Auf eben dieses Begräbniß

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Sidonia Hedwig Zäunemann: Auf eben dieses Begräbniß (1727)

1
Kein Wort, kein Donnerknall ist so durchdringend stark;
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Nichts ist so fürchterlich, und fährt durch Bein und Mark
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Als da die höchste Macht im Paradieß gesprochen:
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Dieweil ihr meinen Wort nicht eifrig nachgelebt,
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Und meinem heilgen Sinn so gröblich wiederstrebt,
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So wird auch euer Bau des Leibes einst zerbrochen.
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O Schmerz, daß Leib und Seel so plötzlich scheiden muß!
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Ach! daß ihr festes Band nach kurzer Zeit auf Erden,
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Durch diesen Allmachts-Spruch und allzu festen Schluß
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Ohn Ansehn der Person muß so zerissen werden!

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Der Tod schießt seinen Pfeil auf grosse Fürsten loß,
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Und wäre ihre Macht und Herrschaft noch so groß,
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So kan doch seiner Faust kein einger wiederstreben.
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Ein Reicher, der durchs Geld fast alles zwingen kan,
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Wird doch o herber Schmerz! des Todes Unterthan,
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Und muß ihm seinen Pracht auf ewig übergeben.
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Es wird der Adelstand auch nicht von ihm verschont,
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Gleichwie die Ritterschaft, die Stahl und Feind besieget,
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Und unter Schweiß und Blut die Bosheit abgelohnt,
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Auch vor der Todes-Hand und ihren Schlag erlieget.

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Daß Helden sterblich sind, ist klar und ausgemacht.
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Allein man hat gar oft die Frage vorgebracht:
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Wo doch ein kühner Held, am glücklichsten verstirbet?
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Ob es die Wahlstadt sey; ob er in ofnen Feld,
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Wo Blut aus Wunden rinnt, wo Lager und Gezelt
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Der Pulver Dampf durchzieht, ein süsses Glück erwirbet?
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Wie? oder ob er nicht in Ruhe, ohne Schweiß
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Und Pulver, Schwerd und Blut, auf einem weichen Bette
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In seiner Freunde Arm von größren Glücke weiß?
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Und einen schönern Ruhm, dadurch zu hoffen hätte?

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Gustav Adolph der Löw und Held von Mitternacht
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Hat diese hochgerühmt und sehr beglückt gemacht,
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Die mit beherztem Muth auf Feld und Rasen sterben.
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Die unter Blitz und Knall, durch Schuß und Hieb und Stahl
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Getrost von hinnen gehn, und dieses Jammerthal
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Die Ruh in jener Welt nach ihrem Kampf ererben.
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Es ist ein grosser Ruhm vor Gottes heilge Ehr;
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Und vor das Vaterland und vor des Fürsten Leben
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Und Wohlfahrt, Muth und Blut, und was dergleichen mehr,
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Im Feld und in der Schlacht großmüthig hinzugeben.

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Wie rühmlich läßt es nicht, wenn ein beherzter Held
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Mit ausgestrecktem Arm ganz blutig niederfällt,
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Und röchlend auf dem Schoß der nassen Erde lieget.
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Legt nicht die Tapferkeit ein rühmlich Zeugniß ab,
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Wenn, ihr beherzter Sohn im Feld ein rothes Grab
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Auch mitten in dem Streit von seinem Feinde krieget.
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Die Wahlstatt, so von Blut als wie von Ehre raucht,
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Kan eine Helden-Brust nicht anders als ergötzen.
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(hier wird das Sterbe-Kleid in Purpur eingetaucht.)
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Und ist dem Schau-Gerüst der Fürsten gleich zu schätzen.

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Ob gleich das Ehren-Bett die blutge Wahlstatt heist,
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So wird das Kranken-Bett nichts minder hoch gepreist,
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Und kan allhier ein Held beglückt die Welt verlassen.
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Hier macht er sich mit Gott zu seiner Gruft bereit,
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Bestellt ganz klug sein Haus, und lernt die Eitelkeit
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Und jene reine Welt in die Gedanken fassen,
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Er giebt den Seinigen wie Jacob dort die Hand,
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Und kan sie kräftiglich ermahnen, warnen, lehren.
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Er nimmt in stiller Ruh des Glaubens Unterpfand.
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Wer wolte nicht den Tod dergleichen Helden ehren?

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So sehr nun dieses Wort die Wahrheit in sich schließt,
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So schmerzlich mir es doch jetzt zu vernehmen ist,
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Dieweil mein liebster Freund den Satz durch sich beweiset.
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Hier bricht mir fast das Herz, die Zunge wird mir schwach!
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Und aus den Augen rinnt ein heiser Thrähnen Bach.
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Ach! daß des Todes Hand dich gänzlich von mir reiset!
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Ich habe dich wie mich und meine Seel geliebt.
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Herr Schwager! du bist stets mein Jonathan gewesen.
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Drum macht mich auch dein Tod bis in den Tod betrübt,
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Man kan an mir den Schmerz aus Aug und Mienen lesen.

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Ich weiß fast nicht wo ich vor Schmerz und Wehmuth bin;
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Richt ich mein nasses Aug zu meiner Schwester hin,
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So seh ich sie halb todt bey deinem Grabe liegen,
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Die Freunde hat dein Tod zu hart, zu schwer gebeugt,
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Dein Herzog, so sein Herz dir gnädig zugeneigt
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Wünscht, wenn es möglich wär, dich auf das neu zu kriegen.
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Die Ritterschaft beweint und netzt dein frühes Grab,
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Dein Bischoffroda klagt mit ängstlichen Geberden,
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Die Eltern seufzen scharf um ihres Alters Stab,
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Und können fast durch nichts getröst, gestärket werden.

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Dein Tod erschreckt mich zwar. Doch tröstet mich, daß du
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Als ein beherzter Held, durch Streiten, doch in Ruh
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Auf deinem Kranken-Bett, so ritterlich gesieget.
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Du hast nach Helden Art gefochten und gekämpft,
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Sünd, Teufel, Höll und Tod mit deinem Gott gedämpft,
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So, daß sich ihre Macht vor deinen Glauben schmieget.
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Drum muß dein Sterbe-Bett berühmt und glücklich seyn,
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Die Wahlstatt war allhier mit viel Triumpf begleitet,
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Du schliesst hier rühmlicher als auf der Wahlstatt ein.
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Glückselig ist der Held, der so wie Kreutzburg streitet.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Sidonia Hedwig Zäunemann
(17111740)

* 15.01.1711 in Erfurt, † 11.12.1740 in Plaue

weiblich

deutsche Dichterin

(Aus: Wikidata.org)

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