Trauer-Ode auf das Absterben

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Sidonia Hedwig Zäunemann: Trauer-Ode auf das Absterben (1727)

1
EuGEN ist todt! was hört mein Ohr?
2
Wie? sucht mich Fama zu betrügen?
3
EuGEN, der keine Schlacht verlohr,
4
Soll durch Morbonens Faust so plötzlich unterliegen?
5
O eitler Ruf! o falsch Geschrey!
6
Wodurch in Ost, Süd, West und Norden
7
Die Welt so oft getäuschet worden;
8
Ich glaube nimmermehr, daß dieses möglich sey?
9
Das Schicksal läst es nicht geschehen;
10
So bald darf Unser Held noch nicht von hinnen gehen.

11
EuGEN ist todt! ja! ja! sein Sarg
12
Kömmt mir von weiten ins Gesichte.
13
Die Uberzeugung ist zu stark;
14
Nun seh, nun merk ich wohl, es ist kein blos Gedichte.
15
Sein Geist schwebt in der Ewigkeit,
16
Und hat den Erden-Kreiß verlassen.
17
Man klaget jetzt auf unsern Gassen:
18
Dort liegt der tapfre Fürst; der gröste Held im Streit!
19
Der klügste Feld-Herr unter allen
20
Ist, welch ein Schreckens-Wort! entseelt, erblaßt, gefallen!

21
Wer weiß, ob auch ein Donner-Strahl,
22
Der öfters Mensch und Vieh erschrecket,
23
So bittres Leid, so grosse Quaal,
24
Als diese Trauer-Post in mancher Brust erwecket?
25
Auch CARL wird von dem Fall gerührt,
26
Und sucht den Kummer anzudeuten;
27
Bey allen Helden unsrer Zeiten
28
Wird nichts als Traurigkeit und herber Schmerz verspührt.
29
Europa wird dadurch erschüttert;
30
EuGENENS schneller Tod macht, daß es bebt und zittert.

31
Nicht nur die Größten dieser Welt
32
Betrauren Ihn mit scharfen Klagen;
33
Sie sinds nicht blos, die um den Held,
34
Und diesen
35
Auch die, so schlechter Staub bedeckt;
36
Die allerniedrigsten im Reiche
37
Beweinen diese Fürsten-Leiche;
38
Ihr Herz wird von dem Riß aufs heftigste erschreckt.
39
Die, welche Seine Thaten wissen,
40
Hat Sein geschwinder Tod in Ohnmacht hingerissen.

41
Ich weiß, wie mich Sein Fall betäubt;
42
Ich weine, wenn ich dran gedenke.
43
O Schmerz! der mich zum Seufzen treibt,
44
So oft ich mich im Geist zu Seiner Bahre lenke.
45
EuGEN, der meiner Niedrigkeit
46
So viele Gnad und Huld erwiesen;
47
EuGEN, der meinen Fleiß gepriesen,
48
Setzt jetzo meine Brust in ungemeines Leid.
49
O soll ich Deinen Tod besingen!
50
O darf ich Dir nicht mehr ein Freuden-Opfer bringe!

51
Die Ehrfurcht, so mein Dichter-Rohr
52
Bey jener holden Zeit geführet,
53
Stellt mir auch jetzt die Pflichten vor,
54
Da Oesterreich an Dir ein
55
Ich werde,
56
So lange mich die Musen lieben,
57
Mein Spiel in Deinem Ruhme üben,
58
Ob mancher Midas gleich ein höhnisch Urtheil fällt.
59
Die Thorheit soll mir nicht verwehren,
60
Dich,

61
O dürft ich nur zu dieser Zeit
62
Kein Laub auf Deine Bahre streuen,
63
Und Dir in banger Traurigkeit
64
Vor einen Lorbeer-Strauß Cypressen-Sträuche weyhen!
65
Ihr Musen! wenn euch nicht EUGEN
66
Die Fähigkeit, wie mir, geraubet;
67
Wenn euch der harte Schmerz erlaubet,
68
So führt mir jetzt den Kiel, Sein Grabmaal zu erhöhn.
69
Ich bin zu schwach bey so viel Grämen
70
Die Feder ohne Furcht in meine Hand zu nehmen.

