Land-Tag, welchen die Königin Eva denen sämtlichen Weibern zum Trost zu Frauenstadt, auf Sanct Silvesters-Tag gehalten

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Sidonia Hedwig Zäunemann: Land-Tag, welchen die Königin Eva denen sämtlichen Weibern zum Trost zu Frauenstadt, auf Sanct Silvesters-Tag gehalten (1727)

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Jüngst lag der
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Den Herzen war sonst nichts als Angst und Quaal bewust,
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Kein Mannsvolk wolte sie nach ihrem Wunsch vergnügen,
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Drum riefen sie: Wer hilft, wer tröstet unsre Brust?
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Kaum war dieß Klag-Geschrey vor
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So sah sie schon die Noth der armen Töchter ein,
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Sie sprach: Ich habe, mir was edles vorgenommen,
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Das wird den Weibern auch recht herzerfreulich seyn.
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Ich will nur einen Tag zum
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Da geb ich meinem Volk Erlaubnis, daß ihr Mund
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Mag klagen, was die Lust und Freude kan verletzen,
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Und was sonst ihre Seel und ihre Brust verwundt.
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Mich jammern warlich sehr die Klagen meiner Kinder,
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Drum denke ich bey mir, wie ich nur helfen mag,
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Ich weis, mein
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Am Tage, wo mein Volk als Oberhaupt regieret,
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Und wo die Herrschafts-Last auf ihren Schultern liegt,
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Wo jede ihren Mann nach Willen juberniret,
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Und dann aufs Jahr hindurch den Scepter überkriegt.
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Drauf liessen sich alsbald geschwinde Läufer sehen;
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Sie strichen durch die Welt nach Süd, Nord, Ost und West,
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Und gaben
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Ihr Mund rief allesamt zu dem beliebten Fest.
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Wie frölich ward dadurch die Brust der armen Weiber!
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Sie jauchzten: O ein Fest! das uns zufrieden stellt.
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Sie sorgten alsobald vor ihre Kost und Leiber,
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Vors Fest- und Reise-Kleid, wie auch vors Reise-Geld;
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Da muste jeder Mann sich brav bezwacken lassen,
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Hier nahm Gewalt und List und Schmeicheln überhand.
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Ein jeder mußte sich auch wider Willen fassen,
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Denn jetzo galt kein Wort, noch sonst ein Widerstand.
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Drauf gieng die Reise fort. Es zog aus allen Reichen.
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Das edle Frauen-Volk nach
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Hierbey entstund ein Streit, und war nicht zu vergleichen,
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Der harte Zank benahm die oft gesuchte Ruh.
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Denn jede liesse sich auf diesem Fest bedünken,
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Der Vorzug käm ihr zu; sie gäbe keiner nach.
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Es hätte manche fast in Ohnmacht mögen sinken,
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Da vielen Grimm und Zorn aus Wort und Mienen brach.
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Die Königin gebot nachdrücklich Ruh und Friede,
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Und sprach: seyd still, und bringt die Klagen gründlich für,
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Ich bin des Uberlaufs und der Suppliquen müde,
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Ich helfe, wo ich kan. Wohlan! so sagt es mir.

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Sie fielen insgesamt der
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Und legten ihren Dank vor diese Gnade dar,
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Und sagten: welch ein Glück will unser Leid versüssen!
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Jetzt wird,
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Wir sind sehr hoch erfreut, daß du dem Weiber-Orden
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Ein Wort von ihrer Noth zu reden hast erlaubt.
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Du weißt es freylich nicht, wie wir gequälet worden,
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Und wie das Mannes-Volk uns henkermäßig schraubt.

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Und tiefgeschöpften Ach! in diese Worte aus:
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Ach! ich muß meinen Mann des Nachts gar oft entbehren,
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Ein Buch gilt ihm weit mehr als meiner Seelen Haus.
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Es gehet mancher Tag und manche Nacht vorüber,
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Da er mich nicht einmahl an seinen Mund gedrückt:
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Da ihm doch wohl bewust wie starck mein Liebes-Fieber,
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Und meine Flamme ist; wie mich ein Kuß erquickt.
