Auf die G. und F. Hochzeit

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Sidonia Hedwig Zäunemann: Auf die G. und F. Hochzeit (1727)

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Die Witwer kamen insgesamt
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Von alt- und jung- und Mittel-Jahren,
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Von Glut und Liebe angeflammt,
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Um sich zum andernmahl zu paaren.
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Sie brachten viele Fragen für:
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Wie doch die herzliche Begier,
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Zu ihrem innersten Vergnügen,
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Bald in Erfüllung möchte gehn?
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Auf was vor Art es könt geschehn?
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Wie sie am leichtsten möchten siegen?

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Der eine sprach: Mein Wittwer-Rock
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Ist mir fast Centner-schwer zu tragen:
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Ich wolt mir lieber mit dem Stock
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Vor euren Augen Beulen schlagen.
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Der andre kam, und rufte laut;
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Ach Schmerz! ich muß mein Sauer-Kraut
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Und Mittags-Kost allein verzehren.
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Wer schenkt mir ein? Wer trinkt mirs zu?
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Und wer vergnügt mich bey der Ruh?
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Wer suchet mich als Mann zu ehren?

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Der dritte seufzte tief, und sprach:
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Wer pfleget meiner armen Kinder?
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Wer geht mit Fleiß der Wirthschaft nach?
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Wer sorgt vors Feld, vor Schaf und Rinder?
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Ich armer Mann kan warlich nicht
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Den Schöppen-Stuhl und das Gericht,
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Und auch zugleich das Haus besorgen.
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Wie listig handelt das Gesind,
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Dieweils die Untreu liebgewinnt.
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Hilf Gott! ich muß zuletzt noch borgen.

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Ein andrer brachte kläglich für:
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Die groben Manichäer treten
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Mir alle Tage vor die Thür,
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Und suchen mir was vorzubeten.
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Mein Beutel ist sehr schlecht bestellt.
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O hätt ich doch ein Weib mit Geld!
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Nur diß zerbricht die harten Bande.
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Dieß macht den Witwer recht vergnügt.
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Ach! wer ein reiches Weibchen kriegt,
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Der fürchtet warlich keine Schande.

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Drauf sprach das ganze Witwer-Chor:
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Es blickt in unserm Witwer-Leben,
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So vieles Ungemach hervor,
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Nichts kan uns fest Vergnügen geben.
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Soll nun die Quaal das Ende sehn,
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So müssen wir zum Jungfern gehn,
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Und ihnen unser Elend klagen:
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Und bitten, daß man uns erlöst;
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Vielleicht wird unser Geist getröst,
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Und unser Kummer-Band zerschlagen.

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Ey ja! sprach einer alsobald:
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Die Jungfern sind mir gar die rechten,
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Wenn man bey sie vom Freyen lallt,
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Und schreibet sich zu ihren Knechten;
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So lachen sie uns höhnisch an,
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Und sagen, was will der Galan?
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Die Frau ist kaum vor wenig Wochen,
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Dem Sand der Erden anvertraut.
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Er scheint mir wohl die rechte Haut!
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Das Nein wird hurtig ausgesprochen.

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Ein andrer sagte: Freylich sind
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Die Jungfern aus der Art geschlagen:
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Wie manche ist vom Hochmuth blind,
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Und schämt sich warlich nicht zu sagen:
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Ich wehle einen Cavalier,
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Und einen tapfern Officir,
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Und zwar nicht von geringen Range.
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Die andre spricht, der mich will freyn,
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Muß ein galanter Hofrath/ Doctor seyn,
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Dieweil ich keinen sonst verlange.

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Die ist mit einem M vergnügt;
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Die will sich einen Priester wehlen;
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Die, ob sie sich gleich oft betrügt,
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Will in der Handlung Thaler zehlen;
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Die sieht auf Schönheit und Gestalt;
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Die blickt auf Herrschaft und Gewalt,
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Damit sie kan das Scepter tragen;
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Die spricht mein Herz wird dem verpfändt,
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Der mir ein schönes Compliment,
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Voll Zärtlichkeit weiß vorzusagen.

