Auf Herrn Woywods in der Medicin erhaltene Doctor-Würde

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Sidonia Hedwig Zäunemann: Auf Herrn Woywods in der Medicin erhaltene Doctor-Würde (1727)

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Als jüngst ein süsser Schlaf, der mich noch jetzt vergnüget,
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In einer stillen Nacht die Glieder eingewieget,
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Sah ich im Traum ein Hauß, ich gieng auch da hinein,
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Und dachte, dieß muß wohl der Götter Wohnplatz seyn.
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Denn ich erblickte da ein wunderschönes Zimmer,
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Wo mich der reine Gold- und helle Silber-Schimmer
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Fast gar verblendete, der Edelsteine Pracht,
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Bestrahlten selbiges; Indem ward aufgemacht
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Ein Vorhang, der durchaus so herrlich ausgesticket,
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Daß sich selbst Franckreichs Zier vor ihm zur Erde bücket;
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Gleich in der Mitte saß Apollo auf dem Thron,
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Sein Haupt war reich umlaubt mit einer Lorber-Kron,
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Zu seinen Füssen lag ein Chor, das sich ergeben
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Der Kunst der Arzeney, und was im ganzen Leben
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Apollo stets verehrt, der nicht auf Stümper sieht,
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Und nur die Würdigen in seinen Orden zieht.
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Sie fragten ihn um Rath, und waren stets beflissen,
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Aus seinem weisen Mund ein mehreres zu wissen.
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Der eine fragte ihn: Was dienet vor das Haupt,
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Wenn Schwindel, Schmerz und Fluß die Kräfte weggeraubt?
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Der andre bath ihn gar um die geheimsten Sachen,
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Wie man ein Polychreß aus Kräuter könte machen?
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Der dritte suchte Rath vor Hitze, Kramf und Gicht,
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Durch was vor Mittel man den Lenden-Stein zerbricht?
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Appollo gab so gleich die Antwort auf die Fragen,
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Ich will ins künftige hiervon ein mehres sagen.