71
Daß ich dich in der Gruft verstöhre,
72
Und mich zu Deines Grabes Thür
73
Mit meinem heischern Rohr u. matten Sayten kehre.
74
Du läßt es,
75
Ich weiß, Du wirst es mir vergeben;
76
Du hast ja sonst in Deinem Leben
77
Mein schwaches Lauten-Spiel so gnädig angesehn:
78
Du wirst auf mein geringes Dichten,
79
Auch aus dem Grabe noch ein holdes Auge richten.

80
Ich kan Dich, Herr! nach Würdigkeit
81
Und nach Verdienst zwar nicht besingen,
82
Noch Deiner Thaten Seltenheit,
83
Noch Deine Tugenden in meine Reime zwingen.
84
Es stehet nicht in meiner Kraft
85
Von einem so beherzten Helden
86
Auch nur das wenigste zu melden;
87
Ich lalle blos etwas von Deiner Eigenschaft.
88
Der größte Dichter müßte schweigen,
89
Wofern er willens wär, von Deinem Ruhm zu zeugen.

90
Dieß ist kein Werk vor einen Mann;
91
Ein einzig Jahr von Deinem Leben;
92
Nur eine That, die Du gethan,
93
Kan dem, der sie beschreibt, gnug Stoff und Nachdruck geben.
94
Hat nun ein Dichter fast allein
95
Von einem Jahre gnug zu sagen,
96
Wer will sich an die andern wagen?
97
Hier muß gewiß ein Chor von drey und siebnzig seyn.
98
Die Thaten sind nicht zu ergründen,
99
Wo wird man wohl bey uns so viele Dichter finden?

100
Der Vorzug, den die Allmachts-Hand
101
Den Fürsten in der Welt geschenket,
102
Ist groß, so fern man ihren Stand,
103
Ihr Ansehn, Ehr und Ruhm u. hohe Macht bedenket.
104
Sie sind beglückt: Der Tod allein,
105
Der auch in güldnen Häusern wohnet,
106
Und keines Purpurs Glanz verschonet,
107
Zeigt, daß sie ebenfalls, wie andre sterblich seyn.
108
Kein Ansehn kan den Tod besiegen;
109
Ein Crösus muß so wohl als Irus unterliegen.

110
O! wenn des Himmels Gütigkeit
111
Nur dies dem Tod gebiethen wolte,
112
Daß er der Helden Lebens-Zeit
113
Nicht so geschwind, so früh, so bald verkürzen solte!
114
O gieng doch ihrer Jahre Lauf
115
So weit, als in den ersten Tagen,
116
Wovon uns die Geschichte sagen;
117
O stieg ihr Alter nur auf mehr als hundert nauf!
118
So wär noch jetzt EUGEN auf Erden,
119
Und könte wie vor dem die Lust besungen werden.

120
Der Donner brüllt und raßt vielmehr
121
Auf hohen Bergen als in Gründen.
122
Sein blitzend Feuer pflegt weit eh'r
123
Der Eichen stolzes Haupt als Hecken zu entzünden.
124
So macht es auch der Parcen Hand;
125
Sie tödtet Könige und Kayser,
126
Verheert die allergrößten Häuser,
127
Und scheut am wenigsten den hohen Fürsten-Stand.
128
Hingegen schont sie schlechter Hütten,
129
Die doch wohl oftermahls um ihre Ankunft bitten.

130
Dort auf dem Deutschen Libanon,
131
Den lauter tapfre Helden zieren,
132
Vernimmt man einen Klage-Thon;
133
Man kan den strengen Schmerz an allen Orten spühren.
134
Warum? die größte Ceder ist
135
Durch Prinz EUGENENS Tod gefallen.
136
O, daß ein solches Donner-Knallen,
137
Den angenehmen Hayn so jämmerlich verwüst!
138
Ihr Cedern! wie wirds euch ergehen!
139
Fällt euer schönster Stamm, wie wolt denn ihr bestehen?

