Das Hochfürstliche Geburths-Fest des Durchlauchtigsten Prinzens und Feld-Herrn Eugenii Herzogs von Savoyen, suchte mit einem Gedichte unterthänigst zu verehren

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Sidonia Hedwig Zäunemann: Das Hochfürstliche Geburths-Fest des Durchlauchtigsten Prinzens und Feld-Herrn Eugenii Herzogs von Savoyen, suchte mit einem Gedichte unterthänigst zu verehren (1727)

1
Die Ehrfurcht winkt; ihr Dichter eilt!
2
Ergreift die nettgestimmten Sayten;
3
Die euch Apollo mitgetheilt,
4
Den Ruhm der Helden auszubreiten.
5
Begebt euch an den Neckar-Strand,
6
Nehmt Laut und Flöten in die Hand,
7
Und spielt ein Lied im höhern Chore!
8
Ergötzt das Ufer mancherley!
9
Dringt mit so süsser Zauberey
10
Durch Schanzen, Gräben, Wall und Thore!

11
Kein Aeol treibt den Schall zurück,
12
Die Winde müssen sich verhüllen;
13
Der Zephyr gönnt euch dieses Glück,
14
Und lispelt seitwerts nur im Stillen.
15
Neptun erhebt sein nasses Haupt,
16
Und meint, es sey ihm nicht erlaubt,
17
Euch durch sein Brausen zu verstöhren.
18
Das Echo lauscht und freut sich schon,
19
Und will den Reitzungs-vollen Thon
20
Aus euren sanften Flöthen hören.

21
Drum rüstet euch, und seyd bemüht
22
Ihr könt durch solch ein Ehren-Lied
23
Euch bis zur Sternen-Bühne schwingen.
24
Sein Name hebt euch mit empor,
25
Und zieht euch aus dem Staub hervor,
26
Worein euch Haß und Neid gestürzet.
27
Stellt euch nur jetzt mit Ehrfurcht ein,
28
Der euer trübes Leid verkürzet.

29
Nehmt nur allein zur Vorschrift an,
30
Wovon die Wahrheit Zeugniß giebet;
31
Schreibt, was
32
Der Volk und Land beschützt und liebet.
33
Besingt nur, was ihr seht und hört,
34
Ihr dürft nicht, da ihr Ihn verehrt,
35
Ein falsch-geschminktes Lob erdichten;
36
Hier findet ihr im Uberfluß,
37
Was man sonst ängstlich suchen muß,
38
Ein Ehren-Denkmaal aufzurichten.

39
Die dreymahl drey berühmte Zahl
40
Habt ihr nicht nöthig anzuschreyen,
41
Daß sie aus ihren Musen-Saal
42
Euch Nachdruck, Stof und Kraft verleyhen.
43
Verlaßt die Fabeln alter Zeit;
44
Den Griechen künstlich nachzuschreiben.
45
Und darum soll
46
Der seine Feinde schlägt und fällt,
47
Das Hauptwerk meiner Lieder bleiben.

48
Ich will mein schlechtes Sayten-Spiel
49
Zu euren Lorbeer-Reisern fügen;
50
Vieleicht erlang ich auch das Ziel,
51
Und kan dadurch den Neid besiegen,
52
Der Muth nimmt zu; der Geist erwacht,
53
Mich zwingt ein Trieb von höhrer Macht,
54
Hier find ich was dem Geist gefällt,
55
Und kan mich an den tapfern Held
56
Und seinem Löwen-Muth erbauen.

57
Verblendet als ein Blitz die Augen;
58
Die Hand erstarrt und zittert ganz
59
Und will fast nicht zum schiltern taugen.
60
Das macht, sie merkt den Unterscheid,
61
So zwischen deiner Herrlichkeit
62
Und ihrer schwachen Kraft zu finden.
63
Und gleichwohl bin ich doch so kühn,
64
Dein Lob in engen Raum zu ziehn,
65
Und meinen Lorber drein zu winden.

66
Ich schreib und wage warlich viel;
67
Doch Herr! du wirst es liebreich richten;
68
Die Warheit führet Hand und Kiel;
69
Die Ehrfurcht unterstützt mein Dichten.
70
Die Gnade, die du mir gethan,
71
Treibt mich zur Dankbegierde an;
72
Wie glücklich ist mein Vers gewesen!
73
Ich kan von
74
O welch ein theures Gnaden-Pfand!
75
Den Beyfall mit Verwundrung lesen.

76
Dieß, sag ich, lässet nicht geschehn,
77
Die innre Regung zu verschweigen;
78
Ich soll,
79
Ich muß auf Pindus Höhen steigen.
80
Ich bitte nur, erlaube mir,
81
Daß ich
82
Und deinen grossen Thaten singe;
83
Vergönne, daß ich diesen Tag
84
In tiefster Demuth ehren mag,
85
Indem ich dir ein Opfer bringe.

