Dem Durchlauchtigsten Fürsten und Herrn, Herrn Ernst Augusten, Herzogen zu Sachsen, Jülich, Cleve und Berg, auch Engern und Westphalen, Landgrafen in Thüringen, Marggrafen zu Meissen

Bitte prüfe den Text zunächst selbst auf Auffälligkeiten und nutze erst dann die Funktionen!

Wähle rechts unter „Einstellungen“ aus, welcher Aspekt untersucht werden soll. Unter dem Text findest du eine Erklärung zu dem ausgewählten Aspekt. Nicht jede Anmerkung ist für die Analyse gehaltvoll.

Sidonia Hedwig Zäunemann: Dem Durchlauchtigsten Fürsten und Herrn, Herrn Ernst Augusten, Herzogen zu Sachsen, Jülich, Cleve und Berg, auch Engern und Westphalen, Landgrafen in Thüringen, Marggrafen zu Meissen (1727)

1
Calliope! ermuntre dich!
2
Und hilf mir einen Held besingen!
3
Dein holder Beystand tröstet mich,
4
Sonst möchte mir kein Vers gelingen,
5
Wie? hörst du nicht, das Fama bläßt?
6
Sie ruft, daß wir
7
Mit Wunsch und Jauchzen feyren sollen.
8
Ich bin bereit; hier liegt mein Kiel;
9
Auf! nim dein nettes Sayten-Spiel,
10
Mit dem wir ihn verehren wollen.

11
Du siehst, ich schreibe schon; doch nein!
12
Halt frecher Kiel! man möchte sagen:
13
Was vor ein Hochmuth nimmt dich ein?
14
Wilst du dich nur an Fürsten wagen?
15
Der Staub schickt sich zum Purpur nicht;
16
Muß würdiger gefeyret werden.
17
Was nüzt ein zärtlicher Gesang?
18
Vergnügt auch wohl ein matter Klang
19
Das Ohr der Mächtigsten auf Erden?

20
Ich geb euch recht; jedoch
21
Wenn Ihm mein Kiel zu Fusse fällt;
22
Ich habe schon die Spuhr gesehen.
23
Führt meinen Kiel und treibt ihn fort;
24
Die Demuth wird ihn stets begleiten.
25
Die Ehrfurchts-volle Schuldigkeit
26
Reizt meinen Geist, drum spiel ich heut
27
So gut ich kan, auf meinen Sayten.

28
Und warum solt ich furchtsam seyn,
29
Wer stimmt nicht mit mir überein,
30
Wenn ich Dich einen Titum nenne?
31
War Nero seinem Volk verhaßt,
32
Weil mancher Held durch ihn erblaßt;
33
So ward August vielmehr geliebet.
34
Sein Arm hat auch zu jeder Zeit
35
An statt verhaßter Grausamkeit,
36
Die Sanftmuth rühmlich ausgeübet.

37
Wie glücklich war nicht damahls Rom,
38
Als dieser Held das Ruder führte?
39
Wie freudig schwoll der Tiber-Strom,
40
Als Augusts Fuß sein Ufer zierte?
41
Wie jauchzt nicht jetzo Sachsen-Land,
42
Und unter deinen Schatten wohnet.
43
Wie frölich lebt der Unterthan,
44
Der nicht beglückter werden kan,
45
Weil stets August die Treu belohnet.

46
Du stellest einen Schauplatz für,
47
Wo lauter Tugenden zu finden.
48
Dein Wesen sey nicht zu ergründen.
49
Wer dich nicht fürcht, wer dich nicht liebt,
50
Und dir sein Herz zum Opfer giebt,
51
Hat warlich die Vernunft verlohren.
52
Wer ist, der dir mein
53
Und deine Seltenheit erreicht,
54
Die dir von Jugend angebohren!

55
In deinem tapfern Angesicht
56
Will Majestät, Ernst, Muth und Lachen,
57
Wie jedermann mit Warheit spricht,
58
Die innerste Verbindung machen.
59
In deiner Brust wohnt Geist und Kraft,
60
Verstand und hohe Wissenschaft,
61
Ein Land zu schützen und zu bauen.
62
Ein Muster grosser Fürsten Zier,
63
Mit äuserster Verwundrung schauen.

64
Oft schläft Aurora noch in Ruh,
65
Du aber bist schon auf und wachest;
66
Die treue Sorgfalt läßt nicht zu,
67
Daß du dir lange Nächte machest.
68
Du forschst nach allen; alles muß,
69
So wohl die Klage als der Schluß
70
Durch deine hohen Hände gehen.
71
Du nimmst des Landes Wohl in acht,
72
Nichts wird gethan, nichts wird vollbracht,
73
Das nicht dein Auge selbst gesehen.

74
Du liebst die Künste und zugleich
75
Diejenigen, so sie verstehen.
76
Was hat man nicht in deinem Reich
77
Vor Wunder und Gebäu zu sehen?
78
Versaille, Wien und Dresden Pracht,
79
Und was man vor vollkommen acht,
80
Daß kan dein Bellvideur uns weisen.
81
Das Auge wird so gleich entzückt,
82
So bald es diesen Ort erblickt,
83
Denn alles ist an ihm zu preisen.

84
Dein Kriegs-Heer gleicht an tapfern Muth
85
Den alten Römern jener Zeiten,
86
Hier sieht man, was
87
Er lehrt sein Volk recht hitzig streiten.
88
Mit Sanftmuth weidet er sein Land;
89
Und gleichwohl führt die tapfre Hand
90
Das Schwerd dem schnöden Feind zum Schrecke.
91
So ist
92
Ein Vater und ein Held im Streit;
93
So kan er Lieb und Furcht erwecken.

94
Wer kan wohl vor der Sonnen-Licht
95
Mit ofnen Augen stehen bleiben?
96
Ich schweige, denn die Kraft gebricht
97
Mein Augenmerk und Cynosur,
98
Mein Entzweck und Vergnügen heisen.
99
Ich wünsche kurz:
100
So wird sein Land sich glücklich preisen.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

Einstellungen

    Text teilen & herunterladen

    PDF-Export

    Arbeitsblatt zur Interpretation herunterladen

  • Äußere Form

  • Sprachlich-inhaltliche Analyse

  • Voller Zugriff auf Textopus

    • Interaktive Analyse von über 65.000 Gedichten und über 700 Dramen

    • Zugriff auf mehr als 400 Rezitationen und hilfreiche Epochenübersichten

    • Mit Aufdeckfunktion zum Selbstlernen von Stilmitteln, Kadenzen, Metrum u. v. m.

    Textopus App

    Textopus-App

    € 4,99/Jahr
    In-App-Kauf
    Apple App StoreGoogle Play Store
    Klett Digitale Unterrichtsassistenten

    Für Lehrkräfte

    Kostenlos in ausgewählten Digitalen Unterrichtsassistenten der Deutsch-Lehrwerke des Ernst Klett Verlags
    Deutsch kompetent

Sidonia Hedwig Zäunemann
(17111740)

* 15.01.1711 in Erfurt, † 11.12.1740 in Plaue

weiblich

deutsche Dichterin

(Aus: Wikidata.org)

Textopus kann Fehler machen. Überprüfe die Informationen. Teils KI-gestützt. Siehe Hinweise zur möglichen Fehleranfälligkeit.