1
Wie vielmahl bin ich schon den Weg allhier geritten,
2
Und dennoch, Gott sey Lob! ist nie mein Roß geglitten:
3
Mein Pferd ist nie gestürzt, so scharf ich auch gejagt.
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Zwar einmahls machte mich mein Hengst etwas verzagt;
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Allein dein starker Schutz ließ mich nicht in den Hecken,
6
Vielwenger in Gefahr verzagen oder stecken.
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Du Höchster! warst mein Schirm, dein Engel brachte mich
8
Gesund und wohl nach Haus; und darum preis ich dich.
9
Wenn mich ein Regen-Guß den ganzen Weg geführet,
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Daß ich kein trocknes Fleck an Kleid und Leib verspühret;
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Wenn mich der Sturm gedreht, so hab ich doch gelacht;
12
Es hat mir nichts geschadt. Wenn mich die finstre Nacht,
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Da kaum vor Dunkelheit die Pfützen zu erblicken,
14
Mich über Stock und Stein und über schmahle Brücken
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Und Berge hingeführt, nahm ich doch nie Gefahr,
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Noch Schrecken, oder Furcht, noch Widrigkeiten wahr.
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Der finstre Tannen-Wald hat mich gar nicht erschrecket,
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Vielmehr sein sanft Geräusch die größte Lust erwecket.
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Versuchts, es reiset sich des Nachts in Wäldern schön;
20
Ich habs erst nicht geglaubt; nun hab ich es gesehn.
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Das sonst berufne Fleck läßt mir auch keinen Grauen
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Noch Zittern und Gefahr wie etwa andern schauen.
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Wenn Blitz und Donner-Knall den Tannen-Wald erfüllt,
24
Und in denselbigen gesaufet und gebrüllt:
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Hat man mich vor der Fluth und Donner warnen wollen,
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So hab ichs nicht geacht. Denn die Gerechten sollen
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In Unglück und Gefahr und in der Todes-Pein,
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Doch allezeit beherzt und frischen Geistes seyn.
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Bey Tage und bey Nacht, zu Hause und in Gründen,
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Kan mich die Hand des Herrn stets treffen oder finden:
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Drum fürcht ich mich vor nichts. Du mein Immanuel!
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Du führst mich stets; durch wen? durch deinen Raphael.
33
Gott Lob! der führt mich auch an diesem heilgen Tage,
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Und schützet mich gewiß vor aller Noth und Plage.
35
Das grosse Sonnen-Licht wirft seine Strahlen aus,
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Und wärmt und baut dadurch das grosse Erden-Haus.
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Die Luft ist aufgeklärt, die Wolken sind ganz dünne,
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Ganz lichte, hell und klar. Was werd ich weiter inne?
39
Ein angenehmer Wind bewegt und regt die Saat;
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Er rauscht so sanft und still bey manchem Espen-Blat
41
Und dicken Baum vorbey; er dämpft die Sonnen-Hitze,
42
Daß man auf grünen Gras im Schatten ruhig sitze.
43
Hier ist ein grüner Zaun; hier ist ein dicker Baum,
44
Allwo ein Wandersmann in süssen Schlaf und Traum
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Zu seiner Lust verfällt und wenn er aufgestanden,
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So ist auch neue Kraft zur Wanderschaft vorhanden.
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So weislich richtest du, o Schöpfer! alles ein,
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Ich seh wohin ich will, es muß uns dienlich seyn.
49
Kein Blümgen ist so schlecht, kein Kraut ist so geringe,
50
Das uns nicht Stärk und Kraft und guten Nutzen bringe.
51
Heb deine Augen auf, und schaue in das Feld!
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Was hat dir nicht der Herr vor Seegen dargestellt?
53
Die Saat ist lang und schön, wie dicke stehn die Aehren,
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Wodurch dir Gott dein Brod aus Gnaden will bescheren.
55
So sorgt der Herr vor mich und andre Menschen noch.
56
Er wendet gnädiglich das schwere Hungers-Joch.