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Inzwischen will er doch (er schwört bey allen Himmeln)
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Nicht dulten, wenn ich den und jenen liebgewinn.
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Ich möcht vor Herzeleid erblassen und verschimmeln,
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Weil ich zugleich ein Weib und eine Jungfer bin.
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Sie schwieg,
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Bin auch bey meinem Mann (der halb so jung) verhaßt,
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Da ich doch viel gelernt und vieles schon erfahren;
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Und weis, wie man erwirbt, und wie man auch verpaßt.
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Allein mein junger Schelm (ich mag ihn wohl so heisen)
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Folgt meiner Lehre nicht; er nimmt mein Wort nicht an,
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Er spricht, ich will dir was davor zum Danke weisen,
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Daß dir zum Spiegel wohl nicht übel dienen kan.
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Daselbst beschaue nur erst deine Falten-Stirne,
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Denn eine Runzel geht wohl neunzigmahl herum.
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Er siehet alle Tag nach einer jungen Dirne.
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So kehret sich mein Glück und mein Vergnügen um.
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Er sah, da er mich nahm, nur auf die schönen Gelder,
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Die meiner Hände Paar ihm überliefert hat;
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Jetzt, da er fester sitzt, hat Wiesen, Aecker, Felder,
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So ist er meiner Treu und meiner Liebe satt.
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Er spricht: Mein Weib macht mir nur zwey gewünschte Tage,
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Den ersten, da sie mir der Priester übergab,
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Den andern, da ich ihr, Fahr wohl! beym Sterben sage,
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Und überlasse ihr das längst-gewünschte Grab.
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Dann meint er wiederum ein junges Weib zu kriegen,
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Er spitzt sich warlich schon auf diesen Zeitvertreib.
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Ich aber leb indeß in stetem Mißvergnügen,
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Und bin ein sehr geplagt und hochbetrübtes Weib.
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Bracht ich dort meinem Mann zu einem Heyraths-Gut:
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Jetzt aber prangt darmit mein ehrvergeßner Prahler;
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Es fehlt nicht viel, daß er mein Capital verthut.
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Sag ich ein Wort darzu, und spreche, mein Vermögen
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Hat dich, du Bettel-Kerl, zu einem Mann gemacht;
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So sieht er scheel darzu, und drohet mir mit Schlägen,
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Und ist auf einen Gruß durch seinen Stab bedacht.
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Drauf klagte
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Er wirft mir immerdar mein schlecht Vermögen für,
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Und spricht, dein Mitgift war ein Kleid und eine Biebel,
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Ja er verachtet mich gleichwie das ärmste Thier.
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Aufs allerzärtlichste und auf das freyste um,
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Er macht ihr liebliche und angenehme Mienen,
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Und denkt, ich merk es nicht, ich wäre viel zu dum.
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Ach
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Nur mir allein gehört ein Anmuths-voller Blick.
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Ja freylich kan ich hier nichts gutes bey mir denken.
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Wer aber nimmt die Schmach, die Furcht und Angst zurück?
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Die
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Es machet mir mein Mann nur Gram und vielVerdruß,
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Er pflegt bey Ruferis fast täglich zu erscheinen,
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Ach! diese nimmt und raubt den mir gehörgen Kuß.
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Ich muß so manche Nacht im Bett alleine schlaffen:
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Er aber bringt mit ihr vergnügt die Nächte zu.
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Es geht mein Jäger aus sich fremdes Wild zu schaffen,
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Drum weis ich nicht, was ich vor Jammer red und thu.
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Und spricht, ich wär ein Weib nach schöner Pfauen-Art;
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Ich wär ein Hoffarts-Narr und stolzes Frauenzimmer;
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Mein Aufputz hätte sich mit ihrer Tracht gepaart.
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Jedoch er ist hierbey ein rechter Narr zu schelten,
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Indem mein Endzweck ist, daß es nur heissen soll:
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Seht dieß galante Weib! ein solches findt man selten!
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Dieß brächt ihm Ehre ein; allein er ist recht toll.
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So schimpfet mich mein Mann, und spricht: du faule Frau!
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Ach! meine Demuth wird verlästert und verhöhnet!
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Wie kan es anders seyn die Liebe wird ganz lau.
