich habe ihre Macht gesehn,
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Sie hat mich an ihr Joch gebunden.
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Was ist dir Coridon geschehn?
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Die Liebe hat dich überwunden.
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Die reitzende
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Hat mir die Freyheit weggenommen.
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Ich bin, welch angenehmer Schmerz!
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Durch diese
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Kaum da ich sie gesehn, gegrüßt, gehört, gekommen.

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Bewundert ja nicht meine Wahl
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Meint nicht, ich wolte euch zur Quaal
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Nur
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Nein! denkt nicht so von Coridon.
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Es hat ja seiner Flöten-Thon
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Euch, euren Ruhm und Preiß gegeben.
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Drum höhnt die That nicht die ich thu:
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Vergönnet mir, und laßt mir zu,
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Daß meine Seele darf in

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Das, was man alle Tage sieht,
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Pflegt man so hoch nicht zu betrachten.
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Die Blume, die gewöhnlich blüht,
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Sieht man nicht sonderlich zu achten.
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Nur rare Sachen fremde Frucht
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Und seltne Schönheit wird gesucht,
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Und kan die Augen nach sich ziehen.
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Man siehet ja die Aloe.
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Viel lieber als der Liljen Schnee
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Weil jenes rares ist, in unsern Gärten blühen.

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Ein angenehmer Sommer-Tag
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Kan Aug und Geist in Freude setzen;
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Doch daß ichs recht beschreiben mag;
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So bringt die Nacht oft mehr ergötzen.
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Ein blauer Himmel, den die Pracht
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Der güldnen Lichter helle macht,
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Die still und warme Luft darneben;
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Der feurig, doch nicht heise Schein
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Des Mondes, kan uns so erfreun;
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Daß wir des Nachts mit Lust in grünen Schatten leben.

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Sucht ihr nun eine solche Nacht
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Dem Tage öfters vorzuziehen:
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Was Wunder, wenn ich mich mit Macht
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Will um
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Die
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Gleich denen schönen Nächten für,
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Die reitzend sind, und doch nicht brennen.
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Erwehlt ihr immerhin den Tag
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Der weisen schönen gleichen mag:
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Bey meiner

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Ein buntes Tuch aus Africa,
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Fällt Deutschlands Schönen in die Augen.
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Ein Kunstück aus Batavia,
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Soll mehr als unsre Arbeit taugen.
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Die Thiere, so der Mittag giebt,
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Die sind bey uns weit mehr beliebt,
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Als die in unsern Gränzen leben.
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So ists mit den Gewächsen auch,
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Wir werden einen fremden Strauch
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Den angenehmsten Blick aus unsern Augen geben.

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Ein Manuscript aus Mohrenland
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Weis man nicht hoch genug zu schätzen.
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Ein Buch aus einer fremden Hand
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Kan unser Aug und Geist ergötzen.
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Da nun ein unbelebtes Blat,
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So viele Würkung bey sich hat;
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So wird man mir es nicht verdenken:
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Wenn ich mit aufgewecktem Muth,
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Und Geist und Schönheit hat, mein Herze will verschenken.

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Europens Lippen, Zung und Mund,
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Stehn nur nach fremdgewachsnen Speisen.
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Sie wissen sie zu jeder Stund
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Nicht gnug zu rühmen und zu preisen.
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O was vor Schmuck und Schön und Pracht
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Hat Africa uns zugedacht!
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Es giebt den Jungfern Glanz und Schimmer.
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Liebt ihr nun was aus Africa,
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So lieb ich auch
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Und schätze dieses Kind vors

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Die Blonden Schönen, ists nicht wahr?
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Kan man an allen Orten sehen.
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Nur schwarze Schönen bleiben rar;
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Dieß muß mir jeder zugestehen.
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Weil grosser Häupter ihr Pallast
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Nur solche Schönen in sich faßt;
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Man sucht sie nicht an allen Enden.
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Drum was ein König kostbar schätzt,
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Daß ist, was meine Brust ergötzt.
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Nur einem solchen Kind will ich mein Herz verpfänden.

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Ich bin in Lieben delicat,
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Und liebe nicht was jeder liebet.
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Ich folge meinem eignen Rath
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Damit mich keine Reu betrübet.
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Was edel, rar und kostbar heist,
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Das liebe ich mit Mund und Geist;
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Dieß ist der Abgott meiner Sinnen.
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Drum bleibe ich bey meiner Wahl,
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Und sage ein vor allemahl:

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Nach schwarzen Kirschen steigt man hoch,
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Und suchet sie dem Baum zu rauben.
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Ja ich behaupte dieses noch,
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Man greift mit Lust nach schwarzen Tauben,
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Giebt nicht die ächte schwarze Tracht
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Den grösten Fest- und Ehren-Pracht?
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Schmückt solche nicht die Silber-Haare?
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Was Wunder, wenn mir in der Welt,
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Und ich mich höchst vergnügt mit einer

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Die schöne Länge der Persen,
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Gang, Stellung, Nettigkeit und Mienen,
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Kan dem verliebten Coridon,
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Zur innersten Vergnügung dienen.
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Das zierlich aufgerollte Haar,
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Das schöne blaue Augen-Paar,
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Muß dem, der sie erblickt, gefallen,
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Was sag ich mehr? Ihr rother Mund
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Und weißer Zahn hat mich verwundt!
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Nur dieses holde Kind erwehl ich mir vor allen.

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Vergieb mir meinen Spaß,
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Und denke, es sey hier so böse nicht gemeint.
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Mich solte zwar jetzt nichts zu einem Scherze bringen,
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Ich könte wohl mit Recht das Klage-Liedgen singen,
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Das dorten Israel in Babel angestimmt,
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Und abgesungen hat. Allein kein Mensche nimmt
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Mir doch mein Leiden ab; So muß ich mich selbst fassen,
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Und zu gewisser Zeit das Trauren fahren lassen.
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Das hab ich jetzt gethan: drum schrieb ich dieses Lied.
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Damit dein Auge auch das Gegen-
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So lies, was jetzo folgt: und merke auf mein Schreiben.

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Die Antwort wirst du mir gewiß nicht schuldig bleiben.
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Die Fehler magst du mir anbey zu wissen thun.
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Jetzt schreibt der Kiel nichts mehr; er schließt und siegelt nun.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Sidonia Hedwig Zäunemann
(17111740)

* 15.01.1711 in Erfurt, † 11.12.1740 in Plaue

weiblich

deutsche Dichterin

(Aus: Wikidata.org)

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