86
Du bist, sieht man dein Wesen an,
87
Ein Meer, das nie ein Mensch ergründen,
88
Vielweniger umfassen kan:
89
Wer will der Hoheit Gränzen finden?
90
Wenn hier ein Bach der Gnade fließt
91
Und sich ins Meer der Tugend gießt,
92
So rißlen dort der Großmuth Ströme;
93
Da rauscht die Tapferkeit hervor,
94
Und quillt mit solcher Macht empor,
95
Als wenn sie jetzt zu siegen käme.

96
Herr, geh ich auf die Zeit zurück,
97
In welcher deine Jugend blüthe,
98
Und merke, wie sich da das Glück
99
Bereits um deinen Ruhm bemühte;
100
So muß ich mit Erstaunen sehn,
101
Was
102
Versucht, gewagt und unternommen.
103
Die größten Helden jener Zeit
104
Sind auch im Alter kaum so weit,
105
Als du in deiner Jugend kommen.

106
Dort weinte Cäsar, als er sah,
107
Was Alexandern ewig machte;
108
Nichts gieng ihm so empfindlich nah,
109
Als wenn er dessen Ruhm bedachte.
110
Dieß Beyspiel reizte Geist und Blut,
111
Und trieb ihn, mit erhitztem Muth
112
Den Feind beherzt zurück zu schlagen.
113
Und suchtest eiligst und geschwind
114
Dir gleiche Palmen zu erjagen.

115
Wie oft hat der verschnittne Schwarm
116
Dein rothgefärbtes Schwerd gefühlet?
117
Wie schrecklich hat dein Sieges-Arm
118
Desselben Hochmuth abgekühlet?
119
Ein feiges Herz war dir verhaßt;
120
Ja, Baadens Ludwig schiene fast
121
Dein künftig Schicksaal zu ergründen.
122
Man wird, so sprach er einstens gnug
123
Von seinem Ruhm zu singen finden.

124
Gedacht, gesagt und auch geschehn:
125
Des Fürsten Wort ist eingetroffen,
126
Wer kunte, der dich nur gesehn,
127
Von dir,
128
Dein Stahl drang auf die Feinde loß;
129
Dein Muth und Eifer war so groß,
130
Daß er Gefahr und Tod nicht scheute.
131
Dein edles Blut, das dann und wann
132
Aus deinen Wunden häufig rann,
133
Gefiel dir mehr als Gold und Beute.

134
Wie ist nicht,
135
Schon damahls in Betrachtung kommen!
136
Als man durch Feuer, Blitz und Dampf
137
Das stolze Ofen eingenommen.
138
Die ganz mit Blut besprützte Stadt,
139
Die deinen Muth empfunden hat,
140
Erhebt noch deine Helden-Proben.
141
Der Feind legt dir das Zeugniß bey,
142
Daß keine Feder mächtig sey,
143
Dich

144
Hub Moses seine Hand empor
145
So kunte Jacobs Saamen siegen,
146
So kunt es gleichen Vortheil kriegen.
147
Das Glücke sucht dich ohne List;
148
Das macht, weil du ein Cäsar bist;
149
Will man nach deinen Thaten fragen,
150
So werden Donau, Theis und Sau,
151
Denn diese kennen dich genau,
152
Von deinen Wunderwerken sagen.

153
Erstrecket sich dein Ruhm auf Erden!
154
Wo kan wohl jetzt zu unsrer Zeit
155
Ein solcher Held gefunden werden?
156
Der Muselmann erschrickt und flieht,
157
So bald dein Arm den Sebel zieht;
158
Er zittert, wenn man dich nur nennet,
159
Wie oft hast du mit kleiner Macht
160
Den stärksten Feind zu weichen bracht,
161
Und seinen grossen Schwarm getrennet.

162
Du bist so unverzagt im Streit
163
Als gnädig wenn dein Stahl gesieget,
164
So bald der Feind den Fehl bereut,
165
Und nun zu deinen Füssen lieget.
166
Du merkst,
167
Auf sein mit Angst vermischtes Flehn,
168
Und steckst das Rach-Schwerd in die Scheide;
169
Du schonst und rufst ihn Gnade zu;
170
Dein Volk erquickest du mit Ruh,
171
Und so vergnügst du alle Beyde.

172
Wer flößt mir Kraft und Worte ein
173
Umsonst hier muß ein Maro seyn,
174
Soll anders solch ein Werk gelingen.
175
Apellens Pinsel, Naso Geist
176
Besitz ich nicht,
177
Ich kan nicht schiltern, nur betrachten.
178
Nur Adler können aufwärts sehn,
179
Und ihren Blick zur Sonne drehn,
180
Wenn andre vor der Gluth verschmachten.

181
Wenn noch die Wunder jener Welt
182
In ihrem Flor und Ansehn wären
183
So müßtest Du
184
Die schöne Zahl gewiß vermehren.
185
Du
186
Ein ewig Denkmaal aufgebaut,
187
Das Moder, Rost und Zeit bezwinget;
188
Dein Ruhm nimmt aller Herzen ein;
189
Kein Kind wird kaum in Deutschland seyn,
190
Das nicht von deinen Thaten singet.