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Indessen hatte sich, eh man es noch gedacht,
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Ein muntrer Musen-Sohn vor Phöbens Thron gemacht,
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Der sprach: O grosser Fürst! den Menschen sind gegeben
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Zu seinen Wohlergehn, und höchst vergnügtem Leben
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Sag, welcher kan uns wohl den besten Nutzen schenken;
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Und welcher solte uns am allermeisten kränken
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Wofern man ihn verlöhr? Mein werthes Sinnen-Chor,
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Bring dieß, sprach Phöbus Mund, mit guten Gründen vor.
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Drauf fieng das Sehen an: Schaut meine Herrlichkeiten,
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Wer darf mir diesen Ruhm mit Warheit wiederstreiten?
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Ich gebe keinem nach, mir bleibt die Oberhand,
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Wer dieses läugnen will, dem fehlt es am Verstand;
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Gleich wie am Firmament zwey helle Lichter prahlen,
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Die dieses ganze Rund mit ihrem Schein bestrahlen;
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So bin ich ebenfals der kleinen Welt gesetzt,
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Was ist doch auser mir, so das Gemüth ergötzt?
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Mich pflegt des Schöpfers Mund ja selbst heraus zustreichen,
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Sucht er die Vorsicht nicht den Augen zuvergleichen!
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Wer ist im Kampf und Streit nicht jederzeit bedacht,
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Daß seinen Augen nichts Verdruß und Schaden macht?
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Ein Blinder klagt wie dort: Wie soll ich Freude habë?
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Da ich nicht sehen kan der Sonnen Wunder-Gaben.
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Das Sehen schwiege still: Drum fieng das
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Sagt an: was nützt der Mensch, der mich nicht haben kan?
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Ein angenehmes Oel, wie will und kan ers brauchen:
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Weil er nicht riechen kan, so läst er es verrauchen.
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Des Höchste sein Geschöpf: Die Blume mancher Art,
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Schaut er mit Thränen an; er spricht: die Gegenwart
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Vergnüget mich zwar wohl, ach! könnt ich euch empfinden:
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So solte bald mein Leid u. alle Quaal verschwinden.
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Mir kömmt die Ehre zu; ich bin der Sinnen Held,
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Ich weiß, daß jetzt der Sieg auf meine Seite fällt.
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Das
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Und sagte voller Zorn: wer kan mich wohl entbehren?
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Sagt, heiß ich nicht mit Recht der angenehmste Sinn;
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Was hilft es, wo ich nicht mit meiner Anmuth bin,
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Was hilft es, wenn man auch die schönsten Früchte fände,
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Die Gott hervor gebracht; ja füllen unsre Hände
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Ein Haufen güldner Frucht aus Edens Garten an,
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Was hilfts wenn man sie nicht mit Lust genüssen kan.
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Ein solcher Mensch weis nicht den Unterschied zu machen,
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Von dem was gut und schlimm, von süß und sauren Sachen.
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Drum fällt mir jederman, das weis ich, willig bey,
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Daß ich der beste Sinn von allen fünffen sey.
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Hierauf kam das
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Wer blähet sich so auf? wer denkt mich zu beschämen?
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Halt! redet nicht so kühn, sonst bring ich auf die Bahn,
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Daß ich an Herrlichkeit euch übertreffen kan,
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Was nützet ohne mich doch aller andre Plunder?
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Ich bin, es bleibt darbey, ein übergrosses Wunder.
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Wird nicht der Mensch erfreut, wenn er das Harfen-Spiel
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Durch mich vernehmen kan? Der Anmuth ist zu viel;
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Er hört die süsse Stimm, der schönen Nachtigallen,
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Vereint der Menschen Wort versteht der Lippen lallen,
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Besitzet er mich nicht, so ist er sehr betrübt,
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Weil mancher Aberwitz ihm lose Worte giebt:
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Denn einer, der nicht hört, ist in der Spötter Händen;
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Sie wissen ihn mit List viel Ubel zuzuwenden.
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Er wird ins Angesicht verhöhnt und ausgelacht,
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Und fast von jeglichem zum Gauckel-Spiel gemacht.
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Man sagt: er ist ja taub, er hört nicht, was wir sprechen;
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Was will der Narre thun? Wie will er sich wohl rächen?
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Nun denket bey euch selbst, was das vor eine Pein
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Und überhaufter Schmerz der Seelen müsse seyn.
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Worauf das Fühlen sprach: Bezähmet euer Prahlen,
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Ich will euch alle sonst, wie ihr verdient, bezahlen;
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Wenn ich vor diesem Thron und dieser werthen Schaar,
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Erzehle was mich ziert; es ist ja offenbar,
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Wie groß das Unglück sey, wenn einer fühl-los lieget,
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Und von dem Schlag gerührt, sich zu der Erden bieget,
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Man stößt und greift ihn an, und er empfindet nicht;
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Soll der nicht elend seyn, dem es an mir gebricht?
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Wer aber mich besitzt, der brauchet seine Glieder,
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Zu was, und wie er will, an jedem Morgen wieder.
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Drum heist man mich mit Recht der Sinne Haupt und Kron?
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Entscheid uns Phöbus nun von deinem hohen Thron.
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Drauf bath das ganze Chor, Apollo möchte schliessen,
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Und seinen Weisheits-Strom in dieser Sach ergiessen;
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Allein es sprach sein Mund: Ich hab es schon bedacht,
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Der Schluß wird nicht von mir in diesem Streit gemacht;
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Ich lasse dem den Ruhm, der heute disputiret,
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Und Den ein
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Drauf waren viel bemüht den Vorhang aufzuziehn.
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Der Ausspruch schien gerecht, den Phöbus Mund verliehn;
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Kaum war der Vorhang weg, so sah man Wunder-Dinge;
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Indem ein Schlesier den Hut und Ring empfienge.
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Hier fieng Apollo an: Der soll der Richter seyn,
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Gieb
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Als man ihm drauf erzehlt der Sinne Streit und Willen,
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So sprach sein kluger Mund, ich will sie freundlich stillen.
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Des grossen Schöpfers Rath, der alles wohl bestellt,
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Macht keinen Unterscheid, er achtet, schätzt und hält
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Dieselben alle gleich; weils seine Werke heisen,
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So spricht er, sie sind gut, ein jedes kan mich preisen.
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So hält ingleichen auch ein Mensch sie alle werth,
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Weil er dieselben braucht. Wer ist wohl, der begehrt,
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Daß eins von selbigen solt seinen Leib verlassen?
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Kurz, da er solche braucht, wie kan er sie denn hassen?
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Er findt an ihrem Wohl recht innigliche Lust,
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Ist eines davon krank, so leidet seine Brust;
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Er fühlt den herbsten Schmerz, er seufzt und ist betrübet,
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Sein Geist hat keine Rast, dieweil er alle liebet.
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Er ruft und fleht den Arzt, und spricht ihn schmerzlich an,
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Daß er ihm helfen soll, wofern er helfen kan.
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Dann muß ein weiser Arzt auf kluge Mittel denken,
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Die vorge Stärk und Kraft dem kranken Sinn zu schenken.
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Drum faß ich alles kurz, und sage mit Bedacht:
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Mir sind sie alle gleich, von mir wird nichts veracht.
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Hört Sinnen! höret auf zu streiten und zu zanken,
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Der Schluß ist schon gemacht, verändert die Gedanken.
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Weil ihr Geschwister seyd, und gleichen Dienst verricht,
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So schickt sich auch vor euch dergleichen Zwietracht nicht.
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Apollo sprach hierauf:
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Drum steht dir auch die Thür zu hohen Ehren offen;
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Hier hast du meine Hand, ich wünsche Dir viel Glück
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Zu deinem Doctor-Hut! drauf wich er bald zurück.
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Die Sinne waren auch bey diesem Schluß vergnüget,
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Und sagten: jeder hat im Streiten obgesieget;
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Dann sprach das ganze Chor: Besinget dieses Fest,
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Das uns Apollens Huld vergnügt begehen läst.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Sidonia Hedwig Zäunemann
(17111740)

* 15.01.1711 in Erfurt, † 11.12.1740 in Plaue

weiblich

deutsche Dichterin

(Aus: Wikidata.org)

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