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Hier segnet Gott den Fluß, der muß zu unsern Leben,
58
Und Labsal manchen Fisch uns in die Hände geben.
59
Der Weinstock weißt mich auch auf Gottes Mildigkeit,
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Wenn er durch seinen Saft uns künftighin erfreut.
61
Die Bäume auf dem Feld die stellen uns die Früchte
62
Zu unserm Wohlergehn schon zeitig vors Gesichte.
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Gemüße, Kraut und Kohl, was Feld und Garten trägt,
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Hat, Vater! deine Huld vor Augen uns gelegt.
65
Gesegnet ist das Feld, die Wiesen sind geschmücket,
66
Worauf der Hirt sein Vieh aufs lieblichste erquicket.
67
Die Hirten treiben hier die Lämmer, Schwein und Küh,
68
Auf das geschmückte Feld. Das fromme Wollen-Vieh
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Findt zu der Schäfer Lust und der Besitzer Freude,
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In dieser Seegens-Flur die allerschönste Weyde.
71
Hier lockt ein klarer Bach das matte Vieh herbey,
72
Und auch den Wandersmann macht er vom Durste frey
73
Hier springt ein muntres Reh aus Sträuchen und Gebüsche,
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Daß es sich in dem Feld bey einem Fluß erfrische.
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Wie lieblich singen hier die Vögel in der Luft?
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Sie loben Gott, und weil ihr Mund um Futter ruft,
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So giebt ers ihnen auch, daß sie nicht Hungers sterben.
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Schaut Gottes Liebe an! Er läßt sie nicht verderben.
79
Gedächte doch der Mensch in seiner Noth und Pein
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An Gottes Mildigkeit. Wie könt es möglich seyn,
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Daß er den Menschen nicht auch Brod und Nahrung gäbe?
82
Wenn ich mein Angesicht nach jener Heerd erhebe,
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So seh ich, wie der Herr das kleinste Vieh bekleidt.
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O! solte mich der Herr in meiner Lebens-Zeit
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Nicht auch wie dieses Thier bedecken und bekleiden?
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Den Zweifel kan fürwahr des Herren Ohr nicht leiden!
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Bedenke dieses wohl, du hart beklemmter Christ,
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Wie hoch du jederzeit vor Gott geschätzet bist.
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Wenn Vögel und Gewürm, so gar die jungen Raben,
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Schutz, Kleidung, Speiß und Trank von Gott dem Vater haben,
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So wirst du wahrlich auch von ihm versorget seyn.
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Er schließt dich in sein Herz weit mehr als diese ein.
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Die heist er sein Geschöpf, dich nennt er seinen Erben
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Und Kind; wie könt es seyn, daß er dich ließ verderben?
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Wie lieblich, süß und schön riecht doch der Wiesen-Schmuck.
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Wohin ich mich nur dreh, da find ich Stof genug,
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Mich an der Wunder-Hand des Schöpfers zu ergötzen,
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Und seine Huld und Macht ins Herze fest zu setzen.
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Bey dem, was ich jetzt seh, stell ich vor andern mir
100
Das erste Paradieß den schönsten Garten für.
101
O angenehme Lust! die ich wohl ohne Sünde
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In diesem offnen Feld in meinem Geist empfinde.
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O! wie vergnügt bin ich, wenn sich in Einsamkeit
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Und in dem stillen Feld mein Angesicht erfreut.
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Hier singt und bett sichs schön; hier läßt sichs gut studiren;
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Die Feld-Lust kan mein Herz aufs angenehmste rühren.
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Wenn ich in Feld und Flur und auf den Wiesen steh;
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Wenn ich bald hier und dort die Schaafe hüten seh;
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So bild ich mir auch ein, ich seh die ersten Zeiten
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Worinn die Unschuld noch mit Lust auf allen Seiten
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Gewohnet und geherrscht. Ich bilde mir fast ein:
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Die Gegend und die Zeit müßt dieser ähnlich seyn,
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In welcher ehemahls die Töchter Labans standen,
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Des Viehes hüteten und ihre Garben banden.