191
Du bist ein andrer Hannibal,
192
Vor dem ganz Asien erschüttert;
193
Bysanz gedenkt an seinen Fall;
194
Auch Welschland seufzet und erzittert.
195
Du stehst und kämpfst am Mincio,
196
Du siegst am Po und Oglio,
197
Und, wo die Etsch das Ufer feuchtet.
198
Kein Lager ist so stark und fest.
199
Das nicht der Feind mit Furcht verläßt,
200
So bald dein Stahl von weiten leuchtet.

201
Was aller Welt unmöglich scheint,
202
Das kanst du
203
Der mehr als allzusichre Feind
204
Erfährt ganz unerhörte Sachen.
205
Mit Stücken gehst du, wo ein Mann
206
Kaum mit den Füssen wandeln kan;
207
O Wunder! Die
208
Ihr Alpen sagt, was da geschehn!
209
Als ihr viel tausend Mann gesehn,
210
Die sich in Abgrund nieder liessen.

211
Du siegst und schlägst den Feind viel ehr,
212
Als ich die Flucht in Reime bringe.
213
Die Feder sinkt und wird mir schwer,
214
So scharf ich auch die Nerven zwinge.
215
O reiß dich doch von kämpfen loß,
216
Und hör doch einmahl auf zu siegen!
217
Die Nachwelt glaubt es sonsten nicht,
218
Und meint es sey ein bloß Gedicht,
219
Die Helden dadurch zuvergnügen.

220
Doch nein! fahr fort! es ist geschehn!
221
Die Niederlande können sagen,
222
Was da der
223
Vor schöne Palmen weggetragen,
224
Fällt gleich sein Roß entkräftet nieder!
225
So, ists um einen Sprung gethan;
226
Jetzt, treibt er schon ein frisches an;
227
Jetzt siegt der

228
Die sich um Deinen Ruhm bestrebet,
229
Hat Dir bereits vor langer Zeit
230
Ein Sternen-gleiches Kleid gewebet.
231
Wie aber? Soll denn nur allein
232
Die Tapferkeit so würdig seyn,
233
Daß sie die Seelen aufwärts träget?
234
Auch die Gelehrsamkeit begehrt,
235
Daß man ihr diesen Schatz gewehrt,
236
Und sie mit gleichem Schmuck beleget.

237
Dein Bücher-Saal; dein gründlich Wissen;
238
Dein Einsehn, das Europa preißt,
239
Hat dich der Sterblichkeit entrissen.
240
Kein Geist, so klug er immer sey,
241
Kömmt dir Herr an Erfahrung bey;
242
Du hast' sie alle übertroffen.
243
Dir steht des Kaysers Cabinet,
244
Der nur auf Treu und Klugheit geht,
245
So wie sein mildes Herze offen.

246
Wenn CARL mit Ludwig Frieden schließt,
247
So mußt du dieses Werk regieren.
248
Weil du allein im Stande bist,
249
Dergleichen Thaten auszuführen.
250
O schöner Ruhm, der ewig grünt!
251
O heldenmüthiges Bemühen!
252
Auch Frankreich hat umsonst gesucht
253
Dein Herz, das auf den Meineid flucht,
254
Durch List und Schmeicheln abzuziehen.

255
Jetzt stehst du wieder an dem Rhein
256
Und bist dem Feind ein tödtlich Schrecken,
257
Den Liljen, die dein Feuer scheun,
258
Und sich vor deinem Zorn verstecken.
259
Was hält euch ab? ists nicht mein
260
Kommt, seyd ihr tapfer, in das Feld,
261
Ja! Ja! ihr fühlt bereits den Streich!
262
Wie ists? Warum verkriecht ihr euch?
263
Versuchts, das Schwerd soll uns entscheiden.

264
Was Land und Volk in Schaden setzet.
265
Der Lorbeer, den du würdig trägst,
266
Wird eben dadurch hoch geschätzet.
267
Du
268
Du läßt nicht deine Krieges-Macht
269
Durch Eisen, Netz und List verderben.
270
Du kanst schon, wenn es nöthig scheint,
271
Von dem mit Furcht umgebnen Feind
272
Ruhm, Beute Ehr und Sieg erwerben.

273
Nur dieß betrübt mich, daß mein
274
Nicht ewig auf der Erden bleibet;
275
Wie? ist denn niemand in der Welt,
276
Der dieses Schicksaal hintertreibet?
277
O Nein! das Leben hat sein Ziel,
278
Sonst würden, wie ich weiß, sehr viel
279
Vor dich,
280
Ich selber gieng dieß Bündniß ein,
281
Und ließ mich, könnt ich dich befreyn,
282
Mit vieler Lust zu Grabe tragen.

283
Wo schweif ich hin? Wo bleibt die Pflicht?
284
Die mir befiehlt dein Fest zu ehren.
285
Darf dieses weibliche Gedicht
286
Dich
287
So wirst du hier ein Herze sehn,
288
Aus welchen heise Seufzer gehn,
289
Die Wolken, Stern und Luft durchdringen.
290
Verlaß nur nicht die Zeitlichkeit,
291
Biß daß die Enkel später Zeit

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Sidonia Hedwig Zäunemann
(17111740)

* 15.01.1711 in Erfurt, † 11.12.1740 in Plaue

weiblich

deutsche Dichterin

(Aus: Wikidata.org)

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