Der Schöpfer, so die Welt gebauet

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Sidonia Hedwig Zäunemann: Der Schöpfer, so die Welt gebauet (1727)

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Der Schöpfer, so die Welt gebauet,
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Und unser Lebens-Ziel zum voraus schon bestimmt;
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Die Allmacht, die das Lied der Weinenden vernimmt!
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Und auf der Frommen Elend schauet:
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Die hat zugleich jedwedem Menschen-Kind
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Affecten mitgetheilt, an die es stets gedenket;
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Bald wird der Geist sehr hart gekränket;
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Bald aber wird er auch von Frölichkeit entzündt.
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Die Freude regt sich stark, sie bringt durch Geist und Blut,
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Daß Seele, Sinn und Muth
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Sich bald an dem ergötzt, und bald auf jenes lencket.

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Allein was ist die Lust der Erden?
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Was ist die Herrlichkeit, und Freude, die sie giebt?
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Worinn der meiste Theil der Menschen sich verliebt:
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Was kan wohl guts gefunden werden?
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Ach! ihre Lust ist irdisch und verfliegt;
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Die Schätze, die sie zeigt, sind nichtig, unvollkommen,
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Man hat ja allzeit wahrgenommen,
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Daß sie zu täuschen pflegt, und gar zu gern betrügt.
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Bey ihrer Lust nimmt Müh, Furcht, Zweifel, Unbestand
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Wohl meist die Oberhand;
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Dieß wissen ebenfals die Bösen und die Frommen.

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Auf! untersuchet alle Sachen,
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An welchen sich bisher das Angesicht ergötzt,
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Und welche euren Geist in Frölichkeit gesetzt,
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Vermochtet ihr wohl stets zu lachen?
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War eure Lust wohl ohne Widrigkeit?
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Ist niemahls eine Müh darbey mit vorgefallen?
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Ich bin gewiß, daß unter allen
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Nicht einer sagen kan: Mich kränkte nie ein Leid.
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Die Welt läßt ihre List und ihre Tücke nicht,
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Den Zucker, den sie bricht,
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Vermischt sie allezeit mit Wermuth oder Gallen.

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Wie mancher Scherz, wie viele Freuden
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Verkehren sich zuletzt in schweres Ungemach,
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Und ziehen herben Schmerz und Bitterkeiten nach?
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Wie oft ward aus der Lust ein Leiden?
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Drum werthes Herz! drum edler Geist! wilst du
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Vollkomne süsse Lust und reine Freude wissen;
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Wilst du sie ächt und stets geniessen,
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So must du weiter gehn, dir schickt sie Christus zu.
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Such deine Lust an Gott, die Freude, die er schenkt,
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Wird gar durch nichts gekränkt,
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Sie kan dir immerdar die Lebens-Zeit versüssen.

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Drum laß die Welt mit ihren Schätzen;
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Verschwöre ihren Tand und ihre Eitelkeit.
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Erheb dein Herz zu Gott, bey ihm wohnt Lust und Freud,
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Die deinen Geist weis zu ergötzen.
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Hinauf von hier! fort! schwing dich Himmel-an!
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Such deines Vaters Reich, ich weis, du wirst es finden,
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Und alsdann Ruh und Lust empfinden,
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Mit der sich gar kein Leid und Schmerz verknüpfen kan.
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In Gott, und seinem Reich, das dich erquickt und speißt,
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Wohnt auch der heilge Geist,
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Der hilft dir Fleisch und Blut, und alles überwinden.

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Hast du dieß Reich in deiner Seelen,
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So siehst du Gottes Huld recht tief und feurig ein;
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Du siehst in Gottes Herz und Liebes-Glut hinein,
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Und darfst dich nicht so leichtlich quälen.
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Wenn dich sein Geist bewohnet und belebt,
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So wirst du Gottes Huld und Liebe kräftig schmecken,
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Und deinen Geist dadurch erwecken,
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Daß er sich nur allein zu seinen Gott erhebt.
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Ganz unaussprechliches Vergnügen findest du;
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Die allersüßte Ruh,
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Und ganz besondre Freud wird deinen Geist bedecken.

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Das Reich des Herrn ist voll Vergnügen,
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Sein Wesen, seine Art ist Anmuth, Freud und Lust;
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Drum kans nicht anders seyn, es muß Geist, Sinn und Brust
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In einer heilgen Freude liegen.
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Wer Gottes Huld einmahl geschmecket hat,
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Wer seine Liebes-Glut nur einmahl hat empfunden,
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Der denket auch zu allen Stunden,
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Wie er der Welt abstirbt. Er krieget ihrer satt.
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Ihm eckelt vor der Welt, er giebt ihr gute Nacht,
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Und ist nur drauf bedacht,
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Wie sie je mehr und mehr von ihm werd überwunden.

