Aus dem 17. Capitel des 1. Buchs von Arnds Wahren Christenthum

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Sidonia Hedwig Zäunemann: Aus dem 17. Capitel des 1. Buchs von Arnds Wahren Christenthum (1727)

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Was Gott der grosse Herr erschaffen, und denen Menschen dargestellt,
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Es sey Glück, Reichthum, Witz und Ehre, und alle Schätze dieser Welt,
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Das gibt er uns zur Nothdurft nur, und darzu sollen wirs geniessen,
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Hingegen seine Vaters-Hand davor in tiefster Ehrfurcht küssen.
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Was wir von Nothdurft übrig haben, das stellt uns Gott zur Probe dar,
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Und nimmt an diesem unsre
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Gott will nur sehn, ob Seel und Geist sich an der Welt und ihren Schätzen
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Mehr als an ihm, dem Höchsten Gut, und an dem Himmlischen ergötzen?
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Er will uns prüfen und erforschen, ob auch die Wüste dieser Welt,
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Uns mehr als Canaan und Gosen, mehr als das Paradieß gefällt?
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Deswegen hat auch Gott der Herr dem Menschen freye Wahl gelassen,
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Ob er sein Heyl bedenken will, und Gott mit Glaub und Lieb umfassen,
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Und ob er etwa hohe Gaben, Gunst, Reichthum, Ehre höher acht,
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Gott aber als das höchste Wesen in weit geringerm Werth betracht?
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Gott läßt die Wahl; allein er will nach dieser auch die Menschen richten,
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Und diese Wahrheit finden wir in allen biblischen Geschichten.
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Dahero sind uns alle Dinge allhier zum Schauspiel vorgesetzt,
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Nicht zum Vergnügen und zur Wollust, daß man sich nur daran ergötzt.
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Nein! nur zur Probe ist es uns von Gott dem Schöpfer dargereichet,
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Daran er merken will, wie weit das Herze von dem guten weichet
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Dieß ist der Baum, dieß sind die Früchte, die Gott zu essen uns verbeut,
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Und daß wir nicht darnach gelüsten in dieser Welt und Eitelkeit.
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Ach leyder! suchet jetzt die Welt in Wollust, Geld und Kleider-Prangen,
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In Ehre und Gemächlichkeit die höchste Freude zu erlangen.
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Ach leyder! aber nur vergebens; Denn dieses führet uns von Gott,
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Und stürzt in kurzen Geist und Seele, in ewge Schande, Hohn und Spott.
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Wir sind ja, wenn wir unsern Stand und unsre Lebens-Zeit betrachten
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Nicht anders als wie reisend Volk und fremde Pilgerim zu achten;
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Und darum sollen wir die Güter zur Nothdurft, aber nicht zur Lust
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Und schnöder Uppigkeit gebrauchen. Wir sollen nur in unsrer Brust
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Die Freude über Gottes Gnad und seine Gütigkeit entzünden,
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Wo anders; so sucht uns die Sünd und ihre Macht zu überwinden.
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Der Christen angenehmste Speise und Trank ist Christi Leib und Blut,
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Denn dieses heilget ihren Wandel und gibt der Seelen Kraft und Muth.
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Ihr Ruhm ist dieser, daß sie Gott von Herzen können Vater heisen;
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Dieß ist ihr Reichthum, daß sie sich der wahren Gottesfurcht befleisen;
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Ihr Schmuck bestehet nicht in Perlen, in Purpur und in seidnen Kleid;
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Nein! in der Klarheit ihres Gottes und in der wahren Heiligkeit.
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Den Christen ist ja alles hier ein Antrieb zu verbothnen Sünden,
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Gift, Galle, eine Arzeney daran sie ihr Verderben finden.
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Denn was der Mensch mit Lust berühret und bloß nur zur Ergötzlichkeit
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Und ohne Gottesfurcht gebrauchet, das hat er sich zum Gift bereit.
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Es wird zur Galle, ob es gleich den Menschen noch so lieblich schmecket.
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Doch wo ist jemand in der Welt, den der verbothne Baum erschrecket?
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Man lauft mit Lust und mit Verlangen nach dieses Baumes Früchten zu,
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Und suchet unter dessen Schatten (o Elend!) täglich seine Ruh.