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Mir deucht, hier ist das Feld, worinnen Abraham
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Und Jacob ihre Heerd, so manches zartes Lamm,
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Geweydet und gepflegt, und mit erfreuten Zungen
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Zu Gottes Lob und Preiß ein Hirten-Lied gesungen:
119
Wo jener treuer Knecht zu der Rebecca kam,
120
Und von der schönsten Hand den Krug mit Wasser nahm,
121
Und mit demselbigen sein durstig Vieh erquickte,
122
Wobey er nun die Braut des Isaacs erblickte.
123
Mir ist als wandelte allhier der Rahel Fuß,
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Und brächt ihr Wollen-Vieh zum klaren Wasser-Fluß,
125
Und Jacob käm zu ihr, der ihre Schaafe tränkte,
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Und ihr aus Redlichkeit mit Gott sein Herze schenkte.
127
Mich deucht hier ist der Ort, wo dort der Väter Schaar,
128
Dem allerhöchsten Gott so manchen Beth-Altar,
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Und Maal-Stein, ihm zum Ruhm, aus frommen Geist erbauet.
130
O Seele; jeder Baum, den hier dein Auge schauet,
131
Ein jeder Wasser-Fluß, ein jeder Acker-Land
132
Giebt dir Gelegenheit, daß du der Vaters-Hand
133
Auch einen Altar baust; doch sie sind selbst Altäre,
134
Von seiner Hand erbaut. Kom! bringe und verehre
135
Allhier, dem Höchsten Gott; leg' deine Gaben drauf;
136
Zündt deinen Weyhrauch an! So steigt der Rauch hinauf
137
Zu Gott, und riecht so schön als Habels Opfer Gaben.
138
Ja Herr! du solst mein Herz mit meinem Weyhrauch haben.
139
Dieß Feld gleicht wohl dem Ort, wo Jacob sanft und schön
140
Auf einen Steine schlief; wo er im Traum gesehn,
141
Wie Gottes heilges Heer vom Himmel runter kommen,
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Und seinen Geist vergnügt, und ihn in Schutz genommen.
143
Es gleicht dem Ort, wo Gott zum Patriarchen trat,
144
Und ihm den Sohn versprach, da er vor Sodom bath;
145
Wo Jacob selbst mit Gott gekämpfet und gerungen
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Und auch denselbigen aufs herrlichste bezwungen.
147
O was vor Lieblichkeit! o was vor süsse Lust,
148
Empfindet meine Seel! wie labt sich meine Brust
149
Wenn ich im Felde bin! Ich kan an Gottes Werken
150
Und reicher Seegens-Hand den Glauben in mir stärken.
151
Geht hier ein Schäfer hin, und singt auf Blat und Rohr,
152
So stell ich mir darbey den Hirten David vor
153
Wie er bey seiner Heerd sein Harfenspiel gerühret,
154
Und seinen Gott gelobt, der ihn bisher geführet.
155
Lauft dort ein Bauren-Weib mit aufgewecktem Sinn;
156
Geht da mit gleichem Geist die junge Dirne hin;
157
So denk ich, diese sind im aufgeschürzten Rocke
158
Wohl glücklicher als die, so als die schönste Docke
159
Im Puder-Putze prangt und in den Steif-Rock geht.
160
Ihr Fuß viel sicherer auf Feld und Fluren steht
161
Als derer, welche stets geschmückt bey Hof erscheinen,
162
Allwo die Falschheit wohnt. Da giebt es gnug zu weinen.
163
Der eine wird verfolgt; der andre wird verlacht;
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Dem wird durch Haß und List gefährlich nachgetracht;
165
Dem wird die Zeit geraubt; Der kommt um sein Vermögen;
166
Ein andrer muß sich krank und schwach zu Bette legen.
167
So gehts in Städten her, so gehts bey Höfen zu!
