Auf Herrn Magister Kunads Namens-Tag

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Sidonia Hedwig Zäunemann: Auf Herrn Magister Kunads Namens-Tag (1727)

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Bellonens stolz- und kühner Mund
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Spricht oft mit Hochmuths-vollen Mienen:
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Durch mich wird jedes Herz verwundt,
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Mit Ehrfurcht sucht man mir zu dienen.
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Sie ruft: Sophiens Kinder-Chor
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Geht meinen Söhnen niemahls vor.
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Bellona schweig! laß dieß nicht hören.
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Ich rühme deiner Diener Schaar;
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Und gleichwohl sag ich offenbar:
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Man muß weit mehr Sophien hören.

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Man kan den Namen, tapfrer Held,
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Durch kühne Faust durch Stoß und Waffen,
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In der Belagrung und im Feld,
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Bey einer Schlacht sich leicht verschaffen;
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Wie oft bringt die Verzweifelung,
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Dem Herzen eine Aenderung:
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Man eilet mit verwegnen Sinnen
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Bellonens Opfer-Heerd zu sehn,
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Und Andachts-voll davor zu stehn,
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Den Helden-Namen zu gewinnen.

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Verzweiflung mehrt der Helden-Zahl,
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Ein böser Sinn macht viel Soldaten.
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Man siehet ja unzehlich mahl,
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Wie viel auf diesen Schluß gerathen:
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Doch bey Sophien gehts nicht an,
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Kein Mensch darf sich derselben nah'n,
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Den die Verzweiflung eingenommen.
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Was folgt? Sophiens treuer Knecht,
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Muß überall das Vorzugs-Recht
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Vor einen tapfern Held bekommen.

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Trotz immer zu, du Helden-Geist,
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Auf Müh und Schweiß und Streit und Wachen.
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Ich schwöre, wer ein Weiser heist,
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Der lächelt über diese Sachen.
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Wie viele Jahre bringt man zu;
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Wie oft verkürzt man seine Ruh;
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Wie viele Bücher muß man wissen;
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Wie mancher Wort-Streit stellt sich ein,
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Bevor wir in dem Stande seyn,
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Sophiens Purpur-Saum zu küssen?

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Doch wird ihr schöner Hermelin
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Oft durch das Stümper-Volk beflecket.
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Viel wollen ihr den Ruhm entziehn,
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Weil sie den Thorheits-Grund entdecket.
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Ihr Lästrer der Philosophie,
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Schweigt! geht und beuget eure Knie
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Vor ihrem hoch-erhabnen Sitze;
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Was nutzt das Lästern ohn Versuch;
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Thut einen Blick ins Biebel-Buch,
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Und merkt, worzu die Weisheit nütze.

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Hier seht ihr, wie das Licht der Welt,
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Wenn seine Gegner Sätze brachten,
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(die mancher Thor vor gründlich hält,)
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Damit sie ihn zu Schanden machten;
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Wie er sie, sag ich, überführt,
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Mit Gottes Wort, das kräftig rührt,
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Wie auch mit Philosophschen Gründen.
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Seht nur des Heylands Vortrag an,
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Wie er so bündig schliessen kan;
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Wer mag wohl einen Fehler finden?

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Der Heyden Lehrer Paulus zeugt,
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Er habe bey des Geistes Gaben,
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Die Weisheit, so die Herzen neigt,
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Nicht ausgetilget, noch vergraben.
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Wie mancher tolle Secten Schwarm
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Fiel durch des klugen Lehrers Arm,
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Der sich mit Weisheit ausgerüstet.
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So, daß der Feind das Feld verließ,
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So bald er seinen Satz bewieß,
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So sehr er sich zuvor gebrüstet.

71
Wo gründliche Gelehrsamkeit
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Der Kirchen-Väter Herz nicht führet,
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Da glaubt der Feind zu jederzeit,
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Daß seine Thorheit triumphiret.
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Er meint, der falschen Lehren-Zahl,
76
Sey ihm noch nicht ein einzig mahl
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Gezeigt, erklärt und aufgedecket.
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So lang man nicht Beweise bringt,
79
Und seinen Feind dadurch bezwingt,
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So wird er niemahls abgeschrecket.

81
Ruhm, Vortheil, Nutzen, Heil und Glück
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Kan dieß der Kirch zu wege bringen!
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Der böse Sinn, der Boßheit Strick,
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Wird aufgelößt und muß zerspringen.
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Hierdurch mehrt sich der Weisen Zunft.
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Die edle Freyheit der Vernunft,
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Giebt Anlaß vieles zuergründen.
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Wer recht und gründlich schliesen kan
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Nimt alles nach der Wahrheit an,
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Und läßt sich nicht die Augen binden.

91
Es wird durch die Gelehrsamkeit
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Das Wort des Höchsten rein erkläret,
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Die Ordnung und Bescheidenheit,
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Wird nimmermehr dadurch gestöhret.
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Durch sie erliegt der Feinde Schaar;
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Wo nicht, so wird doch offenbar,
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Daß ihre Macht sehr abgenommen.
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Wer sie mit reinen Herzen liebt,
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Und sich in ihren Lehren übt,
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Kan auf den höchsten Gipfel kommen.

101
Ihr Philosophen alter Zeit!
102
Wie nah kommt ihr der Christen Lehre?
103
Man kennet eure Würdigkeit
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Und darum schmückt euch Ruhm und Ehre.
105
Hat eure Rede nicht mit Macht,
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Die Beßrung derer Sitten bracht?
107
Ihr Stoicker gebt ein Exempel
108
Der Herzen, die kein irdisch Gut
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Bezwingt. O fest gesetzter Muth!
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Ihr unterstützt den Weisheits-Tempel.

