Das Wort der allerhöchsten Macht

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Sidonia Hedwig Zäunemann: Das Wort der allerhöchsten Macht (1727)

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Das Wort der allerhöchsten Macht
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Ist wohl ein Schatz, dem alle Schätze weichen;
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Wer hat je was hervor gebracht,
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Das diesem könnt an Schmuck und Reichthum gleichen?
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Des Höchsten theures Wort ist voller Geist und Kraft,
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Voll Stärk und Lieblichkeit, und voller Lebens-Saft – – –
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Hier merke ich mein Unvermögen,
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Dein Wort nach Würden auszulegen.

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Nichts als dein Wort belebt die Brust
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Der Redlichen, die dich von Herzen lieben;
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Sonst kan sie nichts als der Verlust
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Von diesem Schatz bestürzen und betrüben.
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Die Auserwehlten sind bey deinem Wort erfreut;
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Es labt sie sonsten nichts als dessen Süßigkeit:
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Dein heilges Wort kan ihrem Leben
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Die angenehmste Wollust geben.

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Dein Wort macht Noth und Leiden leicht,
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Und stärket uns, die Trübsal gern zu tragen.
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Wenn uns der Herr zu grausam deucht,
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So weis es uns den Wahn bald zu verjagen.
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Im letzten Todes-Kampf erhalt uns, höchster Hort;
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Dein Einspruch, deine Kraft, und kurz, dein heilges Wort.
23
Es kan die Todes-Bitterkeiten
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Besiegen, schwächen und bestreiten.

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Was machte wohl die Märterer
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In ihrer Pein so frölich und so munter?
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Nur durch dein Wort, mein Gott und Herr!
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Gieng alle Angst und alles Zagen unter.
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Was ruft uns aus der Gruft? was führt uns vor Gericht?
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Thut es, o starker Gott! dein heilges Wort denn nicht?
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Wer sagt wo jeder hingehöret?
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Wofern es uns dein Wort nicht lehret.

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Drum auch dein Geist, der unermüdt
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Vor unser Heil und Seelen-Wohlfahrt wachet,
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Uns, wo wir wollen, kräftig zieht,
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Daß er das Herz zu einen Acker machet:
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Worein er denn das Wort als einen Saamen legt,
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Daß es hernach viel Frucht durch Wort und Werke trägt.
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So mächtig ist in unserm Leben
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Das Wort, so uns der Herr gegeben.

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Die Seele ist so wie der Leib,
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Von unserm Gott zur Arbeit ausersehen,
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Sie hat auch ihren Zeitvertreib,
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Sie würkt und schaft und darf nicht müßig gehen.
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Und da sie ewig ist, so forderts ihre Pflicht,
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Daß sie ihr ganzes Thun auch auf was hohes richt.
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Drum muß dein Wort ihr Zeitvertreiben,
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Ihr Werk und ihr Geschäfte bleiben.

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Dein Wort ist helle, klar und rein,
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Es kan mit Recht die Leuchte unsrer Augen,
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Und unser bester Führer seyn,
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Wir können Trost und Heil aus diesem saugen.
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Den Frommen ists ein Licht, den Bösen bleibts verdeckt,
54
Den Glaubgen ists ein Trost, wenn es die Sünder schreckt.
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Nur diese, die verlohren gehen,
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Die können dessen Grund nicht sehen.

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Nicht aus Gewohnheit, nicht zum Schein,
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Nicht um der Kunst, und der Geschichte wegen,
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Noch was sonst etwa möchte seyn,
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Soll man dein Wort vor unsre Augen legen.
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Nur darum soll dein Wort in unsern Händen ruhn,
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Daß wir daraus ersehn, was uns gehört zu thun.
63
Nur dein Befehl, und das Erbauen,
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Giebt Anlaß in dein Wort zu schauen.

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Durchs Wort sucht sich der Glaubige
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Den ewgen Schatz ganz feste anzumasen,
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Er siehet feurig in die Höh,
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Und ist vergnügt, doch gar nicht aufgeblasen.
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Er eignet sich dadurch die ewge Freud und Ruh,
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Und was Gott zugesagt, auf alle Weise zu.
71
Er kan sich auch dadurch der Striemen,
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Und Nägelmaal des Heylands rühmen.

