Bey der Hochadlichen Bünau- und Schartischen Ehe-Verbindung zu Eisenach wünschte der Fräulein Braut aus alter guter Bekanntschaft in einer Trauer-Ode Glück

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Sidonia Hedwig Zäunemann: Bey der Hochadlichen Bünau- und Schartischen Ehe-Verbindung zu Eisenach wünschte der Fräulein Braut aus alter guter Bekanntschaft in einer Trauer-Ode Glück (1727)

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Wie steht es,
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Es sieht gefährlich aus! ich glaub, er wird heut ganz
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Zerrissen und zerstückt und abgedanket werden.
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Ich möchte lauschend sehn, wie du dich wirst geberden,
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Wenn ihn dein Bräutigam von deinen Haupte reißt:
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Ob Du dich ängstiglich bey diesem Raub erweist?
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Ja! ob Du etwa gar bey diesen fremden Sachen,
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Und wunderlichen Ding noch wirst darüber lachen?
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Das letzte glaub ich ehr; mich deucht, die Traurigkeit
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Hat Dein Gesicht verbannt; Ich sehe Dir kein Leid
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An Aug und Mienen an. Es wird mir jetzt nicht fehlen,
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Du läßt dir heute gern das Jungfer-Kränzgen stehlen
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Ist das nicht wunderlich, bey dem Verlust vergnügt
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Und frölich auszusehn? wenn sonst ein Held besiegt
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Und überwunden wird, so fühlt er Angst und Schmerzen;
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Dir aber geht der Fall des Kranzes nicht zu Herzen.
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Du siehst recht lächerlich, getrost und wohlgemuth,
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Wie er bereits betrübt, in letzten Zügen ruht.
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Die Bahre ist schon da, worauf man ihn bald leget,
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Wenn ihn dein Bräutigam mit dir, ins Bette träget.

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Ich aber weine scharf bey seiner Sterbens-Noth,
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Siehst du mirs denn nicht an? die Augen werden roth;
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Die Wangen aber blaß: Der Mund kan auch vor Klagen,
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Und Jammer fast kein Wort nach seinen Willen sagen.
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Daß ich im Trauer-Kleid mit darf zu Grabe gehn?
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Ich werde nach Gebrauch in Boy und Flor erscheinen,
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Und meiner Augenpaar wird tausend Thränen weinen.
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Dein Kranz, der liebe Kranz, dein schönster Schmuck verdient,
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Daß durch ein Leichgepräng sein Angedenken grünt.
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Ich werde mich bemühn, das Todten-Lied zu singen,
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So bald man selbigen wird zu dem Grabe bringen.
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Es wird mir dieß doch nicht von
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Drum wird er mir den Dienst zu thun doch nicht vermehren
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Ich lausche nur, ich will euch aber nicht verstöhren
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In dem Gespräch, das ihr von diesem Kranze führt,
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Und wie Dir sein Verlust dein Herze wenig rührt.
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Mich dünkt, Du hast dich gar nach dem Verlust gesehnet,
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Dein angenehmer Dieb hat dich bereits verwehnet,
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Da Er Dir den Begriff vom Lieben beygebracht,
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Und Dir durch manchen Kuß den Appetit gemacht,
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Das kräftge Mannes-Fleisch nachdrücklicher zu kosten?
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Ja, dieserhalben muß dein Kranz nunmehr verrosten.

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Mich deucht, ein grüner Kranz ist ja nicht hart und schwer:
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Wie kommts denn, daß er dich und auch dein Haupt so sehr
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Belästget und beschwert? Bedenke doch, und glaube,
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Daß ja der Weiber-Tracht und eine Frauen-Haube
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Die Schläfe schärfer drückt! Jedoch was sag ich dir
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Vom Schmuck und leichter Last des Jungfer-Kranzes für!
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Es ist ja doch umsonst! dein Herz trägt stark Verlangen
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Vor ihn, von
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Nu, nu, es kan geschehn! gedulte dich nur noch,
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Biß daß der Wächter ruft! du kanst warhaftig doch
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Die Gäste und auch mich nicht heisen gehn, noch weichen,
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Und dich so sacht und still gedenken weg zu schleichen!
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Beym Guckuck! ey wie muß dir jetzt zu muthe seyn,
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Wenn du noch warten solst? Ich bilde mir jetzt ein,
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Und glaub es auch gewiß, du wirst von Grund der der Seelen,
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Ob du es gleich nicht sagst, die Augenblicke zehlen
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Bis daß die Stunde kömmt, in der dein Kranz verdirbt,
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Und durch

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O Braut; wie so verwirrt! so jämrich! so erschrocken!
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O! seht doch was ihr fehlt! das Blut fängt an zu stocken;
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Der Pulß schlägt heftiger; die Lippen werden blaß;
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Die Ohnmacht reißt sie hin! Ihr muß ein stärkend Naß
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Und edle Specerey die Kräfte und das Leben,
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Benebst der Farbe Zier und Sprache wieder geben.
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Fort! bringt jetzt Engel-süß, darneben Mannes-Treu,
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Wie auch das Wohlgemuth, und Himmels-Thau herbey!
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Hohlt Liebstock, Augentrost, je länger und je lieber
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Und streicht sie damit an, damit das harte Fieber
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Und Ohnmacht sich verliehrt. Soll dieß nicht kräftig seyn;
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So tragt Sie ohn Verzug ins Hochzeit-Bett hinein.
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Geh Braut! und laß Dich da von deinem Schatz curiren,
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So wirst Du wieder bald die vorgen Kräfte spüren.
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Allein indem er dir das Leben wieder giebt;
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So stirbt dein Jungfer-Kranz. So muß ich hochbetrübt,
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Bey seiner Grabes-Thür, statt seiner kläglich singen,
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Und Dir das Abschieds-Lied noch endlich überbringen:

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Nun gute Nacht!
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O! wird mir dieß zum Lohne,
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Daß ich vor meine Zier
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Die ich dir gab, allhier
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Zum Märtrer werd gemacht?
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O gute Nacht!

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Nun gute Nacht!
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Ich habe dich geschmücket;
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Nun werd ich unterdrücket.
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So trage ich zum Lohn
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Den Untergang davon.
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Das Grab ist hier gemacht.
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Ach gute Nacht!

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Nun gute Nacht!
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So muß ich jetzt verderben;
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So muß ich endlich sterben.
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Dein Hochzeit-Bett allein
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Muß mein Begräbniß seyn.
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Jetzt werd ich umgebracht,
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Welt gute Nacht!

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Gehab dich wohl!
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Und lebe in Vergnügen:
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Kein Leid muß dich besiegen.
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Und wenn aus meiner Gruft
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Ein kleiner Bünau ruft;
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So pfleg ihn, wie man soll.
105
Nun lebe wohl!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Sidonia Hedwig Zäunemann
(17111740)

* 15.01.1711 in Erfurt, † 11.12.1740 in Plaue

weiblich

deutsche Dichterin

(Aus: Wikidata.org)

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