Als Herr Mertens disputirte und das größte Lob erhielt, hat sein Freund auf seiner Leyer diese Ode abgespielt

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Sidonia Hedwig Zäunemann: Als Herr Mertens disputirte und das größte Lob erhielt, hat sein Freund auf seiner Leyer diese Ode abgespielt (1727)

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Wer ist da? Nur herein! Willkommen Herr Pedel!
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Ists Zeit? läuft eure Uhr auf einmahl also schnell?
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Mein Herr! ich säume nicht, ich halte nichts von Zaudern.
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Ich sehe allbereits die Candidaten gehn,
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Ich sehe ebenfalls die Opponenten stehn.
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Ha! ha! ich hör sie schon vor dem Catheder plaudern.
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Mir wird von Hören warm; Ihr Herren Candidaten,
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Ihr werdet, wie mich dünkt, gewiß noch ärger braten.

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Schob die Manschetten gleich, und strich die Krause breit,
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Grif die Peruque an, und rückte sie zurechte.
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Dann bracht er ernstlich vor: Ob auch ein Frauenbild
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Wenn eine Manns-Person sie eine Hexe schilt,
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Und also ins Geschrey der Zaubereyen brächte;
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Dadurch geschimpfet sey? Ob sie aus diesen Sachen
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Auch wohl Injurien-Processe könte machen?

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Der muntre Candidat warf aber lächelnd ein:
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Dieß heiset nicht geschimpft. Der Schönheit Glanz und Schein
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Kan wohl nach Riesen-Art die stärksten Herzen zwingen,
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Und eben dieses ist die schönste Zauber-Kunst.
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Sie geht natürlich zu, und bringet Gegen-Gunst;
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Und solche Hexerey kan keine Strafe bringen.
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Wer einem Frauenbild den Titel, Hexe, giebet,
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Der zeiget dadurch an, daß er sie ehrt und liebet.

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Dann trat
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Es hats das Pfändungs-Recht im Felde hochgebracht,
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Die Schützen pfänden scharf, worbey sie öfters schlagen.
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Wie wär es, wenn ein Held und Venus-Ritter käm,
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Und sich zum Augenmerk ein fremdes Weichbild nähm,
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Um in gehögter Flur ein Stückgen Wild zu jagen?
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Darf auch der Herr davon das Schützen-Amt vollenden,
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Und seinen Wilprets-Dieb nach eignen Willen pfänden?

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Die Antwort folgte gleich: Im Fall es sich begiebet,
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Daß sich Trometius in Clamons Wild verliebt,
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Und Clamon trift ihn an: so mag er Schütze heisen.
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Ihm ist das Pfändungs-Recht auf keine Art verwehrt,
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So gut es ihm die Zeit verstattet oder lehrt.
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Meint er ihn aber nicht so knechtisch abzuspeisen;
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So kan er ihn auch wohl gut ritterlich tractiren;
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Das Faust-Recht alter Zeit nach Lust an ihn probiren.

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Dann ließ
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Er wußte nach der Kunst die Füsse schön zu drehn,
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Er strich den Stoppel-Barth, und fieng drauf an zu reden:
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Es ist nur unser Volk, das Mänliche Geschlecht
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Befugt vorm Feind zu gehn; es hat allein das Recht
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Daß es die Feinde darf auf einer Wahlstadt tödten.
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Allein es scheint nun auch, das Weiber kämpfen wollen.
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Nun fragt sichs: Ob wirs nicht vielmehr verwehren sollen?

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Jedoch der Candidat ward wie ein Schaaf ergrimt;
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Und sprach: der Degen ist nur unsrer Faust bestimmt;
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Die Weiber dürfen nur mit Hand und Fingern kämpfen.
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Kein Feldzug kömmt mit Recht den lieben Weibern zu,
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Denn sonsten hätten wir in Federn keine Ruh:
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Die Wahlstadt ist allhier, wo sie die Feinde dämpfen.
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Laßt sie nur immerhin beherzt mit Flöhen kriegen;
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Wenn wir im Lager nur sie ruhiglich besiegen.

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Da man nun seiner Kunst den Auftrit anerboth.
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Doch endlich ließ er sich mit dieser Frage hören:
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Ob eine Eh-Frau auch von selbsten ihrem Mann,
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Ohn seinen Vorbewust etwas entziehen kan?
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Ob nicht in solchem Fall auch Zeugen nöthig wären?
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Und ob sie ohn Notar, ohn Vormund, oder Zeugen
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Ihm was vermachen kan, ohn alles Recht zu beugen?

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Der muntre
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Ist in der Silvia die Redlichkeit erkalt,
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So kan sie in geheim dem Mann die Treu entziehen.
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Sie braucht zu diesen Schluß nicht eines Zeugens Mund:
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Und folglich darf sie auch zu ihren neuen Bund
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Sich um Notarien und Zeugen nicht bemühen:
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Ohn Vormund, ohn Notar kan sie die schönsten Sachen
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Zum Hauptschmuck ihrem Mann ganz ingeheim vermachen.

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Wie hälts? Ey wer beschließt die Disputation?
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Wer ist der Würdigste? wer trägt den Hut davon?
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Gleich trat
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Er disputirete mit viel Geschicklichkeit,
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Da rief die Themis laut:
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Viel Glücks Zum
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Das Glücke woll dir auch ein schönes/ reiches/ frommes Weibchen geben!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Sidonia Hedwig Zäunemann
(17111740)

* 15.01.1711 in Erfurt, † 11.12.1740 in Plaue

weiblich

deutsche Dichterin

(Aus: Wikidata.org)

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