Zufällige und sogleich entworfene Gedanken, bey einem Spatzier-Gange

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Sidonia Hedwig Zäunemann: Zufällige und sogleich entworfene Gedanken, bey einem Spatzier-Gange (1727)

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Minerva ginge jüngst aufs bunte Weisen-Feld,
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Und sahe Ceres Pracht, die Seegens-schwangren Aecker,
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Sie sagte zu sich selbst: das sind die Lust-Erwecker,
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Hier freuet sich der Baur, der Bürger und der Held.
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Sie satzte sich darauf an eine klare Quelle,
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Und sprach: Ist Echo nicht allhier mein Sprach-Geselle?

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Nachdem sie dieß gesagt, so wande sie sich um,
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Und sah zur rechten Hand die werthen Caritinen/
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Sie grüßten selbige mit Ehrfurchtsvollen Mienen.
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Wie? sprach sie, find ich euch in Ceres Eigenthum?
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Ihr liebsten! setzet euch, ich will euch etwas fragen,
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Ihr solt mir euren Spruch und eure Meinung sagen.

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Aglaja! sage mir:
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Worauf dieselbe sprach: Wer Weisheit auserlesen
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Den Ehren Könige, sie lassen weit und breit,
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Von vielen Orten her, gelehrte Männer hohlen,
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Und haben ihren Staat denselben anbefohlen.

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Es wird des Königs Thron durch diese unterstützt:
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Denn ein Gelehrter kan auch andre glücklich machen,
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Wofern er ihnen lehrt die ihm vertraute Sachen,
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Und treulich offenbahrt was Staats Ministern nützt.
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Gelehrter Leute Witz ist jedermann beliebet,
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So, daß sich Herz und Geist denselben übergiebet.

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Und sterben sie, so ist ihr Name doch nicht todt,
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Man lässet ihnen Denk- und Ehren-Maale bauen,
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Drum sind sie freylich auch vor edel anzuschauen.
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Allein Beredsamkeit reißt auch aus vieler Noth:
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Seht Abgesandte an, wenn sie gleich viel verstehen,
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Und doch nicht Redner sind, wie schlecht die Sachen gehen.

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Ein Lehrer, der den Kern der Weisheit in sich hat,
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Ist aber nicht geschickt dieselbe vorzutragen;
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Kan denn der Schüler wohl von Nutz und Wachsthum sagen?
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Wie kan ein Advocat, der bald von Reden matt,
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Und arm an Worten wird, den Gegner widerlegen,
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Und seines Richters Sinn zum guten Schluß bewegen?

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Was kan ein Redner nicht, vor Vortheil nach sich ziehn?
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Hat einer gleich nicht viel gelernet und studiret,
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Wofern er Mundwerk hat, und guten Einfall spühret:
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So muß sein Glück und Wohl trotz dem Gelehrtsten blühn:
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Warum? Er weis sein Thun bey nur vorhandnen Fällen,
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Nachsinnlich darzuthun und an das Licht zu stellen.

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Man liebt und ehret den, der fertge Lippen hat.
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Fürwahr, ich weis fast nicht bey sogestallten Sachen
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Den Schluß, wie sichs gebührt, nach Billigkeit zu machen,
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Es findet immer noch der Zweifel bey mir statt.
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Jedoch noch eins! Sind schon gelehrt- und kluge Männer
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Nicht von Demosthens Art und Svada Freund und Kenner:

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So sind der Federn Zahl und Finger in dem Stand
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Zu zeigen, was der Mund nicht kan geschickt erzehlen;
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Der Mund verschweigts; der Kiel kan solches nicht verhehlen,
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Und macht es oftermahls nachdrücklicher bekannt:
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Drum wenn Beredsamkeit nicht bey Gelehrten wohnet,
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So schadet es doch nicht, weil Hand und Feder frohnet.

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Die Bücher werden ja aufs theuerste bezahlt,
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Den Perlen gleich geschätzt, und heilig aufgehoben,
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So, daß die Nachwelt muß und kan Gelehrte loben,
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Weil jedem ihr Verdienst in Aug und Antlitz strahlt.

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Minerva nahm hierauf, Thalien bey der Hand,
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Und warf die Frage auf: Mein! sage
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Was meinst du,
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Die Antwort folgte gleich: Sucht jemand was zu richten,
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So pflegt er erst bey sich zu sinnen und zu dichten.

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Er fragt sich, bey sich selbst: Ist dieß zu meinem Nutz?
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Bringt mir auch diese That das Glück und Wohlergehen?
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Da muß bey dem Verstand der Untersuch geschehen,
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Und dieser fasset denn den Willen in dem Schutz;
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Befindets der Verstand vor gut, so wirds vollzogen;
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Wo nicht, so kriegt der Will', mit Recht, den Scheide-Bogen.

