Da jetzo der Reichsfreyherr Stettner von Grabenhoff, mit seiner Braut der schönen Fräulein von Rockhausen mit viel Vergnügen wird getraut; So

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Sidonia Hedwig Zäunemann: Da jetzo der Reichsfreyherr Stettner von Grabenhoff, mit seiner Braut der schönen Fräulein von Rockhausen mit viel Vergnügen wird getraut; So (1727)

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Hochwohlgebohrne Zwey!
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Die jetzo durch den Orden
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Des Ehstands eine Seel, ein Herz und Fleisch geworden.
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Vergebet meiner Hand, verzeihet meinem Kiel,
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Der euch in eurer Lust und Freude stöhren will;
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Der euch, da ihr anjetzt einander Küsse schenket,
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Und allzu zärtlich thut, nur zu verhindern denket.
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Reißt eure Lippen loß! verschiebt die Zärtlichkeit
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Bis in die Hochzeit-Nacht, da bringet Beyderseit
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Das alles zweyfach ein, was ihr jetzt müßt versäumen,
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Blickt her auf diesen Brief, und leset diese Reimen!
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Es gieng bisher der Ruf, als ob am Geren-Strand
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Zwey Fräulein sich so fest und tief ins Freundschafts-Band
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Verwickelt und verknüpft, und eingeschlossen hätten;
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Sie nähmen alle Tag das Muster von den Kletten.
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Es hieß: Hier ist ein Herz, ein Wille und ein Sinn,
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Denn wo die eine war, gieng auch die andre hin.
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Das Herze war gemein, daß was die eine hörte,
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Sie auch der andern bald erzehlete und lehrte.
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Ein Zimmer und ein Tisch und Bett war ihre Lust,
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Adonis lag wohl nie so fest an Venus Brust,
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Als dieses Fräulein-Paar fest an einander hingen;
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So gar, daß sie zugleich auch auf den Abtritt gingen;
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Was Eifersucht und Neid und Groll und Zwietracht heist,
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Das wusten diese nicht: Weil Rosemunden Geist
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Und Belleminens Herz vor Liebes-Glut fast brannten,
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Und sich einander nur mein liebes Mäusgen nannten.
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So wolte selbst der Ruf darbey nicht müßig seyn.
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Jetzt aber stellet sich ein seltner Vorwurf ein;
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Es heist: Dieß Freundschafts-Band ist jämmerlich zerissen,
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Die Fräuleins können sich nicht mehr vertraulich küssen,
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Sie biethen fort nicht mehr einander Mund und Hand;
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Denn Rosemunde ist nicht mehr am Geren-Strand.
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Ein Fränkischer Baron, den Stand und Tugend zieret,
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Hat dieses schöne Kind nach Neuenburg geführet.
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O schön und starker Feind, der Belleminens Herz
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In solche Unruh setzt, und ihr so herben Schmerz,
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Durch diese Wegfahrt bringt! Ach! daß doch Stettners Liebe,
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Und sein entflammter Geist, und seine heisen Triebe
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Der Belleminen Trost und Freundin weggeraubt!
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Wer hätte dieses wohl gedacht, gemeint, geglaubt!
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Der neidische Baron will nun die Lippen küssen,
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Die Belleminens Mund bisher vergnügen müssen.
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Er nimmt ihr Liebstes nun aus Zimmer, Bett und Arm,
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Und machet sich damit und seine Seite warm.
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Die Bellemine klagt um ihre Rosemunde,
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Und fluchet auf die Zeit, und hasset diese Stunde,
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In welcher Stettner Lust zu dieser Maus bekam,
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Und sie durch List und Kunst vergnügt gefangen nahm.
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Er ist nach Katzen Art ins Zimmer eingekommen,
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Und hat zu ihrem Schmerz ihr Mäusgen weggenommen.
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Das Mäusgen ist nun hin! o du so kühner Dieb!
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O wenn sich doch davor das Mäusgen an dir rieb,
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Und liefe dir ans Bein, und kniepte dich in Backen,
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Und bisse dich in Mund, an Stirn und Brust und Nacken,
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O so geschähe dir, du höchst-verwegner Gast!
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Du kühner Mäuse-Dieb! was du verdienet hast!