168
Auf Dörfern lebet man in still und süsser Ruh.
169
Glückseelig ist der Stand der sich von Acker nehret,
170
Und dem der Herr durchs Feld sein Kleid und Brod bescheret!
171
Gesegnet ist der Mann, den Gott durch Pflug und Feld
172
In dieser Zeitlichkeit erquicket und erhält!
173
Du starker Seegens-Gott! erhalte Feld und Fluren,
174
Und seegne fernerhin all deine Creaturen.
175
Herr! höre auf mein Wort! Herr sprich dein Amen drauf!
176
Ja! ja! ich weiß du hörst, die Wolken thun sich auf,
177
Und geben durch den Knall des Donners zuverstehen,
178
Der Höchste lebe noch, und werde auf mich sehen.
179
Mein Gott dein heilger Geist erfüllet mein Gemüth,
180
Drum freut sich meine Seel; drum sing ich jetzt ein Lied
181
Von deiner Gütigkeit und deinem milden Seegen.
182
Gelobt seyst du mein Gott, daß du auf meinen Wegen
183
Mich auf das beste führst. Ich danke deiner Treu,
184
Die über mich gewacht, und öfters mancherley
185
Noth, Unglück und Gefahr so gnädig abgewendet,
186
Und deiner Engel Schutz zu mir herab gesendet.
187
Gott Lob! daß ich gesund und nicht gebrechlich bin,
188
So, daß ich Hand und Fuß, das Haupt und jeden Sinn
189
Auch glücklich brauchen kan. Ich preise deine Güte,
190
Die meine Seel und Brust, mein Herz, Sinn und Gemüthe
191
Mit deinem Einspruch labt, mit deinem Worte tröst,
192
Wenn etwa eine Noth und Trübsal auf mich stößt.
193
In Leiden hat dein Sohn die Kelter helfen treten;
194
Dein Geist half mir getrost vor dir das Abba beten.
195
Du hast mich kräftiglich mit deinem Trost erfrischt,
196
Und mir vom Angesicht die Thränen abgewischt;
197
Mir ein geduldig Herz und stillen Geist geschenket,
198
Der sich mit Ungedult und Murren niemahls kränket.
199
Erhalt mir diesen Schmuck und edle Seelen-Zier,
200
So folg ich dir getrost, und fahre wohl von hier.
201
Wie ist mir? hör ich nicht der Glocken Thon erklingen?
202
Ja! ja! man wird jetzund das Halleluja singen.
203
Man singt: Komm Heilger Geist, und kehre bey uns ein;
204
Man stimmt es freudig an, man schlägt die Paucken drein.
205
Die Paucken hör ich zwar nicht in der Kirch erschallen,
206
Ich hör an ihrer statt den Donner heftig knallen.
207
Allein sein Brüllen stöhrt mich in der Andacht nicht,
208
Ich zeige jetzt wie sonst ein frölich Angesicht.
209
Mein Pfingst-Fest feyre ich so heilig unterm Blitze
210
Im Feld, als wenn ich sonst in einer Kirche sitze.
211
Nichts stöhret meinen Geist; nichts hindert meine Ruh;
212
Ich weiß, mein Tröster hört mir aus den Wolken zu.
213
Mein Herr Gott heilger Geist! gleichwie du ehedessen
214
Den Jüngern deine Kraft sehr reichlich zugemessen,
215
Und ausgetheilet hast, so reichlich geuß auch hier
216
Die Seegens-Ströme aus, und wohne stets in mir.
217
Mein Herz, das Sünden-Nest, entledge seiner Sünden,
218
Such eine wahre Reu in solchem anzuzünden.
219
Ach! reinige mein Herz, du werther Heilger Geist!
220
Von dem, was sündlich ist, von dem, was irdisch heist.
221
Mach deine Wohnung draus, damit die drey Personen
222
Der Gottheit stets in mir und meiner Seele wohnen.
