Uber die Aufnahme Sr. Hochwohlgebohrnen, Herrn Ludewig Wilhelm von Langenau

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Sidonia Hedwig Zäunemann: Uber die Aufnahme Sr. Hochwohlgebohrnen, Herrn Ludewig Wilhelm von Langenau (1727)

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Ihr Musen! laßt mich jetzt nicht schweigen!
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Kommt! stehet mir mit Nachdruck bey,
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Daß ich geschickt und: fähig sey,
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Von eurer Söhne Ruhm zu zeugen.
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Trinkt mir aus eurem Brunnen zu,
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Erquickt die matten Lebens-Säfte,
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Und gebt mir Feuer, Muth und Kräfte,
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Daß ich nach Wunsch und Pflichten thu.
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Kommt! helfet mir vor allen Dingen,
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Die Ehre Schlesiens besiegen.

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Du Mutter derer größten Weisen!
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Elysien, du güldnes Land!
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Dein Ruhm ist ja schon längst bekannt;
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Was such ich dich alhier zu preisen?
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Kein Ort wird in der Welt gesehn,
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In welchem so berühmte Lichter,
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So groß- und Feuer-reiche Dichter,
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Als hier in Menge auferstehn.
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Auf euch, ihr mächtigen Sudeten,
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Hört man den Klang der schönsten Flöten.

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Du bist wie Deutschland selbst bekennet,
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Sein angenehmer Helicon.
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In dir hat Phöbus seinen Thron,
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Den man nach deinem Namen nennet.
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Es scheint als wenn der Mutter Brust
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Den ersten Trieb zum Dichten schenkte,
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Als ob sie Geist und Sinne lenkte.
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So kräftig zeigt sich hier die Lust:
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In dir, du bist darzu erkohren,
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Wird mancher Götter-Sohn gebohren.

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Ein
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Ein Weltberühmter
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Vergössert deinen Glanz und Schein,
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Und weiß ihn höher aufzuführen.
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Durch seinen hohen Geist geschenket.
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Ja, wer an
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Der weiß, wie hoch er dich erhob.
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Den Ruhm, den
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Ist noch bis jetzo nicht erstorben.

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Ich werd entzückt! mir fällt jetzunder
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Des grossen
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Und fragt der Vorwitz: wer er sey?
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So folgt die Antwort drauf: Ein Wunder!
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Ein Wunder bey dem Dichter Chor,
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Ja ein Poet, dem keiner gleichet,
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Und dessen Geist kein Witz erreichet.
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So steigt Elysien empor!
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Nur du weist Dichter aufzubringen.
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Die zärtlich und erhaben singen.

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In Ober- und Nieder-Sachsen
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Grünt zwar auch jetzt der Musen Hayn;
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Es zeiget uns der Augenschein,
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Was hier vor edle Dichter wachsen.
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Doch Schlesien behält den Ruhm;
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Daß ihrer Söhne muntre Säyten
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Den Vorzug aller Welt bestreiten:
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Es bleibt der Musen Heiligthum.
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Sucht dort ein Schwan hervorzudringen,
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So hört man hier wohl hundert singen.

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Der Adel von den größten Häusern
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Nimmt Phöbus Cyther in die Hand;
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Auch selbst der tapfre Ritter-Stand
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Schmückt Haupt und Schlaf mit Lorber-Reisern.
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Das schwache Alter ist bemüht
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Die Säyten nach der Kunst zu rühren;
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Die Jugend läßt im Dichten spühren,
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Wohin sie Trieb und Neigung zieht;
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Kein Jüngling ist so weit zu finden,
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Dem nicht die Musen Kränze winden.

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Der Ruf preißt uns zu diesen Zeiten
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Ein Muster kluger Dichter an;
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Er zeigt, was
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Er rühmet seine Seltenheiten.
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Ganz Schlesien ehrt ihren Sohn,
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Der, weil er so entzückt gesungen,
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Sich in ihr Heiligthum gedrungen;
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Sein Fuß schmückt ihren Helicon.
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Man sieht, wie ihn die Musen lieben,
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Die sich nebst Ihm in Singen üben.

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Bald spielt er einem Held zu Ehren,
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Und streut Cypressen auf die Gruft.
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Dort will sein Herz sich in die Luft
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Zu des Erlösers Wunden kehren.
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Hier nimmt er Davids Harfen-Spiel
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Und sucht und findet seine Freude.
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Der Sulamithin Seelen-Weyde
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Ist seiner Feder liebstes Ziel.
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Dort läßt er Lehren und Satyren,
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Und andre nette Thöne spühren.

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Elysien hängt
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(der Neid wirft scheele Blicke drauf,)
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In ihren Musen-Tempel auf;
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Es lieben sie Salinens Glieder.
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Die, so genau verbunden seyn,
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Und sich nach Deutschlands Namen nennen,
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Die müssen seinen Ruhm bekennen,
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Drum schreiben sie ihn freudig ein.
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Sie zeichnen ihn in ihren Orden,
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Der nun so schön vermehret worden

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In diese Sammlung nimmt man keinen,
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Als welcher Kunst und Weisheit liebt.
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Wer sich in Wissenschaften übt,
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Derkan und darf bey ihr erscheinen.
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Saline kennet
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Und die Gesellschaft seine Gaben,
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Drum will sie ihn zum Mitglied haben,
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Und nun erlangt sie auch ihr Ziel.
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Die abgelegte
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Macht Phöbum froh, den Zoil blöde.

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So dir der Saal-Strand zugedacht,
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Der Ruhm, den er dir dargebracht,
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Bleibt auch der Nachwelt nicht verschwiegen.
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Ich gönne dir den heutgen Preiß,
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Und wünsche, daß noch größre Ehre
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Dein schon erlangtes Lob vermehre;
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Das Glück belohne deinen Fleiß.
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Die Vorsicht wird dir Kräfte geben,
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Das höchste Schicksal zu erleben.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Sidonia Hedwig Zäunemann
(17111740)

* 15.01.1711 in Erfurt, † 11.12.1740 in Plaue

weiblich

deutsche Dichterin

(Aus: Wikidata.org)

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