Den höchst-erfreuten Gedächtniß-Tag, an welchem der Hochwürdigste, Durchlauchtigste Fürst und Herr, Herr Phillipp Carl, des Heil. Stuhls zu Maynz Erz-Bischof, des Heil. Römischen Reichs durch Germanien Erz-Canzler und Churfürst etc

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Sidonia Hedwig Zäunemann: Den höchst-erfreuten Gedächtniß-Tag, an welchem der Hochwürdigste, Durchlauchtigste Fürst und Herr, Herr Phillipp Carl, des Heil. Stuhls zu Maynz Erz-Bischof, des Heil. Römischen Reichs durch Germanien Erz-Canzler und Churfürst etc (1727)

1
Wie herrlich blühet unser Reich?
2
Was vor ein Seegen wird verspühret?
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Wir sind beglückt, weil uns zugleich
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Ein fromm und tapfres Haupt regieret.
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Da uns ein weiser Fürst beschützt,
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Da uns ein Starker unterstützt,
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So steht das Glück uns stets zur Seiten.
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So jauchzte man am Tiber-Strom;
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So sang, so rief das Volk zu Rom
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Zu Augusts und Trajanus Zeiten.

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Wo ist August, der Römer Zier?
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Wo ist Trajan? sie sind verschwunden.
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An
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Ihr beyder Ebenbild gefunden.
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Ist Carl nicht seines Volkes Lust?
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Schmückt ihn nicht eine fromme Brust?
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Besitzt er nicht die höchsten Gaben?
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Bey ihm trift man da alles an,
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Was man nur jemahls wünschen kan,
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Und grosse Fürsten nöthig haben.

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Der stolz und weltbekannte Rhein
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Fließt gern und froh durch Carls Gebiethe.
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O! solte dieser redend seyn,
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Er preißte dessen Macht und Güte.
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Die Gere schwillt vor Freuden auf,
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Und hemmt oft ihren schnellen Lauf,
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Um Carl beglücktes Reich zu wässern.
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Sie wächset unter dessen Schutz,
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Und bringt dem Lande Frucht und Nutz,
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Dadurch sich Feld und Fluren bessern.

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Durch was ist, sehr beglücktes Land!
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Durch was ist doch wohl dein Vergnügen,
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Dein höchst erwünschter Ruhe-Stand,
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Dein Heil und Wohl so hoch gestiegen?
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Ists nicht der Tag, an dem die
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Hochwürdger Väter jene Wahl
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Durch diesen Tag, durch diesen Schluß,
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Ist nun des Seegens Uberfluß,
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Auf alle Unterthanen kommen.

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Rom feyerte auf manche Art
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Die Lebens-Tage seiner Kayser.
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Es wurde nichts an Pracht gespahrt,
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Man schmückte Straßen, Plätz und Häuser.
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Ist dieser Tag nicht gleich so schön,
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An dem die edle Wahl geschehn,
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Die uns den
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Sie stellt uns ja des Volkes Zier,
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Der nur auf unsre Wohlfahrt denket.

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Ein Jubel-Fest der Unterthanen.
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Der Tag, da Du erhaben bist,
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Muß uns den Weg zur Freude bahnen.
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Der ist kein redlich Landes-Kind;
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Der ist gewiß nicht treu gesinnt;
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Der ist nicht tugendhaft zu nennen;
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Der diesen Tag nicht heilig schätzt,
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Der sich nicht inniglich ergötzt;
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Da wir voll heiser Liebe brennen.

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Dort mußte Babels güldnes Bild
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Verehrt und angebethet werden.
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Und starker Schutz-Gott auf der Erden.
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Dein Bild wird nicht auf einem Feld;
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Nein, in den Herzen aufgestellt:
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Da suchen wir Dich anzubeten.
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Ein jeder treuer Unterthan
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Beth' Dich mit Lust und Liebe an,
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Ohn ein Gebot zu übertreten.

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Die Allmacht hat von Ewigkeit
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Uns tief ins Herze eingeschrieben,
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Die hohen Häupter unsrer Zeit,
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Die Fürsten unsers Volks zu lieben.
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Sie prägt zugleich die Ehrfurcht ein:
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Denn beydes muß beysammen seyn,
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Mit beyden muß man ihn verehren.
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An Saul zeigt Davids Furcht und Treu,
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Daß ein Vasall verbunden sey,
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Kein Stück von beyden zu versehren.

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Vollkommnes Reich! erhöhter Staat!
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Beglückte Völker und Provinzen!
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Wo man das Recht zu wehlen hat:
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Ihr wehlt euch allzeit kluge Prinzen.
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Ihr sucht euch stets aus einem Haus
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Ein würdig Haupt zum Fürsten aus,
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Ein Haupt von hohen Fürsten-Gaben.
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So blüht ein Reich, so wächst sein Flor,
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So steigt der Völker Glück empor,
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Wenn sie im Wehlen Freyheit haben.