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Ein wahrer Christ gebrauchts mit Furcht, und als ein Gast auf dieser Erde,
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Und hütet sich, damit sein Gott darüber nicht erzürnet werde:
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Auch daß sein Nächster gleicher Weise nicht werd zum Aergerniß gebracht.
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Sein Wille ist nur auf dem Himmel und auf das Ewige bedacht.
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Die Güter dieser Welt vergehn: Die Himmels-Schätze aber bleiben,
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Dieß ist ein Trost, der in der Noth die Schwermuth kan zurücke treiben.
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Was hilfts dem Leib, wenn er auch lange der Erde Zärtlichkeit empfindt,
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Er wird den Würmern doch zur Speise, dieweil wir alle sterblich sind.
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Wir kommen nackend auf die Welt, so müssen wir von hinnen scheiden,
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Im Tode nützt kein Pracht und Staat, kein Kleid von Hermelin und Seiden,
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Und was wir von der ersten Stunde des armem Lebens aufgezehrt,
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Das hat der Herr uns nur aus Gnaden und väterlicher Huld beschert.
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Ja was noch mehr, wir haben es mit Noth und Trübsal eingenommen;
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Denn jeder Tag hat seine Plag, so hoch wir auch an Jahren kommen.
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Wird einer auf die Welt gebohren, so bringt er Leib und Seele mit,
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Man speißt und kleidet ihn nach Nothdurft, so bald sein Fuß die Welt betrit;
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Wenns aber an das Sterben kömmt/ so muß er dieses alles meiden,
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Und noch darzu muß Leib und Seel oft schmerzlich von einander scheiden.
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Bist du nun nicht mit Gott vereinet, und stirbst alsdann; so sage an,
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Ob man ein Wesen möchte finden, das sich wohl ärmer nennen kan?
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Dieweil wir also fremde sind, und Gäste dieses eitlen Lebens,
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Was plagen wir denn unsre Seel, und sorgen oftermahls vergebens?
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Nur Thorheit ist es, Schätze sammlen, die mit der Welt und uns vergehn,
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Wir wissen ja ein besser Leben/ in dem wir tausend Freude sehn.
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Wo ist wohl dieses Vaterland, allwo wir einstens sollen wohnen?
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Was fragst du Seele? sieh es ist dort oben bey den Engels-Thronen.
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Dort wo der Glanz der Seraphinen und Abraham und David ist.
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Schau doch auf diese Erden-Schätze, und halte nun geliebter Christ
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Die Güter jener Ewigkeit, und was dir Gott geschenkt, dargegen,
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So kanst du ja den Unterschied in deiner Brust gar leicht erwegen.
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Bedenke nur die Lust des Himmels, und das Vergnügen dieser Welt,
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So wirst du alsobald gestehen, daß dir der Himmel mehr gefällt.
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Wofern du dieses recht erwegst; so wird dein Glaube wohl geläutert.
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Und deine Andacht wird vermehrt, dein Auge wird ganz ausgeheitert,
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Weil es so viele Dinge siehet, die denen gänzlich unbekannt.
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Die sich in diese Welt verlieben/ und scheuen keinen Unbestand;
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Aus Ursach, weil ihr Herz gedenkt, es könne diese Lust der Erden,
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Die ihnen gar zu süsse schmeckt, in jener Welt nicht grösser werden.
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O Thorheit! nein, die wahren Christen betrachten diesen Erden-Saal
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Als ein Gefängniß, eine Grube, ja als ein Angst- und Jammerthal.
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Die, so sich in das Zeitliche als in ihr Paradieß vergaffen,
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Und untersuchen nicht mit Fleiß, worzu sie sind von Gott erschaffen;
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Die, sag ich, haben wenig Klugheit, und fahren wie ein Vieh davon.
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Dieß lehre mich doch wohl bedenken, o Jesu grosser Gottes Sohn!
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Ey! solten wir nicht Gäste seyn, und Pilgerim der Erden heisen!
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Es will ja unser Heyland selbst uns dieß durch sein Exempel weisen?
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Der Himmel und die ganze Erde war sein, und gleichwohl war er arm,
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Und hatte nicht sein Haupt zu legen; das Vieh im Stalle macht ihn warm.