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Jemehr der Geist der Welt abstirbet,
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Jemehr wird er von Gott und seiner Kraft genehrt;
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Jemehr die Liebe sich zu unserm Heyland mehrt,
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Jemehr er sich um Gott bewirbet.
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Jemehr die Welt in uns gedämpfet wird,
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Jemehr kan auch der Geist der Höhe uns regieren;
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Jemehr wir auch die Freude spühren;
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Jemehr die Seel nach Gott und seiner Liebe girrt.
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Ein Herz/ das sich der Welt und ihrer Lust begiebt,
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Und Jesum brünstig liebt,
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Wird Christus wiederum mit seiner Freude rühren.

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Dergleichen übergrosse Freude
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Verspührte David dort, da er im Chore sang,
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Und vor der Bundes-Lad' im Tanzen frölich sprang.
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Hieß dieß nicht eine Seelen-Weyde?
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O grosses Glück! das Israel vernahm,
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Als Gottes Herrlichkeit die heilge Hütte deckte,
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Und Salomon die Hand ausstreckte,
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Da Gottes Herrlichkeit auf seinen Tempel kam.
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Was kömmt der Freude bey, die Petrus dort empfund,
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Da er auf Thabor stund?
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Da er die größte Lust, die Engels-Speise schmeckte?

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Ach! wenn man Gott das höchste Wesen
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Und dessen Schönheit recht in seinem Geist betracht;
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Giebt man auf seine Kraft und Lieblichkeiten acht,
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So hat man sich was guts erlesen.
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Man fühlt und schmeckt die Kräfte jener Welt.
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Wer solche hier geschmeckt, der lebt in Gott zufrieden;
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Nichts kan den frohen Geist ermüden,
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Weil nichts als Lust und Ruh in ihm die Wohnung hält.
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Man fühlt sie aber mehr, als man sie sagen kan.
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Wo findt man einen Mann,
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Der ihre Schönheit recht beschrieben und entschieden?

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Was ist der Freude zu vergleichen,
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Die Jacobs frommen Geist in jener Nacht erquickt,
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Als er die Leiter dort mit Gottes Heer erblickt?
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Hier muß die größte Wollust weichen!
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O süße Lust! die auch im Schlaf ergötzt,
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Und uns mit Himmels-Glück und Gütern reich erfreuet,
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Die weder Zeit noch Glut zerstreuet;
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Die uns aus aller Quaal und Bittrigkeit versetzt.
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Bey solcher Lust schläft man auf Steinen mehr vergnügt.
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Als man auf Betten liegt,
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Sind sie gleich Königen und grossen Herrn geweyhet.

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Ein Paulus sieht die Herrlichkeiten
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Und Schätze dieser Welt vor Koth und nichtig an,
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Die Liebe, die der Herr an seiner Seel gethan,
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Weis ihm die Welt-Lust zu bestreiten.
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In Gottes Gnad, und Christi Liebes-Glut,
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In seiner Todes-Pein, in seinen blutgen Wunden
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Hat er allein die Lust gefunden,
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Die fromme Seelen stärkt, und ihnen gutes thut.
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Sein Leben, seine Lust, sein Trost und Freuden-Kron
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War Gottes liebster Sohn,
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Drum hielt ihn keine Pracht der Eitelkeit gebunden.

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Dieß Manna schmecken keine Herzen,
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In denen noch die Welt und ihre Liebe wohnt;
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Wo Schein und Schalkheit herrscht, und wo die Bosheit thront,
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Und mit dem Wort des Höchsten scherzen.
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In die allein, die auf den Heyland sehn,
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Und seiner Kreuzes-Fahn getreu zu seyn geschworen,
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Die geistlich sind, als neu gebohren,
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Die, wo er sie hinführt getreulich mit ihm gehn:
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In diese spricht der Herr mit seiner Freude ein.
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Die seine Tempel seyn;
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Nur diese Seelen sind zu solchen Glück erkohren.

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O unaussprechliches Vergnügen!
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Das Gottes Kinder labt und ihnen eigen ist!
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O grosse Herrlichkeit, womit ein frommer Christ
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Sünd, Höll und Teufel kan besiegen.
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Wie wohl wird mir, wenn dieß mein Geist erwegt!
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Wie wird mir? da ich jetzt von dieser Freude zeuge!
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Und meinen Geist zum Vater neige,
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Der mir auch diese Lust geschenkt und beygelegt!
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So sing ich dann hiervon. Doch nein! die Kraft gebricht,
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Kein Mensch vermag es nicht,
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Kein Mund beschreibet sie: daher ich billig schweige.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Sidonia Hedwig Zäunemann
(17111740)

* 15.01.1711 in Erfurt, † 11.12.1740 in Plaue

weiblich

deutsche Dichterin

(Aus: Wikidata.org)

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