140
Wie, wenn das Auge dieser Welt
141
Sein Licht dem Horizont entziehet,
142
Der Schatten auf die Wiesen fällt,
143
Jemehr der helle Schein von ihrer Gegend fliehet.
144
So wird durch grosser Fürsten Tod
145
Ein Land, das ihre Thaten schätzet,
146
In trübe Finsterniß gesetzet,
147
Weil so ein harter Streich nicht wenig Unglück droht.
148
EuGENENS düstre Gruft und Bogen
149
Hat gleiche Dunkelheit dem Reiche zugezogen.

150
Man hat, Unsterblicher EUGEN!
151
Dich als Philippens Sohn betrachtet;
152
Wer Deinen Löwen-Muth gesehn,
153
Hat Dich weit höher noch als Scanderbeck geachtet.
154
Du bist von Deiner Jugend an
155
Dem Helden-Ruhme nachgegangen:
156
Du hast ihn auch gar bald empfangen,
157
Weil deine Faust weit mehr als Cäsars Arm gethan.
158
Du wustest jeden Feind zu zwingen,
159
Ja alles muste Dir, was Du versucht, gelingen.

160
Dich hat zwar Dein Durchlauchtger Stand,
161
Doch mehr die Tapferkeit erhoben.
162
Wem ist Dein Streiten unbekannt?
163
Wer sucht nicht Deinen Muth und Helden-Geist zu loben?
164
Dein Sebel ward vom Blute warm,
165
Wenn er der Feinde Halß zerbrochen,
166
Die sich vor deinem Zorn verkrochen:
167
Denn wo du hingeriethst, da treñte sich ihr Schwarm:
168
Dein Schwerdt kam stets mit Heyl und Glücke,
169
Mit Beute, Ehr und Ruhm, mit Blut und Sieg zurücke.

170
Auch nur das Losungs-Wort zum Streit
171
Erweckte bey dem Feind ein Lermen.
172
Du suchtest Dich bey rauher Zeit
173
Am feurigen Geschütz und Bomben zu erwärmen.
174
Ein Strom, der sonst wie Silber war,
175
Ward oft zu einem rothen Meere.
176
Wo Du o Held! mit Deinem Heere
177
Dem Feind entgege gienst, da wich die ganze Schaar.
178
An jedem Ort wo Du gestanden,
179
Ist noch von Deinem Ruhm ein Ehrenmaal vorhanden.

180
Dein Auge war ein schneller Blitz,
181
Dein Arm ein Donnerschlag zu nennen.
182
Dies muß noch Achmeths stolzer Sitz,
183
Das freche Monden-Volk zu seinem Schimpf bekennen.
184
Du hast mit Lust, wenn Du gekriegt,
185
Dein tapfres Helden-Blut verspritzet,
186
Und Deinen Purpur-Schweiß verschwitzet,
187
Ward nur der kühne Feind auf solche Art besiegt.
188
Du wustest Dir zu allen Zeiten
189
Den Weg zur Sternenburg durch kämpfen zu bereiten.

190
Doch hast Du nie nach Parther Art
191
Das Blut der Deinigen verschwendet.
192
Du hast Dein Heer wie Dich verwahrt,
193
Und mancherley Gefahr durch Klugheit abgewendet.
194
Die Ehrsucht nahm zu keiner Zeit
195
Die Herrschaft über Dein Gewissen;
196
Dies wird Dein Volk bezeugen müssen,
197
Das Du zum Kampf geführt. O kluge Tapferkeit!
198
Wie mancher, der nach Ruhm getrachtet,
199
Hat öfters ohne Noth viel tausend Mann geschlachtet.

200
Ein kühner Streiter weicht nicht ehr,
201
Bis seine tapfre Faust gesieget,
202
Und, wenn er nicht so glücklich wär,
203
So kämpft er bis er stirbt und auf der Wahlstätt lieget.
204
Dies hat an Dir o Held EUGEN!
205
Die Welt erstaunend wahrgenommen;
206
Du bist fast nie zurücke kommen,
207
Du hättest denn den Fall des Feindes angesehn.
208
Dir müste jeder Streich gelingen,
209
Du kuntest wenigstens den Feind zum Frieden zwingen.

