Auf eben diese Priesterliche Einsegnung

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Sidonia Hedwig Zäunemann: Auf eben diese Priesterliche Einsegnung (1727)

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Als Rom und Griechenland in seinem Flor noch war,
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So hatte hier das Glück sein Feuer und Altar.
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Kein Tempel wurde leer, man hat auf denen Knien,
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Das Glück um seine Gunst und Beystand angeschrien.

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Die Tempel sind verheert; allein der Götze nicht,
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Er hat sich anderswo viel Tempel aufgericht.
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Sein Dienst geht durch die Welt, man sieht den grösten Haufen,
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Mit heiser Andachts-Glut zu diesen Götzen laufen.
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Es schmeichelt sich das Glück, daß mans so hoch verehrt,
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Da es doch seine Tück so oft hervor gekehrt.
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Durchsucht der Zeiten Lauf, ich weiß, ihr werdet lesen,
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Das Glück sey nur allein im Wechsel treu gewesen.
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Es lockt so angenehm, und scherzt wie Delila;
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Doch eh man sichs versieht, so ist der Ernst schon da,
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Der unsern Fall bestellt. Forscht mehr, ihr werdet sehen,
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Es pflege nur das Glück mit Falschheit umzugehen:
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Denn oft nimts einem was, und weißts auch bald hinweg.
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Es hat nebst diesem auch die Grausamkeit zum Zweck,
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Daß es kein Bitten hört. Ulysses stopft die Ohren,
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Vor den Sirenen zu. Das Glück hat auch geschworen,
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Es sey von gleicher Art. Es hört auf kein Geschrey,
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Es streicht, es flieht, es geht vor unserm Wunsch vorbey;
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Es ist auch ungerecht, verkehrt und blind zu nennen,
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Diejengen, welche nichts von den Verdiensten kennen;
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Die Tugend nicht gesehn; die Klugheit nie geliebt;
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Die sind es, welchen oft das Glück das beste giebt!
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Wie manche schwarze That und unerlaubt Beginnen
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Muß noch darzu vom Glück die Huld und Gunst gewinnen!
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Ja Kayser Sigismund, du hast es auch geglaubt,
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Daß denen Würdigsten das Glück die Gaben raubt;
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Du hasts nicht nur geglaubt; du hasts auch einst bewiesen,
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Worüber denn dein Knecht ließ heise Thränen fliessen.
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Der weise Salomon hegt selbst auch diesen Wahn,
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Der Fortgang unsers Werks käm meist aufs Glücke an.

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Allein was suchet man das Glücke zu beschämen,
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Als wisse es das Recht nicht wohl in acht zu nehmen?
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Dieß ist zu viel gesagt! Man hat ja oft verspührt,
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Daß es die Tugenden mit seinen Gaben ziert.
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Hier kommt die Demuth auf, dort wird die Treu belohnet,
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So, daß sie nun nicht mehr in Staub und Asche wohnet.
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Es sieget die Gedult, die man vorher gedrückt;
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Die Keuschheit triumphirt und wird nach Wunsch geschmückt;
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Die Tapferkeit bekommt den Lohn, der ihr gehöret;
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Es wird die Frömmigkeit durch Amt und Stand geehret,
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Und über die gesetzt, die denen Lastern hold.
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Der Weisheit lohnet sie durch Ehre, Macht und Gold;
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Die Klugheit wird gerühmt, und der Verstand empfindet,
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Daß man um seinen Freund die Lorber-Kränze windet;
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Der Fleiß wird angesehn, sein Schweiß erhält den Lohn,
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Und die Geschicklichkeit trägt auch ihr Theil davon.

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Es kan der heutge Tag hiervon ein Zeugniß geben.
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Der Tugend übergab; die Frömmigkeit geliebt;
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Die Lehrer hoch geehrt; die Eltern nie betrübt;
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Dein Hochmuth widerstrebt. Die Redlichkeit und Güte,
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Regierte seine Brust, und wohnte im Gemüthe.
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Er gieng der Weisheit nach, bis daß Er sie bekam,
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Und sie durch seinen Fleiß bey Ihm die Wohnung nahm.
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Es hat Eusebie sich über Ihn gefreuet,
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So, daß sie Ihn nunmehr zu Ihrem Priester weyhet.
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Zum Priester! warlich ja! wer hätt es jetzt gemeint?
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Wer hätte das gedacht? Mein
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Ja! ja! dir hat das Glück, durch deiner Tugend Proben
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Den edlen Hirten-Stab und Kanzel aufgehoben.

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Die Welt hat den Gebrauch; es ist so eingeführt,
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Wenn man im Allmanach ein Namens-Fest verspührt,
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Das unsern Freund betrift, den wir von Herzen lieben,
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So sucht man sich so gleich in Lust und Wunsch zu üben.
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Man geht noch weiter fort, man leget nach der Treu
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Und Freundschaft ein Geschenk zum Namens-Tage bey.
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Was gab denn dir das Glück zu deinen
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Gewiß es schenkte dir das Liebste und das Beste.
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Zwar hat es mehr der Herr, der Wind und Wellen dräut,
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Und der dem Donner ruft, und auch dem Blitz gebeut,
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Als wie das Glück gethan: Derselbe gab dem Glücke
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Den Wink, damit es dir was angenehmes schicke.
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Was wars? die Prob-Sermon. So must du ja gestehn,
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Es habe dich das Glück mit Lächeln angesehn.

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Nun seh ich
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Und deiner Eltern Lust, im heilgen Priester-Kleide,
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Vor Gottes Altar stehn, man hält dir jetzt die Zier,
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So wie die schuldge Pflicht der Kirchen-Diener für.
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Ich seh die Aeltesten, wie sie den Priester-Seegen,
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Und Hände nach Gebrauch der Kirche auf dich legen.

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Von Jugend auf geliebt, wie wir so brüderlich
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Uns jederzeit bezeugt. Hast du vergnügte Stunden
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Erblickt, gesehn, erlebt, so hab ich Lust empfunden.
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Drum kans nicht anders seyn, es regt sich auch mein Geist,
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Da man dich einen Knecht und Diener Gottes heist.
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Ich freue mich mit dir; doch wünsch ich auch darneben:
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Dein Erz-Hirt wolle dir den Geist Johannis geben.
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Dein Eifer komme ihm, so wie der Nahme bey;
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In Strafen schone nicht, und rede auch so frey,
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Wie dieser hat gethan. Zeig auch mit deinem Finger
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Auf das erwürgte Lamm, wie dieser heilge Jünger.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Sidonia Hedwig Zäunemann
(17111740)

* 15.01.1711 in Erfurt, † 11.12.1740 in Plaue

weiblich

deutsche Dichterin

(Aus: Wikidata.org)

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