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Der Mißbrauch von der freyen Wahl
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Hat sich zwar öfters gnug gezeiget,
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Wenn dort durch güldner Münze Zahl
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Ein Kayser seinen Thron besteiget:
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Wenn dort ein Fürst durch Macht und List
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Zum Regiment gekommen ist;
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Dieß aber kan hier nie geschehen;
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Die Chur wird denen nur zu Theil,
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Die auf des Deutschen Reiches Heil,
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Und auf der Bürger Wohlfahrt sehen.

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Man sagt dem Glück zum Schimpfe nach,
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Daß es oft blind in Wehlen wäre.
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Es krönte manchen Staat zur Schmach,
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Ein unverdientes Haupt mit Ehre.
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Allein hier gilt der Vorwurf nicht,
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Denn
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Zeigt lauter Götter-gleiche Mienen.
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Sein Herz ist Fürstlich ausgeschmückt,
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Drum nennt sich jedermann beglückt,

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Die Ehre ist dem Schatten gleich,
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Sie folget dem, der vor ihr fliehet.
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So folgt auch öfters Kron und Reich
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Dem, der sich nicht darum bemühet.
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Du hast,
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Des Stabs und Chur-Huts nie getracht;
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Du hast wohl nie darnach gerungen.
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Die Ehre hat dich doch gesucht;
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Dieß ist der Demuth schönste Frucht;
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So hast du dich empor geschwungen.

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Das Erbrecht legt zwar Tittel bey;
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Allein Verdienste kans nicht geben,
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Ein Fürst so groß sein Reich auch sey,
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Muß sich durch seinen Geist erheben.
120
Der Fürsten-Hut bringt nicht allein
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Macht, Ansehn, Lieb und Ehrfurcht ein;
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Die Kunst vortreflich zu regieren;
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Die Herzen-lenkende Gewalt,
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Wort, Werke, Mienen und Gestalt,
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Sind fähig alles auszuführen.

126
Bey manchem Fürsten siehet man
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Nichts Fürstlichs auser seinen Namen,
128
Er ist der Laster Unterthan,
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Und mehret dadurch ihren Saamen.
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Er dient fast seine Lebens-Zeit
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Der schnöden Niederträchtigkeit,
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Und lässet sich von ihr regieren.
133
Er ist der Diener ihr Vasall;
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Warum, er läßt sich überall
135
Nach ihren eignen Willen führen.

136
Du aber,
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Läßt deine Macht und Herrschaft sehen,
138
Denn was du thust und sagen wirst,
139
Das muß nach deinem Wink geschehen.
140
Du siehest alles selber ein,
141
Die Diener müssen Diener seyn,
142
Und deinen Willen heilig ehren.
143
Dein Rath, Befehl, Gesetz und Wort
144
Vollzieht man hier, vollstreckt man dort,
145
So muß dein Ansehn sich vermehren.

146
Du bist ein Numa, der dem Land
147
Viel schön und heilge Lehren giebet.
148
Dein reines Wesen ist bekannt,
149
Das du beständig ausgeübet.
150
Du stehst fast oben am Altar
151
Nach
152
Dich vor ein frommes Haupt erkennet.
153
Dein Stuhl kennt deine Andachts-Glut
154
So, wie das Volk, das voller Muth
155
Dich seinen

156
Das Korn-Haus Achmets kan der Fluß
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Des starken Nils so reich nicht wässern.
158
Noch durch der Ströme Uberfluß
159
Die Saaten, so vortrefflich bessern;
160
Als wie ein Land gesegnet wird,
161
Wenn es ein treu- und frommer Hirt
162
Versorgt, regieret, pflegt und weidet.
163
Sein Mund, der durch die weite Luft
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Vors Volk und Land zum Himmel ruft,
165
Macht, daß es keinen Mangel leidet.

166
Der Zeiten Buch weiß uns nicht gnug
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Des Osirs hohen Geist zu preisen.
168
Auch Deutschland kan mit gutem Fug
169
Uns jetzt in
170
Du strahlst in Deinem eignen Licht,
171
Es fehlt Dir auch an Weisheit nicht,
172
Wie viel durch Deinen stillen Fleiß
173
Dem ganzen Reiche guts geschehen.

174
CaRL sieht auf CARLN und auch aufs Reich
175
Und sucht es schön zu unterstützen.
176
Er ist dem Berge Atlas gleich,
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Er hilft es tragen und beschützen.
178
Der Adler fleucht zur Sonne auf;
179
Doch pflegt er sich in seinem Lauf
180
Nach seinen Jungen umzuschauen.
181
So machts auch CARL: Er sieht auf Wien;
182
Und will darbey sich auch bemühn,
183
Der Unterthanen Glück zu bauen.

184
Du Janus, welcher vor uns wacht!
185
Und uns durch Deine Güt und Macht
186
Schutz, Schirm und Brod und Nahrung giebest.
187
Kein Weib, kein Kind, kein Unterthan,
188
Darf über Dein Regieren klagen.
189
Kein Mensch erseufzet unter Dir,
190
Du sorgst für uns, dieß müssen wir
191
Zu Deinem größten Ruhme sagen.