111
Laß Pittacus, laß Seneca,
112
Laß Socrates dich klärlich sehen.
113
Ihr kommt den Lehren oft sehr nah,
114
Die in dem heilgen Buche stehen.
115
Cratippi werthes Garten-Werk,
116
War des Pompeji Augenmerk,
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Und ward durch jenes süsse Worte
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Fast in ein Paradieß verkehrt;
119
Ihr Weisen, was ihr sonst gelehrt,
120
Das liebt man noch an jedem Orte.

121
Durch eure Weisheit forschet ihr
122
Nach dem, der was aus nichts bereitet.
123
Ihr Morgen-Länder kommt herfür,
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Und saget, was der Stern bedeutet,
125
Den ihr in eurem Land gesehn!
126
Ihr müßt darauf nach Salem gehn,
127
Ihr kommt und fragt, wo in der Wiege,
128
Der Griechen und der Heyden Heil,
129
Der Sünder Trost, der Frommen Theil,
130
Der neugebohrne König liege?

131
O Dioniß! dein Herze schloß
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Als du den Nebel wahrgenommen,
133
(da Blut aus Christi Seite floß,
134
Und er ans Kreutzes-Stamm gekommen:)
135
Es müsse bey dem duncklen Schein
136
Der höchste Gott beängstget seyn,
137
Und jetzt den Tod mit Schmerzen leiden.
138
Du ruftest deiner Weisen Schaar,
139
Du sprachst: baut einen Beth-Altar,
140
Gott stirbt: er muß von hinnen scheiden.

141
Kein Fall, kein Unglück, Angst, noch Noth
142
Macht weiser Leute Herzen mürbe.
143
Wenn das Verhängniß schmäht und droht,
144
So wünscht doch keiner, daß er stürbe;
145
Ihr steht und lacht zu aller Pein,
146
Nehmt Schierlings-Saft mit Freuden ein.
147
Liegt Socrates in Todes-Zügen,
148
So lehrt er noch, wie man mit Macht
149
Den Tod und seine Faust veracht.
150
Die Furcht kunt über ihn nicht siegen.

151
Schaut, wie Philippens Lust sich mehrt,
152
Dieweil sein Prinz zu solchen Stunden,
153
Da Aristotels Zunge lehrt,
154
Sich auf der Erden eingefunden.
155
Dieß macht uns Alexanders Mund
156
Durch seinen eignen Ausspruch kund.
157
Er ehrte ihn, wie sichs gebührte.
158
Er war ihm fast noch mehr geneigt,
159
Als dem, der ihn vorher gezeugt,
160
Dieweil er ihn zur Weisheit führte.

161
Gedenke Crösus! doch nur nicht
162
Den Philosophen hönsch zu fluchen.
163
Ihr Sinn, Verstand und Geistes-Licht,
164
Läßt sich mit Rätzeln nicht versuchen.
165
Halt Alexander! halt nur ein!
166
Die Weisen möchten stärker seyn;
167
Erkühn dich nicht mit deinen Fragen:
168
Die Gordschen Knoten können sie
169
Mit ihrer Weisheit, ohne Müh,
170
Zergliedern und gar leicht zerschlagen.

171
Euch Klugen hat das Alterthum,
172
Viel Ehren-Säulen aufgebauet;
173
So, daß man eures Namens Ruhm
174
Nach euren Moder noch geschauet.
175
Recht so! ihr seyd dergleichen werth,
176
Man thut was Billigkeit begehrt.
177
Allein ihr Weisen unsrer Zeiten:
178
Euch hat so manche schöne Schrift,
179
Ein größres Ehren-Maal gestift:
180
Dieß kan euch höhern Ruhm bereiten.

181
Brich an erwünschtes Tages-Licht!
182
Willkommen angenehmer Morgen!
183
An dem Sophiens Zunge spricht;
184
Jetzt weis ich nichts von Angst und Sorgen:
185
Denn
186
Erblicket heut sein
187
Mein Sohn, von dem die klügsten Männer
188
Mit Wahrheit sagen: Dieser lehrt,
189
Wie man mich würdiglich verehrt.
190
Er ist ein grosser Weisheits-Kenner.

191
Wie labt mich die Philosophie!
192
Wie reitzet mich dein künstlich Reimen!
193
Wohlan! so soll die Poesie,
194
Die zwar noch roh, sich doch nicht säumen:
195
Wenn sie auf
196
Dir ein Gedichte bringen mag,
197
Komm, sieh mit gütgen Augen an,
198
Was ich aus Schuldigkeit gethan,
199
Und dir anjetzo zugeschrieben.

200
Was wünsch ich? nein ich wünsche nicht!
201
Denn, wer wie du die Weisheit liebet,
202
Der schaut des Glückes Angesicht:
203
Sich durch sich selbst die Wohlfarth giebet.
204
Zum Schlusse setzt Sidonia:
205
Weil
206
So wird mein Geist mit Lust umgeben:
207
Sophia und das Musen-Chor
208
Geht mir in Lustbarkeiten vor:
209
Man ruft:

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Sidonia Hedwig Zäunemann
(17111740)

* 15.01.1711 in Erfurt, † 11.12.1740 in Plaue

weiblich

deutsche Dichterin

(Aus: Wikidata.org)

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