73
So machte es dein Israel,
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So haben es die werthen frommen Alten,
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Und eine jede gläubge Seel
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Zu aller Zeit mit deinem Wort gehalten.
77
So nimmt der Glaube zu, so wird die Hoffnung fest,
78
Wenn sie sich auf das Wort der Gottheit nur verläßt.
79
So mußte Davids Angst und Schrecken,
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Sich vor des Herren Wort verstecken.

81
Wir sind in dieser Sterblichkeit
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Nur Pilgerim, und die zum Himmel wallen.
83
Wär uns dein Wort nicht an der Seit;
84
So würden wir gar oft und schrecklich fallen.
85
Dein Wort muß unser Stab auf unsrer Reise seyn;
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Dieß führet uns getrost zu Salems Thoren ein.
87
Sucht uns dein Wort nicht beyzustehen,
88
Wir würden in der Noth vergehen.

89
Oft will in uns das Glaubens-Licht
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Fast untergehn, verlöschen und versiegen.
91
Allein dein Wort verläßt uns nicht,
92
Es kan dadurch aufs neue Kräfte kriegen.
93
Dein Wort bläßts wieder auf. Wird unsre Andacht lau;
94
Sind wir zum Bethen träg; so merket man genau,
95
Wie uns dein Geist durchs Wort erquicket,
96
Und neue Kraft und Andacht schicket.

97
Dein Geist will nicht unmittelbar
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In unser Herz und unsre Seele kommen,
99
Er hat dein Wort, das rein und klar,
100
Zum sichern Weg und Mittel angenommen.
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Er kehret durch das Wort in unserm Geiste ein,
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Daß wir dadurch sein Haus und seine Wohnung seyn.
103
Durchs Wort giebt er uns Kraft und Leben,
104
Daß wir dem Argen widerstreben.

105
Im Worte Gottes können wir
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Der Eltern Fall, und unser Elend sehen,
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Es stellet unsern Augen für,
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In was vor Noth und Schwachheit wir noch stehen.
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Es wird in deinem Wort die Eitelkeit der Welt,
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Und ihre arge List uns klärlich vorgestellt.
111
Wir sehen, wie sie uns verreitzet,
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Und nur nach unsrer Seele geitzet.

113
Dein heilges Wort, mein Seelen-Freund!
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Entdecket mir, was dort bey dir die Frommen,
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Die hier gekämpfet und geweint,
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Vor Ehr und Schmuck und Herrlichkeit bekommen.
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Es zeigt mir auch die Qual der Ungerechten an,
118
Die wieder dich gelebt und wieder dich gethan.
119
Dein Wort weiß uns den Weg zur Höllen,
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Und auch zum Himmel vorzustellen.

121
Dein Wort giebt uns den ewgen Rath,
122
Von unserm Heil und Seligkeit zu lesen.
123
Es zeigt uns deine Huld und Gnad,
124
Dein Vater-Herz und angenehmes Wesen.
125
Die Liebe deines Sohns, und was er sonst gethan,
126
Das zeiget mir dein Wort zu meinem Troste an.
127
Dein Wort mir auch nach Wunsch beschreibet,
128
Wie mich dein Geist regiert und treibet.

129
Dein ewges Wort belehret mich,
130
In aller Noth auf deine Huld zu bauen,
131
Es unterweist mich kräftiglich,
132
Auf deinen Mund und Allmacht fest zu trauen.
133
Mich unterricht dein Wort, wie man dich würdig liebt,
134
Wie man dir Ehr und Furcht und Opfer-Gaben giebt.
135
Wer wolte sich denn also schämen,
136
Die Biebel öfters vorzunehmen.

137
Die Schönheit deines Wortes macht
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Die Lust der Welt zu Wermuth, Gift und Gallen.
139
Wer es mit Heiligkeit betracht,
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Dem muß es mehr als Cron und Reich gefallen.
141
Der Geist fegt durch das Wort das Herz, der Sünden Haus,
142
Zu unserm Wohlergehn, und Gott zu Ehren aus.
143
Wo wir uns auf die Bibel gründen,
144
So kan kein Feind uns überwinden.