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Hochwohlgebohrne Zwey! Ihr habt bereits gehöret,
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Was Belleminens Lust verhindert und verstöhret,
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Und weggenommen hat. Nun hört auch dieses an,
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Wodurch man ihren Geist hinwieder trösten kan.
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Der fränkische Baron hat kaum die Rosemunde
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Gesehn, gegrüßt, gehört, so fühlte er die Wunde,
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So diese Schöne ihm in seine Brust gebracht.
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Er meinete die Hand, so selbige gemacht,
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Die könt ihm ebenfalls auch Linderung ertheilen,
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Und durch ein süsses Oel aufs allerbeste heilen.
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Sie nahm sich seiner an, und stillte seinen Schmerz.
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Wodurch? Sie übergab und schenkte ihm ihr Herz.
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Er hat sie nicht entführt, er hat sie hoch gebethen:
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Obs ihr gefällig wär, ihr Herz ihm abzutreten?
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Und weil sein Mund so hold und die Person so schön,
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Der Stand zu Edel war; so ließ sie es geschehn.
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Sie ließ sich ohne Zwang in seinen Armen führen!
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Und wolt Er ihren Mund mit seinem Mund berühren;
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So hielt sie wie ein Lamm und frommes Schäfgen still,
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Und sagte oft zu Ihm: Dein Wille ist mein Will!
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Wie kan denn Brod zu Brod wohl schön und lieblich schmecken,
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Was kan vor eine Kraft in Frauen- Küssen stecken!
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Sie hat ja Fleisch und Blut; was Wunder, daß Sie liebt,
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Und sich mit Leib und Seel dem
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Das Mäusgen ließ sich auch mit gutem Willen fangen,
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Sonst wär es nicht so oft der Katz entgegen gangen.
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Die Mäusgen gehen gern nach Fleische und nach Speck,
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Darüber schnappt sie denn der Mund der Katze weg:
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So giengs dem Mäusgen auch. Denn da es wolte naschen;
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So suchte mans davor zur Strafe wegzuhaschen.
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Sieht Eva Sehnsuchts-voll den Baum mit Früchten an,
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So glaubt sie, daß man wohl davon geniessen kan;
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So dacht dieß Mäusgen auch. Denn da es Stettnern sahe,
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So gieng ihm dessen Pracht und Schönheit gar zu nahe,
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Es sagte zu sich selbst: da kostet sichs wohl gut!
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Hier labt sich Aug und Geist, Mund, Seele, Fleisch und Blut.
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Es sehnte sich darauf gar bald nach Mannes-Fleisch,
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Und sprach, seyd Nonnen seyd nur immer vor mich keusch;
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Ich werde warlich mich der Vesta nicht ergeben.
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Wohlan! es soll mein Kranz bey Mannes-Hosen schweben!
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Wenn Bellemine auch deswegen traurig ist,
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Daß Rosemundens Mund sie ferner nicht mehr küßt;
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So wird ihr dieß zum Trost und starken Labsal dienen,
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Die Freundschaft kan entfernt in vorgem Werth doch grünen.
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Die wahre Freundschaft trennt kein Ort, kein Weg, kein Land,
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Viel minder scheidet sie ein süsses Ehe-Band.
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Drum können Beyde auch aus ihren zarten Händen,
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Einander manches Blat von treuer Freundschaft senden.
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Nicht Belleminen, nein, dem Stettner zum Behuf
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Der Herr der Creatur die Rosemunde schuf;
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Dem ist Sie warlich mehr als Belleminen nütze!
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Wer jung und munter ist, und Liebe, Glut und Hitze
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Wie unsre schöne Braut in Brust und Blut empfindt,
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Der Liebe auch wie Sie ein angenehmes Kind.
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Was soll die holde Braut bey Belleminen bleiben?
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Hier kan sie nicht den Stand, den Gott geboten, treiben;
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Bey
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Seyd fruchtbar, mehret Euch, und füllet diese Welt!
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So viel Ergötzlichkeit auch
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Und in Vergnügen lebt; so stark sie sich bemühet,
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Der Belleminen Herz zu gleichen Liebes-Band
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Zu bringen; O so haßt sie doch den Ehe-Stand;
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Und schätzt die Freyheit hoch: Sie will durchaus von Küssen,
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Von Lieb und Gegen-Lieb und Freyen gar nichts wissen.
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Denn sie hat an der Braut gemerket und gesehn,
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Wie die Verliebten nur in starker Unruh stehn.
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Die Liebe peinget sie, und foltert ihre Herzen,
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Und setzet sie in Angst, und Sorgen, Furcht und Schmerzen.
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Wenn auf der Liebes-Post ein Brief aus Pohlen kam.
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Und seine Zuflucht nur zu Rosemunden nahm:
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Was hat sie nicht darbey erstaunend wahrgenommen!
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War einer aus dem Reich und Francken angekommen,
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Da nahm sie wiederum viel Abentheuer wahr;
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Bald wurde sie entzückt, bald schiens, als wolt sie gar
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Vor Ohnmacht aus der Welt ins ewge Leben gehen,
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Bald sahe sie sie bleich, bald roth vor Augen stehen.
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Sie aß und trank fast nicht, und zehrte sich ganz ab,
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Nur blos des
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Und darum hütet sich die schlaue Bellemine,
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Daß sie, wie jene nicht, der Göttin Venus diene.

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Das dich der Himmel heut mit Jauchzen feyren läßt,
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Will deine Freundin dich mit einem Wunsch beehren:
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Der Himmel wolle dir dein Glück nach Wunsch vermehren!
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Sey an Vergnügen reich; an Kummer aber klein!
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Und schließ nebst

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Sidonia Hedwig Zäunemann
(17111740)

* 15.01.1711 in Erfurt, † 11.12.1740 in Plaue

weiblich

deutsche Dichterin

(Aus: Wikidata.org)

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