223
Zeig mir den rechten Steg, den ich hier wandeln soll,
224
Daß ich nicht straucheln mag, mach mich von Andacht voll,
225
Daß ich mein Herz und Mund zu Gottes Stuhl erhebe,
226
Und dir Lob, Ehr und Preiß für alle Wohlthat gebe.
227
Gieb, daß sich nie mein Herz von Jesu Liebe trennt,
228
Vielmehr die Liebes-Glut recht Seraphinisch brennt;
229
Gieb daß ich meine Lust in deinem Wesen suche,
230
Und alle Eitelkeit und schnöde Lust verfluche.
231
Und reitzet mich die Welt zu einer Sünde an,
232
So winke mir alsbald, und reiß mich von der Bahn,
233
Darauf ich gleiten könt: Gieb mir ein Herz voll Tugend;
234
Sey du mein Sprach-Gesell und Führer meiner Jugend;
235
Wenn ich nach Christen-Brauch den Kreuz-Weg wandern muß,
236
So komm du Geist der Kraft! mit deinem süssen Gruß,
237
Und stärke mich in Angst, und mach die Seele stille,
238
Daß sie gelassen spricht: Herr! es gescheh dein Wille.
239
Vor Murren, Ungedult und Kleinmuth schütze mich;
240
Denn ich verlasse mich in aller Noth auf dich.
241
Ja, wird die Angst zu groß, so komm, mich zu vertreten,
242
Und lehr mich Glaubens-voll stets stark und brünstig beten.
243
Wenn ich in Herzens-Angst und Kampf nicht rufen kan;
244
So nimm dich meiner Seel, du theurer Tröster! an,
245
Und kämpfe stark vor mich, und hilf mir Gott bezwingen,
246
Schrey, rufe du in mir, so muß es mir gelingen.
247
Schaff, daß mein Glaubens-Licht beständig helle brennt,
248
Und wenn die Todes-Hand mein Lebens-Band zertrennt;
249
(o! wär es doch nur bald, mir eckelt mehr zu leben,
250
Es sehnet sich mein Geist der Welt Valet zu geben.)
251
So hilf mir ritterlich durch allen Kampf und Streit,
252
Und bringe meine Seel zur frohen Ewigkeit.
253
Du werther Heilger Geist! erhöre jetzt mein Flehen,
254
Komm deiner Christenheit in Trübsal beyzustehen.
255
Die, so um Gottes Ehr und um sein heilig Wort,
256
Und dessen Reinigkeit und Glauben hier und dort
257
Geängstget und verfolgt, gedrückt, gelästert werden,
258
Die nimm in deinen Schutz, und tröste sie auf Erden.
259
Mach ihre Seel und Geist, Muth, Lieb und Andacht groß,
260
Damit sie alle Angst, Gefahr und Herzens-Stoß
261
Recht standhaft überstehn; Erquicke sie in Leiden
262
Mit deiner starken Kraft, und süssen Trost der Freuden.
263
Die, so erleuchtet sind, und in dem Glauben stehn;
264
Erhalte kräftiglich, und laß sie weiter gehn.
265
Die Bösen aber zieh von ihrem Laster-Stege,
266
Und bringe ihren Fuß auf Gott beliebte Wege.
267
Geuß deinen starken Strom auf den Regenten-Stand;
268
Regiere ihren Geist und führ sie bey der Hand,
269
Daß sie in Heiligkeit vor Gottes Antlitz wandeln,
270
Und nach Gerechtigkeit in ihren Werken handeln.
271
Den Lehr-Stand schmücke auch mit deinen Gaben aus,
272
Damit zu jeder Zeit in unsers Gottes Haus,
273
Dein Wort, dem Donner gleich, durch alle Herzen dringe,
274
Und hundertfältge Frucht zum ewgen Leben bringe.
275
Du Geist der Einigkeit! erhalte Fried und Ruh,
276
Und schicke jedem Stand die güldne Eintracht zu.
277
Wie schön, wie ungestöhrt läßt sichs im Felde singen!
278
Und Gottes Heiligkeit ein Halleluja bringen.