145
Wer dein Wort aus den Augen stellt,
146
Den kan die List des Sattans leicht besiegen.
147
So ward auch David einst gefällt,
148
Da er ein Weib sah bey dem Brunnen liegen.
149
Ach! hätte Petrus nur an Jesus Wort gedacht,
150
So hätt ihn warlich nichts zu der Verläugnung bracht.
151
Drum läßt dein Wort den Fuß nicht wanken;
152
Es giebt uns heilige Gedanken.

153
Dein Wort ist als ein scharfes Schwerdt,
154
Es dringt ins Herz; es wecket uns von Sünden.
155
Wenn es in unsre Seelen fährt,
156
So können wir die Kraft davon empfinden.
157
Es macht dein theures Wort die Felsen-Herzen weich,
158
Es schlägt wie Hämmer zu; es ist dem Donner gleich;
159
Es ist ein Richter der Gedanken,
160
Und weiset zu den Himmels-Schranken.

161
Wenn uns der Zorn des Höchsten schreckt,
162
Wenn Moses flucht, und grausam auf uns stürmet,
163
Wenn er uns Höllen-Angst erweckt;
164
So werden wir von deinem Wort beschirmet.
165
Dieß richt uns wieder auf, und macht den Glauben fest
166
Daß Gott uns nicht im Zorn von sich verstossen läßt.
167
Schlägt Moses unsre Seele nieder;
168
So tröstet uns Johannes wieder.

169
Und hätte auch der Herr im Sinn,
170
Sein Angesicht vor unserm zu verhöhlen;
171
Zög unsre Seele fast dahin;
172
Ja müsten wir uns ängstigen und quälen;
173
So läßt dein Wort uns nicht in der Versuchung stehn,
174
Noch in der Trübsaals-Noth verzagen und vergehn.
175
Es kan uns wiederum von neuen
176
Erquicken, stärken und erfreuen.

177
Dein Wort giebt Zeugniß unserm Geist,
178
Daß wir mit dir in naher Freundschaft stehen,
179
Und daß du unser Vater seyst,
180
Der uns erhört, und niemahls wird verschmähen.
181
Es überzeuget uns, daß Gott uns herzlich liebt,
182
Und uns die Sünden-Schuld und Missethat vergiebt;
183
Er werde uns bis ans Erkalten,
184
In allem Guten stets erhalten.

185
Nun, meine Seele! komm und sieh,
186
Was vor ein Schatz im Worte Gottes lieget?
187
Drum dich desselben nicht entzieh,
188
Dieweil es mehr als alles Gold vergnüget.
189
In diesem Worte liegt mehr Weisheit als wie dort
190
Im Worte Salomons; deshalben eile fort;
191
Such wie die Königin die Lehren,
192
Des Himmels-Königs anzuhören.

193
Die Weisen aus dem Morgenland
194
Die suchten Gott, bis daß sie ihn gefunden;
195
So sey dein Eifer auch bewandt.
196
Auf! suche ihn in allen deinen Stunden.
197
Wo aber findest Du nun deinen Seelen-Hort;
198
Im heilgen Biebel-Buch, in seinem heilgen Wort.
199
Drum auf! und suche mit Verlangen,
200
Damit du Jesum mögst empfangen.

201
Auf! hebe deine Seel empor,
202
Bemühe dich in deinem ganzen Leben,
203
Dem allerhöchsten Gott davor
204
Lob, Preiß und Ehr, und allen Dank zu geben.
205
Darneben bitte ihn; daß er, biß einst die Welt
206
In tausend Trümmern geht, sein theures Wort erhält.
207
Ja, daß sein reines Wort noch allen
208
Mög in das Ohr und Herze schallen.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Sidonia Hedwig Zäunemann
(17111740)

* 15.01.1711 in Erfurt, † 11.12.1740 in Plaue

weiblich

deutsche Dichterin

(Aus: Wikidata.org)

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