Den über den Auftritt des neuen Lehrers, frolockenden, und der ganzen Christlichen Gemeine zurufenden Schallenburgischen Tempel, bey der Antrits-Predigt Herrn

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Sidonia Hedwig Zäunemann: Den über den Auftritt des neuen Lehrers, frolockenden, und der ganzen Christlichen Gemeine zurufenden Schallenburgischen Tempel, bey der Antrits-Predigt Herrn (1727)

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Kan wohl mein Heiligthum und Predigstuhl bestehen, Wenn Taufstein und Altar ohn einem Priester seyn?

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O nein! ich würde bald mit ihnen untergehen,
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Gieng nicht ein treuer Knecht bey mir stehts aus und ein.
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Läßt dieser seine Stimm ganz unerschrocken hören,
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Und bläset Gottes Wort wie mit Posaunen aus;
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Ja, sucht er Tag und Nacht das Himmelreich zu mehren,
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So baut und schmückt er mich als ein geweyhtes Haus;
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Es häufet sich die Zahl der Seelen, die da suchen,
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Was Christi Geist beliebt; und ihm gefällig ist:
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Sie sind darauf bedacht das alles zuverfluchen,
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Wormit ein Sattans-Kind sich unaufhörlich brüst.
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Drum schätz ich mich beglückt, so bald ich einen funden,
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Der Sattans Thun und Werk in meinem Hause dämpft:
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Hierdurch wird manches Schaaf an Christi Joch gebunden,
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Daß es hinfort die Welt mit ihrer Lust bekämpft.
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Wenn nun mein Priester stirbt, der mich so wohl bewachet,
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Und Gott gedienet hat als ein gehorsam Kind;
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So wird mein Freuden-Wein zum Gallen-Trank gemachet,
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Daß mancher Thränen-Guß aus meinen Augen rinnt.
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Wie mich denn solcher Bach vor kurzer Zeit begossen
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Indem mein Lehrer, ach! zu meinem Leid erblaßt:
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Dort hat die schwarze Gruft den theuren Leib umschlossen,
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Mich aber Traurigkeit und herber Schmerz umfaßt
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Allein! was soll ich mehr dergleichen Klagen führen,
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Da mein getreuer Gott doch alles wohl gemacht?
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Er läßt mir seine Treu und Vater-Liebe spühren:
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Und hat ein ander Haupt an dessen Stelle bracht.
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O Freude über Freud! o Wonne über Wonne!
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Heut trit ein
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Der zeigt den rechten Weg zu Gott der schönsten Sonne,
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Das wahre Christenthum bekömmt jetzt freyen Lauf.
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Ein Mann von Gottesfurcht und Andachts-vollen Lippen;
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Ein Mann, der Heucheley und falsches Wesen haßt,
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Der Reich und Arme warnt vor denen Sünden-Klippen;
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Ein Mann, der Redlichkeit in seine Arme faßt;
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Ein Mann, der Zeit und Stunde läßt verstreichen,
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Da er nicht seinem Gott und seinem Nächsten dient;
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Ein Mann, der darnach strebt, daß er nur möcht erweichen
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Der Sünder Felsen-Herz, in dem kein Glaube grünt;
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Ja! ja!
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Dem treue Hirten-Art aus allen Werken siehet:
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Er sucht, daß er die Schaf nach aller Treu bewirthe;
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Er ist kein Miethling nicht, der vor dem Wolfe flieht.
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Heut gehst du,
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Und hebst dein Priester- Amt bey meinen Kindern an;
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Ich bin gewiß, es zieht dein löbliches Exempel,
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Bald dies, bald jenes Herz von seiner Laster-Bahn.
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So will ich mich denn dir an diesem Tag ergeben,
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Da du nach Gottes Wink nunmehr mein Priester heist:
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Wirst du in meinem Haus wie in dem erstern leben;
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So wird mein Himmels-Fürst geehret und gepreißt.
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Nun bin ich wohl vergnügt, die Traurigkeit verschwindet,
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Weil
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Sein Auftrit hat mich schon mit solcher Lust entzündet,
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Daß was mich erst genagt nun ganz zurücke geht.
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Triumph! Victoria! Gott hat mich wohl versorget,
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Weil er mir einen Mann nach seinen Sinn geschenkt,
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Nun frag ich nichts darnach, ob mich ein Feind behorchet:
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Genug, mein Priester wacht der alles abwerts lenkt.
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Vor diese Gnad wirst du o grosser Gott! gepriesen,
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Dir wird zum Lob und Preiß ein Danklied angestimmt:
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Jedoch eh ich das Wort gedenke zu beschliessen;
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So wisset, daß noch was in meinem innern glimmt.
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Nur ein Ermahnungs-Wort laß ich an euch ergehen:
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Ihr Seelen, die Gott selbst geliebte Schafe nennt,
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Die hier in diesem Haus als fromme Hörer stehen,
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Die ihr euch nicht von Gott und seinem Tische trennt.

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Thut, was des Höchsten Wort durch seinen Mund verlangt:
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Denn wer denselben liebt, des Seele herrlich prangt.
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Ehrt ihn als Vater stets nach eurer Schuldigkeit.
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Kommt, fallt vor Gottes Thron. Wohl dem, der sich so übet,
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Seyd mit
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Ruft Jesum Christhum an, auf daß er Gnade gebe,
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Damit sein Priester-Amt bey euch gesegnet sey,
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Und er mit Christi Kraft dem Sattan wiederstrebe.
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So kan er auch sein Amt mit Freudigkeit vollenden,
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So wird auch eure Brust ganz ungemein ergötzt.
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So wird sich Gott mit Gnad zu Hirt und Schaafen wenden,
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Daß er sie dermahleinst ins Paradieß versetzt.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Sidonia Hedwig Zäunemann
(17111740)

* 15.01.1711 in Erfurt, † 11.12.1740 in Plaue

weiblich

deutsche Dichterin

(Aus: Wikidata.org)

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