210
An einem Löwen findet man
211
Der Großmuth ächtes Meisterstücke.
212
Schaut ihn sein Gegner sterbend an,
213
So hört die Rache auf; er geht vergnügt zurücke.
214
Durchlauchtger Held! wo hat ein Fürst
215
Mehr Großmuth als wie Du gewiesen?
216
Herr! lag der Feind zu Deinen Füssen,
217
So hast Du weiter nicht nach seinem Fall gedürst.
218
Du warst vergnügt, wenn er sich beugte,
219
Und sich vor Deiner Faust und blutgen Sebel neigte.

220
Des Löwens brüllendes Geschrey
221
Macht, daß ein ganzer Wald erschüttert.
222
Vor Dir o Held! ich rede frey,
223
Ist fast die halbe Welt erschrocken und erzittert.
224
Dein tapfres Ansehn nur allein;
225
Dein Heldenmüthiges Gesichte
226
Schlug oft ein ganzes Heer zu nichte;
227
Dein Name jagte gleich dem Feind ein Schrecken ein.
228
Die Nachwelt wird dies Zeugniß lesen:
229
Du seyst ein Hannibal zu unsrer Zeit gewesen.

230
Dort ließ ein Fürst zu Gibeon
231
Die Sonn im Streite stille stehen,
232
Und in dem Thale Ajalon
233
Den Mond in seinem Lauf nicht weiter abwärts gehen
234
Du kontest auch o Held EUGEN!
235
Der Sonne allzeit Stand gebiethen,
236
Und ihren schnellen Lauf verhüten:
237
Es muste auf Dein Wort das Mond-Licht stille stehn.
238
Du warst ein Weltberühmter Streiter;
239
Dein Wahlspruch stunde fest; es hieß: Nur immer weiter.

240
Du hast bey Deiner grossen Macht,
241
Bey Deinem Muth und hohen Wesen
242
Auch an die Freundlichkeit gedacht
243
Und die Gerechtigkeit zur Führerin erlesen.
244
Ja, Deiner Tugend Seltenheit
245
Bewiese sich in Werk und Worten;
246
Man fürchtete an allen Orten,
247
Und liebte Dich zugleich mit gröster Zärtlichkeit.
248
Kein Mensch ist je mit naßen Wangen,
249
Und mit betrübtem Geist von Deinem Antlitz gangen.

250
Wo denk ich hin? mein ganzer Fleiß
251
Kan deinen Ruhm doch nicht ergründen.
252
So wenig man den Anfang weiß,
253
So wenig kan ich auch desselben Ende finden.
254
Die Sonne würde noch viel ehr
255
Durch ihre zwölf bekannte Zeichen
256
Des rundgewölbten Himmels streichen,
257
Bevor ich Herr! Dein Lob zu schildern fähig wär.
258
Ich muß von deinen Werken schweigen,
259
Und nur mit stillem Geist die tiefste Ehrfurcht zeigen.

260
Die Weisheit kehrt mit ihrem Schein
261
Und mehr als Königlichen Gaben
262
Viel lieber in Palästen ein,
263
Als bey den Niedrigen die blöde Sinne haben.
264
Ein Fürst muß selbst ein Pharus seyn!
265
Ein Herzog muß zu allen Zeiten
266
Sein Volk zum Weg der Tugend leiten,
267
Sonst wird er nimmermehr, sein Land mit Glück erfreun.
268
Die, so zugleich das Ruder führen.
269
Muß gleichfals, wie EUGEN, der Schmuck der Weisheit zieren.

270
Der Löwe schläft; doch wacht er auch,
271
Und hält die Augen schlummernd offen.
272
Dies ist gesalbter Fürsten Brauch;
273
Dies kan man ebenfals von ihrer Weisheit hoffen.
274
Des Reiches Wohlfahrt, Glück und Ruh
275
Hat oft EUGEN den Schlaf entzogen,
276
Und Ihn zur Wachsamkeit bewogen,
277
Sein Auge schlosse sich nicht ohne Sorgen zu.
278
Kein Räzel war so schwer zu finden,
279
EuGEN vermocht es doch durch Klugheit zu ergründen.

