Auf das Absterben Sr. Hochwürdigen Magnificenz Herrn Doctor Jochs, Professoris, Probstens und Consistorial-Assessoris zu Wittenberg

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Sidonia Hedwig Zäunemann: Auf das Absterben Sr. Hochwürdigen Magnificenz Herrn Doctor Jochs, Professoris, Probstens und Consistorial-Assessoris zu Wittenberg (1727)

1
Ach ungerechter Tod! der nur die Menschen plaget;
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Du quälest sie mit Angst, mit Jammer, Weh und Noth;
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Du raubst uns alle Lust; die Freude wird verjaget.
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Ach Schreckens-voller Gast! Ach ungerechter Tod!

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Ist das nicht ungereimt, daß Joch durch dich erblasset,
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Ein solcher
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In der er nicht gelehrt, wie man Gott brünstig fasset,
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Und ihn im Glauben küßt: Ist das nicht ungereimt?

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Ach Schmerz! der fällt dahin, der harte Herzen schreckte,
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Und Sünder niederschlug; doch auch den blöden Sinn,
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Und den betrübten Geist durchs Wort des Trosts erweckte,
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Und ihnen Labsal gab. Ach Schmerz! Der stirbt dahin.

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O ungerechter Tod! der keinen Menschen achtet;
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Er sey gelehrt und fromm, er blühe weis und roth;
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Der nichts nach Schönheit fragt, der keinen Stand betrachtet,
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Der keines Weisen schont; o ungerechter Tod!

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Heist das wohl recht gethan die Priester hinzureisen,
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So uns nach Hirten-Art zu schönen Himmels-Bahn
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Und zur Gerechtigkeit die rechten Wege weisen,
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Und klug und weise sind? Heist das wohl recht gethan.

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Ein Doctor liegt erblaßt und muß sich vor dir schmiegen;
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Der, dessen güldner Mund fast sonder Ruh und Rast
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Nur stets bemühet war die Herzen zu vergnügen,
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Muß jetzo sprachloß seyn. Ein Doctor liegt erblaßt!

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Drum klagt auch Elb-Athen: Ach! daß der
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Der mich gelehrt, genehrt und auf mein Glück gesehn,
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Der mir durch seinen Mund viel Glanz und Ruhm erworben,
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Und mich gestützet hat! drum klagt auch Elb-Athen.

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Viel weisen sind betrübt, weil man ins Grab getragen,
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Den, der sie sonst geehrt; und brüderlich geliebt,
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Sie können nun nicht mehr wie vormahls Bruder! sagen.
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Der grosse Joch ist todt. Viel Weisen sind betrübt.

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Es weint die Geistlichkeit, dieweil ihr Schmuck gesunken,
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Ihr Demant ist hinweg; ihr Gold mit Sand bestreut,
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Drum werden sie vom Leid, als wie vom Weine trunken.
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Es weint bey seinem Tod die ganze Geistlichkeit.

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Sieh, wie der Tempel klagt! darinnen du gelehret,
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Und jedermann getrost und ohne Scheu gesagt,
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Was heilig und gerecht, und was dem Herrn gehöret,
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Ach dein Verlust ist groß! Sieh, wie der Tempel klagt!

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Die Hörer sind bestürzt, dieweil sie nicht mehr hören
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Das Honig süsse Wort, und doch mit Salz gewürzt.
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Sie können dich nicht mehr als ihren Hirten ehren.
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Ach allzuharter Riß! die Hörer sind bestürzt.

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Hört Zion heult und schreyt, daß dieser muß erliegen,
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Der sie genehrt, gepflegt. Sie wußte oft ihr Leid,
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Und ihre Feind' durch Ihn nachdrücklich zubesiegen.
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Sie ward durch Ihn gebaut. Hört! Zion heult und schreyt.

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Das ganze Lutherthum erhebet Klage-Lieder,
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Weil eine Stütze fällt. Joch kämpfte stets mit Ruhm
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Vor Kirche, Lehr und Wort, und vor die Glaubens-Brüder.
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Drum weint bey

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Zwey Töchter, und Gemahl benetzen ihre Wangen,
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Und sagen: Siehst du nicht
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Ach! warum bist du denn so früh von uns gegangen?
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So sehr beklagen dich zwey Töchter und Gemahl.

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Mein Vater Israel! so such ich nachzurufen:
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Wie? eilest du so bald zur schwarzen Grabes-Höhl?
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Man stellet dich zufrüh auf schwarz bedeckte Stufen,
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Gewiß der Schmerz ist groß! mein Vater Israel!

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Doch halt! Was klagt mein Mund, den Tod so zu verdammen?
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Er führt und bringt uns ja zur ewgen Freuden-Stund.
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Der Tod verlöscht und tilgt die starken Sünden-Flammen,
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Und zieht uns zu den Herrn: Drum halt was klagt mein Mund?

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Herr, und gerechter Gott, du kanst den Tod versüssen.
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Der Himmel bringt uns Ruhm, die Welt zeigt Hohn und Spott.
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O wunderschöner Tausch! dort können wir geniessen,
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Der größten Herrlichkeit! Herr, und gerechter Gott!

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Gott ist ein kluger Mann, der alles weis zu machen,
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Wie es ersprießlich ist, und wie es nützen kan.
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Ja selbst der kalte Tod befördert uns ein Lachen.
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Drum kans nicht anders seyn, Gott ist ein kluger Mann

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Gott macht das Sterben gut. Ein jeder wird gestehn:
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Daß nun
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Er kan nun Gott den Herrn in seiner Klarheit sehen,
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Er weis von nichts als Luft: Gott macht sein Sterben gut.

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Er steht vor Gottes Thron und hört die Engel singen,
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Wo alle Seeligen nach überstandnen Hohn
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Und Trübsaal dieser Welt, das Halleluja bringen,
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Er stimmt es auch mit an, und steht vor Gottes Thron.

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Drum klaget nun nicht mehr! Schweigt! höret auf zu weinen!
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Und wünscht Ihm tausend Glück zu dieser Himmels-Ehr;
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Er wird nun als ein Stern von erster Größ erscheinen;
84
Er ist den Englen gleich: Drum klaget nun nicht mehr!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Sidonia Hedwig Zäunemann
(17111740)

* 15.01.1711 in Erfurt, † 11.12.1740 in Plaue

weiblich

deutsche Dichterin

(Aus: Wikidata.org)

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