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Melin schwieg hier vor Noth.
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Ich bin von hohem Stand, weit höher als mein Mann,
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Durch mich und mein Geschlecht kam er zur Königs-Cammer,
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Wie jederman davon ein Zeugniß geben kan.
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Er freyte mich, damit er einen Dienst bekäme;
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Nun aber liebet er Marillen, meine Magd,
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Die er mit größrer Lust als mich zu Bette nähme.
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Dieß sey dir
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Die
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Nicht meines Mannes Stam, Geburt und Stande gleich:
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Nun/ da die Liebe kalt und gleichsam auf der Bahre;
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So ist zugleich sein Mund von Schmach und Spotten reich.
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Er spricht, ich müßte mich zu seinen Füssen biegen;
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Ich müste alles thun, was seine Zunge spricht.
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Sag ich, du soltest ehr das Gallen-Fieber kriegen!
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Denn was du haben wilst, das thu ich warlich nicht;
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Da solte man die Lust, den Kampf, das Beisen sehen!
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Ja! wenn ich Sclavin wär; so küßt ich ihm den Fuß:
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So aber bin ich Frau, drum wird es nicht geschehen,
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Drum führet unsre Eh nur Schelten und Verdruß.
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So geht mein Ritter doch aufs Capern täglich aus:
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Mein Ehstand ist so schlecht, daß ich mich wenig labe,
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Und Wermuth blühet mir vor Rosen in dem Haus.
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Drum hasset mich mein Mann, und spricht, du Murmelthier!
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Vergleicht mich alle Tag den Teufeln und den Affen,
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Und wirft, wer weis es was, stets meinen Mängeln für.
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Wer Henker hiese ihm vorzeiten bey mir naschen?
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Geld deckt der Narben Zahl und Sommer-Sprossen zu;
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Geld kan die Mohren doch schnee-weis und sauber waschen,
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Und alle Küh sind schwarz bey später Abend-Ruh.
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Die
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Daß uns die Sparsamkeit mit angebohren ist,
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Und wie wir jederzeit vor das Erhalten sorgen,
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Damit der Mangel nicht, so Herz und Seele frißt.
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Ich lasse weder Bier noch Wein im Hause sehen,
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Denn beydes stürmt, bethört und schwächt den klügsten Sinn,
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Den Meinen muß die Lust zum Thee, Caffee vergehen,
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Weil ich des Mammons Herr und Gubernantin bin.
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Ein delicater Tisch ist nicht bey mir zu hoffen,
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Ich speise Mann und Kind, nach Nothdurft, nicht zur Lust:
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Man hat Betrunkene nie bey mir angetroffen,
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Und keinem Magen ist die Uberlast bewust.
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Ich weis, daß Mäßigkeit selbst von dem Himmel stammet,
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Und eine Säule ist vom wahren Christenthum:
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Dieweil sie nun mein Herz und Seele angeflammet,
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So üb ich sie auch aus. (Dieß meld ich ohne Ruhm.)
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Und darum lehr ich stets, es sey von Gott gebothen,
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Daß man die Mäßigkeit im Leben lieben soll:
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Sie giebt gesunden Leib, und treibt nicht leicht zum Todten,
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Sie macht die Geister reich, den Sinn zum Dichten voll.
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Allein mein Mann besitzt fast ganz verblendte Sinnen,
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Weil er die Sparsamkeit vor Geitz und Laster hält:
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Und was noch mehr? er will Verläumdung liebgewinnen,
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Das mir am wenigsten beliebet und gefällt.
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Er spricht: du geitzges Weib! ich will zum Priester eilen
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Und sagen, daß du dich am Predig Amt vergreifst:
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Die Priester müssen nur ein Wort der Lehr ertheilen,
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Da du doch unser Haus mit Lehren überhäufst.
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Zum Doctor geht er auch, wie auch zum Apothecker,
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Und schwärzt mich ebenfalß auf solche Weise ein.
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Ich wolte, daß er wär mit jenen Gricken-Göcker.
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Wo die Verläumder Schaar und nassen Brüder seyn!