280
Ein Staats-Mann überlegt mit Fleiß
281
Was seinem Fürsten Vortheil bringet;
282
Er achtet weder Müh noch Schweiß
283
Wofern ihm nur sein Thun und kluger Rath gelinget.
284
Der Weltberühmte Prinz EUGEN,
285
Ist diesem eifrig nachgekommen;
286
Man hat beständig wahrgenommen,
287
Daß Er nur auf den Flor Germaniens gesehn.
288
Sein Vorsatz war, Sein tapfres Leben,
289
Vor unser höchstes Haupt, den Kayser aufzugeben.

290
Wo hat solch ein gelehrter Held
291
Den Erden-Kreyß, wie Du, geschmücket?
292
Wenn hat wohl je die weite Welt
293
Ein solch
294
Minerva fand Gehör bey Dir;
295
Wenn andre sie vertrieben hatten,
296
So kam ihr Deine Huld zu statten;
297
Sie stellte sich Dein Bild als ihren Schutz-Gott für.
298
Nun aber muß sie trostloß stehen,
299
Und mit betrübtem Geist von Deinem Grabe gehen.

300
EuGEN ist tod! ihr Musen weint!
301
Denn eure Stütze ist gefallen.
302
Kommt, laßt um euren besten Freund
303
Dort auf dem Helicon ein Trauer-Lied erschallen.
304
Beklagt den schönen-Bücher-Saal,
305
Den so viel auserlesne Sachen.
306
Berühmt und fast unschätzbar machen.
307
Bezeugt durch matten Thon des Herzens bange Quaal.
308
EuGENENS Tugend hat verdienet,
309
Daß auch auf eurem Hayn Sein Angedenken grünet.

310
Wenn Salomon den Tempel baut,
311
So wird dadurch sein Ruhm erhoben.
312
Wer Unsers Herzogs Tempel schaut,
313
Muß diesen grossen Prinz und Seine Anstalt loben.
314
Der Garten, den Semiramis
315
Der Welt zum Wunder hinterlassen,
316
Kan kaum so viele Schönheit fassen,
317
Als uns der kluge Held an Seinem Garten wieß.
318
EuGEN ließ wie August in Pohlen,
319
Die Wunder der Natur von weiten Orten hohlen.

320
Der Grosse Kayser kan zwar nun
321
Des Janus offnen Tempel schliessen;
322
Allein, Er kans nicht freudig thun;
323
Die Augen werden Ihm darbey beweglich fliessen.
324
Wie kömmts?
325
Sein größter Staats-Minister fliehet,
326
Indem er sich der Welt entziehet.
327
Dergleichen harter Fall muß Ihm zu Herzen gehn.
328
Hier sieht man, wie das Glücke spielet,
329
Wie oft es bey der Lust zugleich auf Unlust zielet.

330
Das Alterthum war sonst bemüht,
331
Colossen in die Höh zu bauen.
332
O Tapfrer Prinz EUGEN! man sieht
333
Dein Bildniß nicht in Stein; nein in was schönres hauen.
334
Die Herzen werden Dir zur Gruft,
335
In diese wird man Dich versenken:
336
Hier ruht Dein ewig Angedenken:
337
Dies Grabmaal trotzt der Zeit, dem Feuer und der Lust.
338
Was sucht ihr Lampen anzuzünden?
339
Ihr werdet Glanz genug in Seinem Namen finden.

340
Herr! wär Dein Tod in vorger Zeit
341
Und in dem Heydenthum geschehen,
342
Wir würden auch mit Traurigkeit,
343
Vor jener tiefen Gruft nach Art des Orpheus stehen.
344
Wir würden wahrlich nicht mit Flehn
345
Und Klage-Liedern müde werden,
346
Bis wir Dich wieder auf der Erden
347
Gleich der Euridice aufs neue könten sehn.
348
Doch nein! umsonst! ist unser Weinen,
349
EuGEN wird nun nicht mehr auf dieser Welt erscheinen.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Sidonia Hedwig Zäunemann
(17111740)

* 15.01.1711 in Erfurt, † 11.12.1740 in Plaue

weiblich

deutsche Dichterin

(Aus: Wikidata.org)

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