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Verstand ist Herr und Haupt, der Wille ist sein Knecht,
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Wer ist, dem dieser Satz und Schluß zuwider wäre:
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Daß nur dem Herrn die Macht und Würde zugehöre,
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Was der Verstand erkennt/ das ist dem Willen recht.
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Der Wille ist gebeugt, und der Verstand obsieget,
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Was Wunder, daß der Will die Lorbern hier nicht krieget.

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Gesetzt, es käm jemand und sagte mir ins Ohr:
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Der Rhein lief auf den Berg und auf die höchsten Hügel;
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Das Eisen schwebte stets im Wasser hoch empor;
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Die Bienen könten nicht verwesen noch vermodern.
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Gesetzt, man wolte nun den Beyfall von mir fordern:

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So gäb ich solchem Wind bey weiten kein Gehör:
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Warum? denn mein Verstand kan solches nicht begreifen,
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Es will der Widerspruch die Sinnen überhäufen.
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Alleine, wenn man mir hierbey zuwider wär,
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Es spräch ein Mächtiger und Grosser dieser Erden
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Zu mir: Bejahe das; sonst must du Asche werden!

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Die Furcht des Marters-Pein; der angedrohte Todt
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Bewegten mich darzu, daß ich mit gutem Willen
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Solch Zeug bejahete, und spräch: Man kans erfüllen;
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Doch aber der Verstand besorgt sich keiner Noth,
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Er glaubt das alles nicht. Drum ist gar leicht zu schliessen,

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Hier schwieg Thalia still, Minerva fuhre fort,
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Sah Euphrosinen an, und sprach: Hör was ich sage!
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Sie sagte: Freylich ist dieß wohl ein wahres Wort:
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Man stell nur einen Narrn zu liebenden Personen,
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Er wird, wenn man ihn fragt, die Wahrheit wohl nicht schonen.

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Setzt ferner einen Narrn zu dem, der Böses liebt,
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Er wird gewiß sein Thun mit allen seinen Werken,
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Auf die genauste Art erlauschen und bemerken:
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Dann glaube, daß er dir vollkommne Nachricht giebt.
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So trift das Sprichwort ein: Die Kinder und die Narren
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Sehn bloß der Wahrheit nach, und hätten sie zwölf Sparren.

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Ja auch der größte Narr, der noch so närrisch scheint,
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Der ganz umnebelt ist, von Tollheit und von Rasen,
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Kan auf gewisse Art doch mit der Klugheit spasen,
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Es wird nach meinem Sinn der David hier gemeint:
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Derselbe war einmahl zu Gath am Königs-Hofe,
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Kaum sah ihn Herr und Frau, wie auch der Knecht und Zofe.

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So schrie man alsobald: Daß muß der David seyn,
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Von dem der Weiber-Chor mit höchst-erfreuten Zungen,
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Ein frohes Sieges-Lied vor dem in Reihen sungen!
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Drum stellt er sich so närrisch; jedoch nur bloß zum Schein.
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Wodurch ihn denn das Glück in seine Flügel nahme,
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Und er auf diese Art der Todes-Noth entkame.

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Wie mancher stellt sich närrsch um etwas zu vollziehn?
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Die List, der tolle Wuth ist sein Habit und Kappe,
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Er denkt, wenn ich nur was durch Raserey erschnappe
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So frag ich nichts darnach; kan nur mein Glücke bliehn.
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Der ungereimte Sinn und Narren gleiches sprechen,
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Betrügt, besiegt und kan die allerklügsten schwächen.

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Noch weiter: Mancher hat auch eine Missethat
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Gethan und ausgeübt, weshalber das Verbrechen
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Der Richter mit Verhaft und Tode sucht zu rächen,
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Und läßt kein Zeichen sehn, daß Lindrung und Genad
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Vor sein verübtes Werk zu merken, und zu hoffen:
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Er wird von Furcht und Harm in seiner Noth betroffen;

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So thut er, als obs ihm recht sehr zu Herzen ging,
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Als ob er würklich schon in melancholschen Orden,
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Und in der Narren-Zunft ein wahres Mitglied worden,
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Vermeint, daß er dadurch was Linderung empfing:
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Gedenkt durch diese List dem Kerker zu entgehen,
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Und hoft, es würde nicht so übel um ihn stehen.

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Minerva fiel ihr drein, und sagte: Höret auf!
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Ihr Wehrten! euer Wort und Spruch hat mich vergnüget,
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Weßhalber meine Huld gedoppelt auf euch lieget.
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Wohlan! ich schreibe nun, und nehme meinen Lauf
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Von dieser Quelle fort, noch Pindus hohen Spitzen.
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Drauf fuhr sie in die Höh, und ließ das Kleeblat sitzen.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Sidonia Hedwig Zäunemann
(17111740)

* 15.01.1711 in Erfurt, † 11.12.1740 in Plaue

weiblich

deutsche Dichterin

(Aus: Wikidata.org)

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