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Sie schwieg, drauf ließ sich auch
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Sie sprach, ich pflege mich und meinen muntern Leib;
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Gesellschaft, Scherz und Spiel und Tanzen will ich ehren,
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Es ist die Lust der Welt mein Wunsch und Zeitvertreib.
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Da spricht mein Mann zu mir, du bist von den Verschwendern.
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Er schließt mir zum Verdruß das Geld und Pfänder ein.
191
Hilf Himmel! ach! wer wird doch diese Zeiten ändern?
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Ach! laß
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Drauf sagte
194
Es wirft mir stets mein Mann das Küchen-Schürzgen für:
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Und spricht: Es legt sich an wie Honig von den Bienen,
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Der Anblick machte nur zum Vomitiv Begier.
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Der Mann versteht es nicht wie ich auf Nützen dencke,
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Denn erstlich weich ich es bey andrer Wäsche ein;
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Damit sich nicht mein Geist um scharfe Seife kräncke,
200
Denn dessen Fettigkeit wird schon hinlänglich seyn.
201
Zum andern, wenn ich Kohl und Zugemiesse koche;
202
So schab ich etwas ab, und leg es mit im Topf;
203
Das schmelzt! ich brauch nicht viel von Butter in der Woche;
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Zudem, so heilt es auch die Schäden auf dem Kopf.
205
Es klagte
206
Spricht, meine Freundlichkeit lies öfters zu gemein.
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Wie? wird das Mannes-Volk doch alle Tage schlimmer!
208
Die Männer bilden sich wer weis was grosses ein.
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Sind meine Speiß und Lust von meiner Jugend an;
210
Hingegen wünscht mein Mann daß ich nichts bessers wüste,
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Als was dem Frauen-Volk zum Haushalt dienen kan.
212
Er meint kein Weibesbild dörft in den Büchern lesen,
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Nur Männern käm allein Verstand und Weisheit zu,
214
Es wär ein abgeschmackt und naseweises Wesen,
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Wenn eines Weibes-Hand auf klugen Schrifften ruh.
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Zwirn, Nadel, Flachs und Heerd wär uns nur übergeben;
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Nicht aber Kiel und Buch/ und wüsten wir nur dem
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Zu unsrer Männer Nutz gebührend nachzuleben,
219
So wären wir gelehrt und ihnen angenehm.
220
Zahara folgte ihr, und sprach: Beherzte Geister
221
Erwehlen jederzeit in mir den Aufenthalt:
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Ein unverzagter Muth ist meiner Sinnen Meister,
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Ein Unfall macht mich nicht so leichtlich ungestalt.
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Dergleichen aber will mein blöder Mann nicht leiden,
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Er spricht, es ließ zu frech; es schiene desparat;
226
Es dürfte sich kein Weib von Mäuselöchern scheiden.
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Bedenk, o Königin! des Mannes Frevelthat!
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Er müßte Ober-Herr im ganzen Hause seyn,
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Ich solte Ehrfurchts-voll vor ihme niedersinken;
230
Er bildet sich daher nicht was geringes ein.
231
Es ist gar nicht erlaubt, daß Männer nur regieren.
232
Daß Amt und Richter-Stul denselben erblich sind;
233
Wir wissen dieß und das sehr klüglich auszführen,
234
Wir haben Witz genug und sind mit nichten blind.
235
Ach! unsre Männer sind gar öfters wie die Kinder,
236
Ja wie die Narren selbst. Es fehlt Vernunft und Geist,
237
Sie sind so blöd und dumm wie unser Vieh und Rinder,
238
Und glauben es doch nicht, wenn mans gleich zeigt und weißt.
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Ums Predgen wollen wir nicht mit den Männern streiten;
240
Nicht ums Collegium; nicht um die Richters-Macht:
241
Denn dieses kan dem Leib nur Schwachheit zubereiten,
242
Wird uns die Herrschaft nur im Hause zugedacht.
243
Und bleibe meinem Mann als Herrn stets unterthan:
244
Und doch verhöhnt er mich und singet spöttsche Lieder,
245
Und blicket mich als wie die ärmste Sclavin an.
246
Und schickte Wein und Bier/ Brod, Mehl zum Hause naus,
247
Wenn er im Garten wär und etwas meditirte;
248
So lief ein Trödel-Weib bald ein, bald wieder aus.