279
So wohl, so angenehm es unserm Munde deucht,
280
Wenn man ihm auf dem Feld so Kost als Nahrung reicht;
281
So eine süße Lust empfindt der Geist darneben,
282
Wenn man ihm seine Kost zugleich auch sucht zu geben.
283
Wenn heut ein hohes Haupt, ein Fürst und grosser Held,
284
Bey schönem Paucken-Schall die offne Tafel hält,
285
So kan ich hier im Feld auch offne Tafel haben.
286
Wohlan! hier ist mein Tisch, da nehm ich Gottes Gaben,
287
Die ich zu mir gesteckt, vergnügt und frölich ein,
288
Die Erde soll mein Tisch, das Gras mein Sessel seyn,
289
Recht so! hier ist ein Rand, den manches Blümgen schmücket,
290
Da steht ein dicker Baum, der Reisende erquicket;
291
Darneben fließt ein Bach, der klar und rauschend quillt,
292
Und der den Durstigen ihr trocknes Schmachten stillt,
293
Hier findet auch mein Pferd die angenehmste Weyde.
294
Herunter von dem Gaul! Zu meiner tausend Freude
295
Setz ich mich bey dem Baum, und speise meine Kost.
296
Mich labt der Wasser-Trank weit mehr als Wein und Most,
297
Den grosse Könige aus güldnen Schalen trinken.
298
Mein Becher ist die Hand. Ich lasse mich bedünken,
299
Es sey nicht ungereimt, wenn ich aus Redlichkeit
300
Aus diesem klaren Fluß, bey dieser Jubel-Zeit,
301
Auf hoher Häupter Glück und auf ihr Wohlseyn trinke!
302
Die ihren Scepter klug, gerecht und sieghaft führt.
303
Die wir in Spanien in Kron und Purpur schauen.
304
Es lebe Carl zu Maynz! in dessen Schutz ich bin.
305
Es lebe Ernst August, der Herzog derer Sachsen!
306
Es leb sein junger Prinz! Er müsse blühn und wachsen!
307
Der Tugend und Verstand, Geist, Muth und Feuer hat!
308
Ein jeder Musen-Sohn und wahrer Weisheits Kenner!
309
Es lebe jedermann, ders redlich mit mir meint!
310
Dies wünsch ich gleichfalls auch dem allergrößten Feind!
311
Ich hasse niemand nicht. Der Teufel in der Höllen.
312
Ist nur allein mein Feind! den suche ich zu fällen.
313
Ich habe wohl ein Herz voll Feuer, Geist und Muth;
314
Doch aber nicht voll Zorn, voll Rache, Haß und Wuth.
315
Ich habe mit mir selbst und meinem Fleisch zu kämpfen.
316
Da hab ich Feinds genug, desselben Macht zu dämpfen.
317
Es müsse jedem Feind auf Erden glücklich gehn,
318
Er müsse auch dereinst mit mir den Himmel sehn.
319
Bey dem Gesundheits-Trunk hört man die Paucken schallen,
320
Allein an ihrer statt hör ich den Donner knallen,
321
Der faußt um mich herum. Gott hört die Wünsche an,
322
Die ich bey jedem Trunk, aus Redlichkeit gethan.
323
O wie vergnügt hab ich mein Festtags-Mahl genossen!
324
Mein Roß hat sich erquickt, nun setzt es unverdrossen
325
Die Füsse weiter fort: Ob gleich der Donner brällt,
326
Und vor der Sonnen Glanz der Blitz das Feld erfüllt.
327
Es donnert! wie? wenn Gott auf dich erzürnet wäre
328
Dieweil du sein Geboth und seine heilge Lehre
329
Aus deinen Augen setzst! Du thust was Gott verbeut;
330
Wie so? was ist es denn? du trägst ein Mannes-Kleid!
