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Ich fand ihn klar und stolz, und schnell und fruchtbar fliesen;
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Mein Auge labte sich an den beblümten Wiesen.
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Berg, Felder, Wald und Thal, und was man sonst erblickt,
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Bewieß des Schöpfers Macht; Mein Geist ward ganz entzückt.
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Dort sah ich eine Stadt, die mich so hoch ergötzte,
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Daß ich sie noch weit mehr als jenes Tyro schätzte.
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Ich stellte mir darbey der Stadt Carthago Flor,
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Ihr Ansehn, Hoheit, Pracht, Gewalt und Reichthum vor.
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Was ward ich da vor Schmuck und Kostbarkeiten inne!
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Ihr Ansehn blendete auf einmahl Aug und Sinne.
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Jedoch ein Trauer Klang nahm mich fast plötzlich ein.
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Ich hörte durch die Stadt fast alle Seelen schreyn.
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Die Priester weineten und schlugen in die Hände,
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Und riefen, unsre Lust und Freude hat ein Ende.
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Dort gieng die Priesterschaft die nur Minerven dient,
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Sie klagte, unser Glück hat nunmehr ausgegrünt.
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Ja, wen mein Auge traf, der ließ auch Thränen fliessen,
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Es schien, als wolten sie die Wangen übergiessen.
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Ich stund als wie bestürzt; doch schritt ich allgemach,
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Dem starken Klag-Geschrey der Hochbetrübten nach;
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Ich gieng, bis mich mein Fuß zu einem Orte führte,
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Der mich, ich weiß nicht wie, beym ersten Anblick rührte.
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Es schien mir dieser Ort den schönsten Tempeln gleich,
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Er war auch ringsherum an Ehren-Mälern reich.
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Ich fragte: wem dieß Haus allhier zu eigen stände?
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So hieß es; daß man da den Ehren-Tempel fände.
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Es schien der Tempel schwarz und voller Dunkelheit,
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Ein jeder trug daselbst ein schwarzes Trauer-Kleid.
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Die Mitte war geziert mit einer
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Noch, der Gewonheit nach, mit Lichtern, ausgeschmücket;
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Allein, ich hatte kaum das Antlitz angeblicket;
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So wars, als ob ein Glanz; selbst von der
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Der alle Dunkelheit aus diesem Tempel nähm.
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Ich kont ihr Angesicht kaum vor den Thränen sehen,
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Die sie benetzeten. Hier sah ich offenbar,
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Und sprach, was vor ein Schmerz ist meiner Seel bewust!
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Flieht aus der Sterblichkeit, und lieget auf der Bahre.
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Was hundert anderen von mir ein Rätzel hieß,
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Das ward von Ihm gelöst. Was ich besaß, das ließ
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Sein Fleiß der klugen Welt mit vielem Beyfall hören.
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Er wuste meinen Ruhm und Wachsthum zu vermehren.
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Ihr Musen-Söhne kommt! beklagt was ihr verlohren!
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So leicht wird keiner euch, wie dieser war, gebohren.
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Kaum hielt sie klagend ein, so hub
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Was hab ich, Atropos dir zum Verdruß gethan,
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Daß du mir meinen Freund aus meinem Schooß entzogen?
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Der Welt entrissen wird. Was nur zu aller Zeit
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Die Weisheit in sich faßt; was die Gelehrsamkeit
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Und Klugheit in sich schließt, das war Ihm eigen worden,
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Sein Ruf ging durch die Welt, durch Süd, West, Ost u. Norden.
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Sein Geist war unermüdt. Was Rom und Griechenland
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Gewust, gethan, gelehrt, das war Ihm wohl bekannt.
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Der Sprachen Wissenschaft, die grosse Zahl der Schriften,
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Kan mir und Ihm zugleich ein ewges Denkmal stiften.
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Es kunte wohl sein Mund ein ander Delphos seyn.
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Die Welt büßt jetzt durch Ihn ein grosses Kleinod ein.
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Und rief, wer tröstet mich, da ich verlassen stehe?
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Der, welcher mich gestützt; der, so mich hoch geacht,
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Schließt nun die Bücher zu, und giebt mir gute Nacht.
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Wie manches schönes Werk der Weisen dieser Erden,
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Wird der Vergessenheit anjetzt zur Beute werden?
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Die Tugend, die jetzt lebt traf auch zu jeder Zeit
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Den Herold an Ihm an. Was hab ich nicht vor Freud
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An seinem Kiel gehabt! wer stellt mein Herz zufrieden,
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Ihr Schmuck, und Augen-Lust, und ihres Hauptes Kron
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Von hier gewichen sey. Sie rührte mit der Hand
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Wie die Gelehrsamkeit sehr oft die Tugend scheuet,
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Der irrenden Vernunft den besten Weyhrauch streuet.
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Gab keine Hinderniß, daß er nicht seine Knie
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Mit Andacht niederwarf. Kein heuchlerisches Wesen,
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Nur reine Gottesfurcht hatt Er sich auserlesen.
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Nach diesem hörte man, wie eine jede sprach:
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Drum soll sein Cörper auch zum traurigen Vergnügen,
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Zu einem bangen Trost in meinen Armen liegen.
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Es wolte fast ein Streit bey diesem Chor entstehn,
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Indem erblickte man ein
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Dieß Weib war voller Glanz, voll Klarheit und voll Schöne,
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Aus ihrem Munde gieng ein angenehm Gethöne:
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Sie sprach: Ihr Werthesten! was ist das vor ein Streit?
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Auf das verbindlichste und zärtlichste ergeben:
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Drum seyd damit vergnügt. Er hat euch gnug gethan,
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Sein Leichnam gehet euch hinführo nichts mehr an.
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Die Mutter, die Ihn gab, soll ihn auch wieder haben,
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Wohlan! Er werde hier mit vielem Ruhm begraben.
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Hier findt' Er seine Ruh.
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Zu mir, und in mein Reich, und zu dem höchsten Thron
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Mit Jauchzen angelangt? Ihn hat Eliä Wagen
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Zum Schooß des Abrahä auf ewig hingetragen.
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Drauf sah ich, wie die
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Und sie mit allem Fleiß von ihrer Bahre nahm,
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Sie senkte sie gleich ein. Auf einmahl riefen alle:
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Einst die Posaune thönt, so laß die Grabes-Thür,
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Und geh aus dieser Gruft verklärt und schön herfür.
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Daß es die Nachwelt auch in ihrem Tempel sähe.