249
Drauf schrie
250
Der König Salomo, der Wein erfreut das Herz.
251
Das Wort vollziehe ich in Gärten, Stuben, Küchen,
252
Und dadurch treibe ich das Trauren hinterwerts.
253
Allein mein loser Mann gesegnet mir mein Schlückgen
254
Mit Mißgunst, Hagel, Blitz und mit dem Donner-Keil,
255
Und spricht: der Hencker hohl das Geld aus deinen Fickgen!
256
Wo nicht, so schlag ich dich mit Stricken, Stock und Beil.
257
Die
258
Und spricht, es machte mich der Zorn zur Teufels-Braut;
259
Megära wär mir gleich nebst ihren andern Schwestern,
260
Ich wär auf Sattans Feld das allerbeste Kraut.
261
Will ich mich nur etwas mit Kind und Mägden keifen;
262
So muß ich bald ein Blitz, und bald ein Donner seyn;
263
Und will ich nach Gebrauch und Noth zum Prügel greifen,
264
So heist es: Höret doch! das Wetter schlaget ein!
265
Es frör mir auch der Mund in Hundes-Tagen zu,
266
Ich schickte mich ganz wohl zur unbewohnten Insul,
267
Ich wär so dumm und stumm als unsers Nachbars Kuh.
268
Hier sprach
269
Beschreibe dieß und das nach Art und nach Natur:
270
Da schläget mich mein Mann und macht mir viele Schmerzen,
271
Und nennet mich ein Schwein und garstge Creatur.
272
Will mich deßwegen nicht auf Ehren-Feste nehmen,
273
Hält mich vom Zuspruch ab, und lässet mich allein:
274
Und spricht, er müßte sich nur meinethalben schämen,
275
Gleich muß ein Scherz und Spaß die gröbste Zote seyn,
276
Und sagt, ich macht ihn arm, den Schuster aber reich,
277
Der Glaser könnt durch mich auch seinen Vortheil sehen,
278
Ich bräche Holtz und Bley beständig mürb und weich.
279
Drauf klagte
280
Und sprach: Es spricht mein Mann, ich küßte ihn gar nicht;
281
Ich könt das Vorzugs-Recht von hämschen Weibern kriegen;
282
Ich wär ein Sauertopf und ein verdunkelt Licht.
283
Dem Nächsten theil ich was von meiner Liebe mit:
284
Um dieserwegen will mein Mann das Rach-Schwerd wetzen,
285
Es fehlt nicht viel daß er mich mit den Füssen trit.
286
Ach nimm dem Argus Weg! und steure seinen Willen,
287
Und sieh
288
Du wollest meine Bitt an diesem Tag erfüllen;
289
So wird mein blaß Gesicht vor Herzens-Freude roth.
290
Ihr habt doch gegen mir noch ziemlich gute Wochen,
291
So sprach
292
Und alle Tage was zu braten und zu kochen,
293
Und eure Köchin trägt euch was zur Speise für.
294
Ich aber habe nicht dergleichen in dem Hause,
295
Mein Mann, das Murmelthier sorgt nicht vors mindeste:
296
Er gehet alle Tag zum Trincken und zum Schmause,
297
Und suchet seine Lust beym Wein, bey Spiel und Thee.
298
Ich aber muß zu Haus mit meinen Kindern sitzen,
299
Und habe nicht einmahl das liebe trockne Brod.
300
Die Thränen müssen mir stat eines Labsals nützen,
301
Kein Holz, kein Bier ist da: ich habe nichts als Noth.
302
Hat nun der Mann das Geld vertruncken und verspielet,
303
Kommt von Vernunft und Geld entblößet in das Haus;
304
So weis ich was mein Herz vor herbe Püffe fühlet,
305
Die Thränen preßt er mir alsdenn noch stärker aus.
306
Er reisset, schlägt und wirft mir alles übern Haufen:
307
Und ruft. Wenn hohlet doch der Teufel meine Frau?
308
Ich kan kaum seiner Hand entspringen und entlaufen.
309
So machts mein Ungeheur! So sinkt mein Lebens-Bau!