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Er kam zu uns als wie ein Gast und war doch selbst der Herr der Erden,
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Drum folgen wir ihm billig nach, und suchen ihm hier gleich zu werden.
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Auch David war in seiner Jugend arm, und verachtet, niedrig, klein;
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Und gleichwohl, da er König wurde nahm ihn kein Stolz und Hochmuth ein.
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Er sahe nur auf seinem Gott, und freute sich auf jenes Leben,
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Das ihm der Herr aus Gütigkeit nach seinem Tode würde geben.
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Sein Wort und Wohnung war ihm lieber als alle Schätze dieser Zeit.
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So hielt auch Moses Schmach und Leiden viel höher als die Herrlichkeit.
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Selbst Daniel erwehlte sich nur Wasser, Brod und Zugemüsse,
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Und warf sich täglich Freude-voll den Höchsten dreymahl vor die Füsse.
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Auch Paulus sahe diese Güter und Herrlichkeit vor Koth nur an,
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Und wandelte als wie sein Meister auf seiner vorgegangnen Bahn.
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Er übte sich in Heiligkeit, Gedult u. Keuschheit, Demuth, Liebe,
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Woran sein Gott ergebnes Herz gleich denen Ketten hangen bliebe.
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Geprüfte Christen sehn in allen nur ihres Jesus Beyspiel an,
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Sie dulten, wie er hat gelitten, und wandeln so, wie er gethan.
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Und flucht man ihnen; Ey! so heists: Wir segnen doch? der Herr vergebe,
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Und beßre deine arme Seel, auf daß sie dermahleinsten lebe.
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Sie wissen, daß sie durch viel Leiden, Noth, Trübsal, Lästrung, Haß und Schmähn
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In jene vorbehaltne Freude, und in das ewge Leben gehn.
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Sie sterben aller Ehr und Lust, Pracht, Reichthum, Haß und Nachgier abc,
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Und sorgen täglich, daß ihr Herz nichts mit der Welt zu schaffen habe.
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Sie ehren denn mit reiner Liebe, der an dem Creuze vor sie starb,
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Und ihnen durch sein Blut und Wunden das schöne Himmelreich erwarb.
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Ach! dieses ist die wahre Lust die Gottes Kinder hier empfinden,
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Die aber, so noch an der Welt und an dem Schlamm und Koth der Sünden
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Ihr nichtiges Vergnügen haben, die schmecken nicht die Süßigkeit,
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So allen Labsaal übersteiget, ja alle Wollust dieser Zeit.
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Bewährte Christen sind bemüht, daß sie in Jesus Wege treten,
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Und wo nicht stetig mit dem Mund, doch mit dem Geist und Seufzern bethen.
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Das Buch, worinnen sie studiren, ist selbst ihr Heyland Jesus Christ;
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Und also leben sie in diesem, und sind, wie er gewesen ist.
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Sie achten nicht das Irdische, und was sie mit den Augen sehen;
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Denn alles dieses muß dereinst zu Trümmern und zu Grunde gehen.
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O nein! ihr Glaubens-Auge blicket auf das, was himmlisch ist und heist,
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Und auf denselben, den man nennet Gott Vater, Sohn und heilgen Geist.
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Da wir nun fremd und Gäste sind; so schliessen wir hieraus gar eben,
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Es sey dieß kurze Lebens-Licht uns nicht zur Eitelkeit gegeben,
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Und wir zu etwas mehr erschaffen, als unser Auge hier erkannt.
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Die Welt ist gar nicht unser Erbe, Besitz und rechtes Vaterland;
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Wir wissen einen bessern Ort, wovor wir gerne unser Leben,
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Auch mehr als hundert Welten noch, ja alle Kronen möchten geben,
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Damit wir diesen Ort behalten. Drum freuet sich ein wahrer Christ,
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Daß Gott ihn dieß erkennen lassen; und daß er reich im Glauben ist,
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Und zu dem ewgen Himmelreich durch Gottes Gütigkeit gebohren.
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Ihr Welt-Verliebten! kehrt doch um, sonst geht ihr ewiglich verlohren.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Sidonia Hedwig Zäunemann
(17111740)

* 15.01.1711 in Erfurt, † 11.12.1740 in Plaue

weiblich

deutsche Dichterin

(Aus: Wikidata.org)

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