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Ein andrer hub mit Seufzen an:
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Das Geld hat vieler Herz bethöret,
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Wie manche blendet dieser Wahn,
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Sie spricht, wenn sie von Reichthum höret:
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O! ist ein Mann schon schlimm und dum,
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Und geht von hohen Alter krum;
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Hat er nur Geld und keine Erben;
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So darf er nur getrost und kühn,
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Um meine Liebe sich bemühn,
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Und bey den Eltern um mich werben.

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Drauf fiel ihm einer in das Wort,
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Und sprach mit ängstlichen Geberden:
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Die Witwer gehn mit Thränen fort,
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Weil sie mit nein begrüsset werden.
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Die Jungfer sagt: Ein Jüngling ist,
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Der mich vor einen Witwer küßt.
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Man stöset sich an meinen Seegen,
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Mit dem mein Ehstands-Garten prangt:
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Den ich in keuscher Lieb erlangt.
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Heist das nicht sündlich und verwegen?

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Worauf ein junger Wittwer sprach:
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Ja wohl, ist dieß der Jungfern Mode!
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Jedoch ich geh der Hofnung nach,
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Drum sing ich keine Trauer-Ode.
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Ich will doch meiner Witwers Pein
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In kurzer Zeit erledigt seyn:
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Ich will zur Jungfer Frommern eilen.
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Dieß fromme Kind ist mir geneigt,
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Und thut, was selbst der Name zeigt,
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Sie wird mir meine Wunden heilen.

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Ich weis fürwahr nicht, wies geschah,
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Daß ihn dieß Jungferbild belauschet.
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Sie trat hervor, und sagte: Ja
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Mein Herze mit dir vertauschet.
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Geliebter Witwer, nimm es hin.
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Ich will mit höchst vergnügtem Sinn,
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Dir deinen Witwer-Stock zerschmeisen;
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Du aber wirst mir auch dafür,
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Nach Oefnung unsrer Kammer-Thür,
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Den Jungfer-Kranz in Stücken reisen.

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Ich such mir einen Witwer aus:
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Denn Witwer haben viel erfahren.
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Sie haben schon ihr eigen Haus,
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Und die darzu gehörge Waaren.
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Topf, Schüssel, Wiege, Fleisch und Brod
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Erwarten schon der Braut Gebot:
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Man darf auch nicht vor Wäsche sorgen.
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Die lieben Kinder freuen sich,
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Und lieben uns ganz inniglich,
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Und sagen Mutter guten Morgen;

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Hingegen wenn ein Jungferbild
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Sich einen Jüngling auserwehlet,
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Die wird mit mancher Noth erfüllt,
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Dieweils an allen Orten fehlet.
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Ein Dutzend Bücher und ein Rock,
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Ein Schreub-Zeug und Peruquen-Stock,
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Und eine ausgerauchte Pfeife
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Trift man in ihrer Wohnung an.
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Drum hab ich recht und wohl gethan,
140
Daß ich nach einen Witwer greife.

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Drauf sprach die ganze Witwer-Schaar:
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Dein Witwer-Leid ist nun verschwunden;
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Jetzt zeigen sich dir offenbar,
144
Die mit dem Glück verknüpfte Stunden.
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Wir sind betrübt; Du bist vergnügt,
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Und hast zu deinem Wohl gesiegt.
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Wir aber freuen uns darüber:
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Und wünschen dir zur neuen Eh,
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Den Seegen von der Himmels-Höh.
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Dich hat das Glück vor andern lieber.

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Erfreuter Witwer! da du mir
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Dein Glück und neuerkohrnes Lieben
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Durch Feder, Dinte und Papir
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Bekant gemacht und zugeschrieben;
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So schreib ich dir vergnügt zurück:
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Ich wünsche dir viel tausend Glück
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Zu deinen zweyten Hochzeit-Fest!
158
Das Glück geh bey dir ein und aus,
159
Dein Haus sey Obed-Edoms Haus.
160
Gott segne dich aufs allerbeste.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Sidonia Hedwig Zäunemann
(17111740)

* 15.01.1711 in Erfurt, † 11.12.1740 in Plaue

weiblich

deutsche Dichterin

(Aus: Wikidata.org)

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