331
Hat nicht der Herr gesagt? es soll ein Greuel heisen,
332
Der sich in andrer Tracht den Augen sucht zu weisen
333
Ja! Gott hat dieß gesagt; allein noch mehr dabey:
334
Er spricht auch, daß das Thier von ihm verboten sey,
335
Das seinen Fuß nicht spalt, und auch nicht wiederkäuet.
336
Dem wurde scharf vom Herrn mit Fluch und Tod gedräuet,
337
Der sich nach einen Fisch im Fluß gelüsten ließ,
338
Der nicht sein Schuppen-Heer benebst den Federn wieß.
339
Wer ausfuhr und ein Mal an Leib und Haupt bekommen,
340
Der muste unrein seyn, und ward nicht aufgenommen.
341
Es durfte nie kein Blut vom Thier beym Essen seyn,
342
Und keinem ward erlaubt von Wollen und von Lein
343
Ein Kleid an Leib zu ziehn. Kein Priester durfte lieben
344
Ein Weib, das man bereits ins Wittwen Buch geschrieben.
345
Nach Gottes strengen Wort entzog man dem Altar
346
Denselbigen Levit an dem ein Fehler war.
347
Kein Mannsbild war befugt den Bart ganz abzuscheren.
348
Und was dergleichen mehr gestrenge Gottes Lehren
349
Des Höchsten Wort uns zeigt. Wir Christen neuer Zeit,
350
Sind aber nun davon entbunden und befreyt.
351
Dieß herrschende Gesetz, das unsre Alten hatten,
352
Hat Christus abgeschaft. Warum? es war ein Schatten.
353
Eins wie das andre war verboten und verflucht:
354
Bleibt nun ein Mann verschont, wenn er das Messer sucht,
355
Und seinen Bart abschiert; Wird keiner mehr verschlossen,
356
Bey dem was eytriges von Haupt und Lieb geflossen;
357
Darf Schleye, Schmerl und Blut, Caninchen, Haß und Schwein
358
Und was dergleichen mehr auf unsrer Tafel seyn;
359
Darf auch ein Priester jetzt nach einer Witwe fragen;
360
So darf ich auf dem Pferd auch wohl ein Manns-Kleid tragen.
361
Nein, dieserwegen beißt mich mein Gewissen nicht;
362
Deshalber ziehet mich der Herr nicht vors Gericht,
363
Er straft mich nicht darum. Ich kan zu allen Zeiten
364
In solcher Tracht durch Blitz und Donner frölich reiten.
365
Es donnert! Ey! Gott lob! so hör ich, daß die Macht
366
Des Schöpfers und sein Aug noch vor die Erde wacht.
367
So lang die Wolken noch die Dünste an sich ziehen,
368
So lange wird auch noch die Erde fruchbar blühen.
369
Der Donner brüllt! Gott lob! so ist zu unsern Glück,
370
Vor unser dürres Land ein Regen-Guß zurück,
371
Der es befeuchten wird. Es lächzet stark nach Regen,
372
Es wartet ganz verschmacht auf deinen Milden Seegen.
373
So lang ich deine Stimm durchs Donnern hören kan;
374
So lange ficht mein Herz noch gar kein Zweifel an,
375
Das Gott nicht vor das Land und vor uns sorgen solte,
376
Und unsrer Dürftigkeit zu Hülfe kommen wolte.
377
Gott lob! mein Leib und Geist, meine Herze und mein Blut
378
Ist mitten bey dem Knall und Blitze wohlgemuth.
379
Wer Gott zum Freunde hat, der hat nicht noth zu klagen;
380
Denn Gott will ihn ja selbst auf seinen Händen tragen.
381
Behüte Stadt und Dorf vor Einschlag und vor Brand,
382
Nimm Volk und Vieh in Schutz und gieb, daß unser Land
383
Durch Hagel und durch Fluth nicht überschwemmet werde.
384
Erhalte Saat und Frucht; Beschütz, was auf der Erde
385
Und auf den Bäumen wächst, vor deines Feuers Grimm,
386
Und sieh dich stets in Gnad nach deinen Volcke üm!