Auf die Abziehung derer hiesigen Churfürstl. Maynzischen Soldaten nach den Rhein

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Sidonia Hedwig Zäunemann: Auf die Abziehung derer hiesigen Churfürstl. Maynzischen Soldaten nach den Rhein (1727)

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Was schallet jezt vor ein Geschrey
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Aus Martis hocherhabnem Munde?
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Es heist: Es kommt die Zeit herbey,
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Es nahet sich nunmehr die Stunde,
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Da mein geliebtes Kinder-Chor
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In schönster Ordnung trit hervor.
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Auf! auf! ihr müßt durch Ubung derer Waffen,
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Euch Ruhm und Ehr, auch Glück und Beute schaffen.

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Wie lang wolt ihr in Mauren seyn?
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Was schlummert ihr in euren Thürmen,
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Und sperrt euch in Baraquen ein?
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Auf in das Feld! ihr müsset stürmen!
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Gelegenheit zum Krieg ist da,
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Gelegenheit zum Sieg ist nah.
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Drum auf! und geht zum Rhein und nach Pohlen,
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Und wo es Noth. Denn Mars hats so befohlen.

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Kaum war diß strenge Wort gesagt;
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So hat es
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Worauf Die Helden sich befragt:
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Wie? Wo? und wenn sie möchten schlagen?
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Wohin der Lauf wohl könte gehn?
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Und wo sie etwan müßten stehn
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Wenns vor dem Feind vieleicht zum streiten käme:
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Wer wohl den Sieg mit sich zurücke nähme?

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Der eine sprach: Es geht ins Reich;
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Der andre sagte, nein nach Pohlen.
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Der sprach, mein Herze wird nicht weich
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Den Ruhm in Schlesien zu hohlen.
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Der wünschte sich am Rhein zu gehn,
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Der fünfte wolte Welschland sehn;
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Der sehnte sich nach denen Moscowittern;
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Der wolle vor Franzosen nicht erzittern.

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Der eine sprach, ich freue mich,
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Durch manche Oerter zu marschieren;
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Da will ich Mädgen mächtiglich,
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Und auch den Bauers-Mann vexiren.
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Der andre sprach, jetzt geht es an,
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Daß ich mir Vortheil machen kan.
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Jezt ist es Zeit den Beutel und die Flicken
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Mit Gold und Geld und waren auszuspicken.

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Der dritte sagte: das ist gut,
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Nun will ich mir bald die Gamaschen,
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Mit meiner Feinde Schweiß und Blut,
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Zu meiner größten Ehre waschen.
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Der vierte sprach: Ich fall dir bey,
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Und warte auf ein Feld-Geschrey,
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Daß ich die Hand zum Kampfe kan erheben;
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Der stolze Feind soll zittern und erbeben.

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Der Aufbruch war nunmehro nah;
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Man hörte nichts als von Marschiren.
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Die Helden ruften hier und da:
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Wir müssen Martis Wort vollführen.
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Nun lagern wir uns in das Feld:
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Ein jeder zeig sich als ein Held,
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Und endige der stolzen Feinde Schnarchen;
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So ehren uns die Fürsten und Monarchen.

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Mercur kam auch mit Mavors Wort,
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Nach Erfurt und zum Petersberge.
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Es hieß: Ihr Streiter laßt den Ort;
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Doch übergebt zuvor dem Scherge
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Noch einen von der Feigen-Zahl
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Dem färbt dem Rücken überal
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Alsdenn marschiert, und lasset Erfurts Auen
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Und blaches Feld von anderen beschauen.

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Die schönen Fahnen, die man euch
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Vor kurtzen Jahren eingeweyhet
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Die nehmet mit, ersucht zugleich
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Den Höchsten, daß er Kraft verleihet.
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Freut euch, daß sie ins Lager gehn,
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Und vor des Feindes Augen stehn.
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Geht hin, die ihr derselbigen geschworen!
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Das Glück zieh mit; so geht ihr nicht verlohren.

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So bald dieß Wort gesprochen war,
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So schnelle war es auch vollzogen.
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Es sprach des Martis Kinder-Schaar:
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Der Himmel ist uns recht gewogen,
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Weil er uns solche Stunden giebt,
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Da man sich in den Waffen übt?
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Glück zu! Glück zu! wir wetzen nun die Degen,
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Und glauben auch, daß schon der Sieg zugegen.

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Zieh hin
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Gott wird
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Er gibt Dir Stärke, Glück und Ehr,
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Und wird vor Dich im Kriege streiten!
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Gott schütze
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Komm heim! und ruf Victoria!
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Soll dieß nicht seyn; so sterbt als rechte Helden,
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Daß man von

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Sidonia Hedwig Zäunemann
(17111740)

* 15.01.1711 in Erfurt, † 11.12.1740 in Plaue

weiblich

deutsche Dichterin

(Aus: Wikidata.org)

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