310
Er meint, wenn er nicht schlägt und wie ein Löwe brüllet,
311
So hab er nicht regiert, und sich als Herr bezeigt.
312
Der Kinder Klag-Geschrey auch nicht sein Wüten stillet.
313
Erbarm dich meiner Noth, die mich zur Erde beugt!
314
Es wär das Weibes-Volk das allerschlimmste Gut,
315
Was schlimmres könte man nicht zu verhandeln tragen.
316
Sprech ich: Wer heists euch denn, ihr Männer, daß ihrs thut?
317
Wer heist es euch, daß ihr nach unsern Waaren laufet?
318
Wer dringt euch unser Gut und unsre Waare auf?
319
Man sieht ja überall, wie ihr euch um uns raufet,
320
Dieß zeiget sich ja gnug in eurem Lebens-Lauf.
321
Hört! wer uns keinen Nutz und Vortheil denkt zu gönnen,
322
Der wandre nur beyzeit von unsern Laden fort.
323
Bey diesem Streite wird kein Mensch fast glauben können,
324
Was da vor Titel sind. Da fällt manch schimpflich Wort.
325
Er spricht, ich wär kein Mensch. Bedenke diesen Gift!
326
Die Männer wären nur als Menschen anzusehen.
327
Dieß ist ein Punct, der dich/
328
Sag ich: daß gleich und gleich sich meistentheils gesellet;
329
Ein Affe machet sich mit keinem Bär gemein:
330
Dieweil du dich denn nun zur mir vereint gestellet;
331
So muß ich folglich auch wie du ein Mensche seyn.
332
Die
333
Sein Ursprung aber kam vom Erden-Klumpen her:
334
Der Schöpfer baute sie mit seinen eignen Händen.
335
Wer ist nun mehr ein Mensch? Sag an! Sie, oder Er?
336
Die
337
Drum kommts, daß Männern noch der Kröbs im Halse steckt.
338
Bey dieser Antwort ist mein Mann nicht guter Dinge,
339
Der mich zur Dankbarkeit mit Lästerung bedeckt;
340
Er schlägt mich noch darzu, und fällt mir in die Haare,
341
Und ist aufs schrecklichste erzürnet und erboßt;
342
Da ich mit Schlüsseln, Stock und Besem nach ihm fahre;
343
Das beste krieg ich zwar; doch wehr ich mich getrost.

344
Hier rufte Eva laut: Ich habe gnug vernommen,
345
Ihr habt jetzt mein Gemüth und Brust betrübt gemacht:
346
Ihr Töchter! eure Noth ist mir ans Herze kommen,
347
Drum bin ich auch auf Trost und Linderung bedacht.
348
Jedoch es will das Recht zu keiner Zeit verstatten,
349
Daß man nur einen Theil mit seinen Klagen hört;
350
Es nimmt Gerechtigkeit den andern auch in Schatten,
351
Und merket auf das Wort, so er dargegen lehrt.
352
Ich aber will indeß auf eine Rache denken,
353
Der Männer Bosheit muß mit Ernst gestrafet seyn:
354
Den/ welcher Strafens werth, soll man am Baum erhenken,
355
Er sey reich oder arm, in Ansehn oder klein.
356
Deßwegen will ich bald noch
357
Worzu das Mannesvolk nebst euch gefordert wird,
358
Da soll Gerechtigkeit in eurer Sache walten,
359
Damit sich euer Geist in Trauren nicht verwirrt.
360
Inzwischen will ich euch hold und gewogen bleiben,
361
Zum Zeichen meiner Gnad reich ich den Zepter dar.
362
Ihr aber solt indeß nichts widerwärtges treiben;
363
So wird denn euer Recht vor allen offenbar.
364
Die Weiber freuten sich, und fielen ihr zu Füssen,
365
Sie dankten vor die Gnad; gelobten heilig an,
366
Sie wolten ihr Gebot nicht aus den Herzen schliessen.
367
Sie neigten sich hierauf und giengen ihrer Bahn.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Sidonia Hedwig Zäunemann
(17111740)

* 15.01.1711 in Erfurt, † 11.12.1740 in Plaue

weiblich

deutsche Dichterin

(Aus: Wikidata.org)

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