Als die Hochwürdige und in Gott andächtige Frau Maria Eleonora Sontatagin, Priorin des Jungfräulichen Closters zu Sanct Martin des H. Bernhardi Ordens, zur Aebtißin mit gewöhnlichen Solenitäten gekrönet wurde

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Sidonia Hedwig Zäunemann: Als die Hochwürdige und in Gott andächtige Frau Maria Eleonora Sontatagin, Priorin des Jungfräulichen Closters zu Sanct Martin des H. Bernhardi Ordens, zur Aebtißin mit gewöhnlichen Solenitäten gekrönet wurde (1727)

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So ists: Die Tugend siegt und schwinget sich empor;
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Ihr Adel ist gerecht; ihr Schimmer bricht hervor,
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So, wie der Sonnen Glanz, der Nacht und Wolken trennet,
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Und an dem Horizont mit leichten Flammen brennet.
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Wo lebt so leicht ein Mensch, der nicht mit größten Fleiß
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Auf seine Wohlfahrt denkt, und unter Müh und Schweiß
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Sein Glück zu fordern sucht? und gleichwohl wird man finden,
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Daß ihrer wenige den rechten Weg ergründen,
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Der zum Vergnügen führt; das macht der meiste Theil
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Bedenkt nicht, was er thut; verscherzt wohl gar sein Heil,
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Indem er säumig ist, die Mittel zu entdecken,
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Die gleichwohl nöthig sind, wenn er sein Glück erwecken
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Und ruhig leben will. Dieß Laster ist gemein,
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Und zeigt sich überall; will einer glücklich seyn/
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So muß er sich gewiß mit aller Macht bestreben,

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Den falschen Schein zu fliehn und tugendhaft zu leben.
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Dieß ist der rechte Weg, dieß ist die rechte Bahn,
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Auf der man seinen Zweck gar bald erreichen kan,
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Dieß Mittel ist bewährt, und kan uns nie betrügen;
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Durch dieses können wir die Mißgunst selbst besiegen.
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Ein Lastervoller Mensch, der sich an dem ergötzt,
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Was böß und schändlich heist, wird niemahl hoch geschätzt;
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Und wär er noch so reich; er wird verachtet bleiben.
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Ja wüßt er sein Geschlecht vom Cäsar herzuschreiben;
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Und wär er über dieß von Englischer Gestalt;
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Dieß wiederstreit ich nicht, daß mancher durch Gewalt
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Sich schrecklich machen kan, so, daß man ihn verehren
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Und heimlich fürchten muß; allein wie will er wehren,
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Daß ihm der Unterthan in seinen Herzen flucht,
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Und von der Tyranney sich loß zureissen sucht;
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Auch Nero konnte nicht bey seiner Macht bestehen,
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Und mußte noch zuletzt erbärmlich untergehen,
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Dem doch ein Kayserthum die größte Ehre gab;
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Sein Blutdurst brachte ihn noch vor der Zeit ins Grab;
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Wer wolte wohl mit Recht ein solches Herze lieben,
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Das nichts mehr sucht und wünscht; als böses auszuüben?
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Es ist und bleibt verhaßt. Die Tugend nur allein
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Erwirbt sich Ehr und Ruhm, und kan versichert seyn,
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Daß man ihr Kränze flicht, die ohne Ende grünen,
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Und als ein schöner Schmuck der Welt zur Reitzung dienen,
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Der Tugend nachzugehn, den Laster-Steg zu fliehn,
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Sich aller Uppigkeit und Bosheit zu entziehn,
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Und also gleichen Ruhm und Ansehn zuerlangen,
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Mit welcher nur allein die Tugendhaften prangen.
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Wer nichts als gutes thut; den Nächsten nicht betrübt,
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Der wird von jedermann recht inniglich geliebt,
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Nicht aus verhaßten Zwang: o nein! aus freyen Willen.
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Die Regung läßt sich nicht in unsrer Seele stillen,
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Es treibt uns die Natur zu dieser Liebe an:
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Dieweil man nimmermehr die Tugend hassen kan,
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Es sey denn, daß ein Mensch, der menschlich leben solte,
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Den angebohrnen Trieb durchaus verläugnen wolte.
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An Dir wird dieser Satz, den ich berührt, erfüllt:
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Man liebt und ehret Dich, weil deine seltne Gaben
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Vor vielen tausenden den größten Vorzug haben.
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Wir wissen allesamt, mit was vor Frömmigkeit
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Du deinen Wandel führst; Dein Unschuld-volles Kleid
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Das deine Achsel trägt, kan uns ein Beyspiel geben
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Von deinem stillen Geist und Unschuld-vollem Leben.
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Wem ist wohl unbekannt, mit was vor Lieb und Treu
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Du deinen Gott verehrst? wie streng dein Leben sey?
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Mit was vor süsser Art du jedermann begegnest;
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Mit was vor Freundlichkeit du deinen Nächsten segnest.
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Die Demuth ist dein Schmuck; kein eintzger Tag vergeht,
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Da nicht dein mildes Herz den Armen offen steht.
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Du bist nur stets bemüht was Gutes auszuüben,
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Dieß bringt dir Ehr und Ruhm; dieß zwingt uns Dich zu lieben.
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Der Orden, den du zierst, hat dieses längst erkannt,
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Drum setzt er
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Der nur vor Würdige, wie man dich sieht, gehöret;
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Dieß ist der Tugend Lohn; so wird ihr Schmuck verehret.
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Du wirst als
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Wornach sich dein
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Es freuet sich, durch dich regiert, geführt zu werden,
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Dieß zeigt
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Ich bin im Geist vergnügt bey
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Die Wünsche, so ich thu, sind ohne alle Zahl,
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Ich weiß, Gott wird dir stets ein höchst-beglücktes Leben,
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Ein recht vergnügtes Herz, und hohes Alter geben.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Sidonia Hedwig Zäunemann
(17111740)

* 15.01.1711 in Erfurt, † 11.12.1740 in Plaue

weiblich

deutsche Dichterin

(Aus: Wikidata.org)

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