192
Gott Lob! so glücklich leben wir!
193
Dein Stuhl heist uns ein Stuhl der Gnaden;
194
Dein Bischofs-Hut ist unsre Zier,
195
Kein Unfall kan uns niemals schaden.
196
Als Bischof weydest Du uns treu;
197
Du stehst uns als ein Hirte bey;
198
Wo kan uns nun ein Feind erschrecken?
199
Gibt uns den schönsten Führer ab,
200
Und weis uns kräftig zu bedecken.

201
Der Himmel ändert oft die Luft;
202
Wenn er am Morgen lieblich scheinet;
203
So folgt doch bald ein trüber Duft;
204
Er stürmt und raßt, und blitzt und weinet.
205
So machts auch mancher junger Held,
206
Und neuer Fürst, der sich verstellt;
207
Er zeigt im Anfang Gnad und Liebe;
208
Bald aber ändert sich sein Sinn;
209
Da fällt die erste Regung hin;
210
Da wird der klare Himmel trübe.

211
Du aber bist nicht so gesinnt,
212
Die Liebe wächst mit deinen Tagen,
213
Dein Herz bleibt nach wie vor gelind,
214
Und setzt uns nicht in Furcht und Zagen.
215
Du bist als wie ein Rosen-Stock,
216
Um welchen stets viel hundert Schock
217
Beliebt und muntre Bienen fliegen.
218
Die ihre Nahrung, Stärk und Kraft,
219
Und ihren angenehmen Saft
220
Aus seinen süssen Blumen kriegen.

221
Der bunte Regenbogen bringt
222
Den Augen Lust, dem Lande Regen.
223
Der Land-Mann ist vergnügt, und singt,
224
Und prophezeyt sich reichen Seegen.
225
Mit Fürsten ist es eben so,
226
Ihr Antlitz macht das Auge froh,
227
Indem es lauter Gnade siehet;
228
Sie sind und gleichen dem Magnet,
229
Der, weil sich alles nach ihm dreht,
230
Die Herzen kräftig zu sich ziehet.

231
Der sonst berühmt und edle Kayser.
232
Du liebest nicht der Schmeichler Mund;
233
Sie finden keine Lorber-Reiser.
234
Du lohnest jeden treuen Knecht,
235
Nach Großmuth, Gnad, Verdienst und Recht,
236
Und läßt sie nicht durchs Looß erwehlen.
237
Bey dir kömmts nicht aufs Glücke an,
238
Wer seine Dienste treu gethan,
239
Dem kans bey dir ohnmöglich fehlen.

240
Das Sonnen-Licht bestrahlt nicht nur
241
Der Berge Gipfel; auch in Gründen,
242
Auf klein und tiefgelegner Flur
243
Läßt sich ihr wärmend Feuer finden.
244
So machts ein löblicher Regent,
245
Der Gnad und Recht auch denen gönnt,
246
Die arm und klein im Lande heisen.
247
Den größten und geringsten Knecht,
248
Entzieht er weder Hülf noch Recht;
249
Er will sich jeden gleich beweisen.

250
Wo darf ein Armer seufzend klagen,
251
Du woltest ihm in seinem Schmerz,
252
In seiner Noth das Recht versagen?
253
Du siehst nicht die Personen an,
254
Du schützest jeden Unterthan,
255
Und lässest ihm sein Recht geniessen.
256
Du schonest auch der Boßheit nicht,
257
Du ziehst den Sünder vors Gericht,
258
Er muß vor seine Thorheit büssen.

259
So lange das Paladium
260
In dem berühmten Trajo hienge,
261
Genoß es Ehre, Glück und Ruhm,
262
Daß auch sein Flor nicht untergienge.
263
So lang
264
Und uns zu gut Sein Haupt erhebt;
265
So lange wirds uns glücklich gehen;
266
So lang als CARL mit Seiner Macht
267
Und Vater-Liebe vor uns wacht,
268
Wird unser Land in Seegen stehen.

269
Wo geht bei Dir ein Tag vorbey,
270
Da Du nicht Gutes unternommen?
271
Mit jedem Tag wächst Deine Treu;
272
Durch Dich sind wir in Wohlstand kommen.
273
Du bist uns ein Vespasian,
274
Ein edelmüthiger Trajan;
275
Dein Muth steigt über Reich und Kronen.
276
O holde Zeit! in welcher wir,
277
Und unter Deinem Schatten wohnen.

278
Wie aber soll nach Würdigkeit
279
Der heutge Tag besungen werden?
280
Mit Jauchzen und Zufriedenheit,
281
Doch auch mit heiligen Geberden.
282
Ich weiß, ein jeder ruft mit mir:
283
Die Allmacht walte über Dir,
284
Und mehre deine Fürsten-Jahre,
285
Biß
286
Des Throns und Lebens müde wirst,
287
Damit Dein Geist zun Vätern fahre.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Sidonia Hedwig Zäunemann
(17111740)

* 15.01.1711 in Erfurt, † 11.12.1740 in Plaue

weiblich

deutsche Dichterin

(Aus: Wikidata.org)

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