Heilige Oster-Andacht

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Sidonia Hedwig Zäunemann: Heilige Oster-Andacht (1727)

1
Auf! auf! ermuntre dich mein Herz,
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Und sage nun den Thränen abe.
3
Verlasse deinen Seelen-Schmerz,
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Und klag nicht mehr bey Jesus Grabe.
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Die Traurigkeit, so Jesus Noth;
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Die Angst, so dir sein Marter-Tod
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Sein Leiden, Qual und Pein erreget,
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Stell nun auf einmahl gänzlich ein:
9
Denn meines Jesus Leichenstein,
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Und Schweiß-Tuch ist nun abgeleget.

11
Schau Seele nach Gethsemane!
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Gott liegt nicht mehr in Todes-Banden.
13
Mein Heyland fähret in die Höh!
14
Er ist heut siegend auferstanden.
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Das Grab ist leer, der Engel ruft:
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Was sucht ihr Christum in der Gruft?
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Er ist durch Stein und Sand gedrungen.
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Er hat des Todes Macht bekriegt,
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Dieselbe als ein Held besiegt,
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Und sich nun in die Höh geschwungen.

21
Kommt ihr Verläugner seiner Macht,
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Und schauet, wie er triumphiret!
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Ihr, die ihr oft aus Unbedacht,
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Und Boßheit dieses Wort geführet:
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Was soll uns dieser Josephs-Sohn?
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Hinweg! zum Creuz! dieß ist sein Lohn,
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Er werde in die Gruft gesenket.
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Nun kommt und schaut den Sieges-Mann.
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Der Tod und Hölle zwingen kan.
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Erzittert, wenn ihr dran gedenket!

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Er bricht mit einer solchen Kraft
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Schon jetzt der Riegel Zwang in Stücken;
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Was wird man nicht vor Eigenschaft
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Bey seiner letzten Zukunft blicken?
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Macht jetzt sein Strahl die Hüter blind,
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Die seiner Auffahrt Zeugen sind,
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Was wird ihn nicht an jenem Tage
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Vor Gottheit, Licht und Glanz erhöhn,
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Wenn die Gerechten Freude sehn,
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Die Bösen aber nichts als Plage.

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Wer wird, o Herr! vor dieser Stund
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Und vor dem Rechnungs-Tag erschrecken?
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Nur die, so deinen heilgen Bund
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Durch Ungerechtigkeit beflecken.
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Herodes, Judas fürchten sich,
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Und andre, die so freventlich
47
Dich Herr! mein Heyl! beleidget haben.
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Die Priester stehen in der Zahl,
49
Ja alle, welche dazumahl
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Zu deinem Tode Anlaß gaben.

51
Du Sieges-Fürst! des Todes Tod!
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Nunmehr ist Davids Wort vollendet.
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Du hast zwar in der Sterbens-Noth
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Dein heilges Leben hier geendet:
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Man hat dich auch ins Grab gebracht;
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Doch durftest du des Moders Macht
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Und die Verwesung niemahls sehen.
58
Kaum schließet dich des Grabes Stein,
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Wie Jonam dort drey Tage ein,
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So must du prächtig auferstehen.

61
Ihr Jünger! die ihr bitterlich
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Bey eures Meisters Gruft geweinet,
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Blickt auf! die Sachen ändern sich,
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Weil Christus wiederum erscheinet.
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Macht nicht der Magdalenen Mund,
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Des Heylands Auferstehung kund?
67
Sie hört ja seine süsse Rede;
68
Sie sieht ihn würcklich vor sich stehn,
69
Und kan vergnügt vom Grabe gehn;
70
Sie ist nicht mehr betrübt und blöde.

71
Ja, liebster Jesu, meine Seel
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Gibt deiner Auferstehung Glauben.
73
Du Held und starker Michael!
74
Den Trost soll mir kein Feind nicht rauben.
75
Mein Herze! denke doch daran
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Wie leicht es sich verändern kan:
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Der, so mit Tüchern zugebunden,
78
Und in die Gruft geleget war,
79
Hat jetzt die ganze Höllen-Schaar,
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Durch seinen Durchbruch überwunden.

81
Umsonst ist hier der Menschen-Macht;
82
Vergeblich ist das Grab zu siegeln;
83
Was nützet wohl die starke Wacht?
84
O! suchet nur nichts auszuklügeln!
85
Wer will dem Herrscher aller Welt,
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Der Meer und Wind in Schranken hält,
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In seinen Werken widerstreben?
88
Fällt Tod und Welt und Belial
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Vor ihm mit einem starken Knall,
90
Wie will sich dann ein Mensch erheben?

91
Triumph! Victoria! die Sünd
92
Hat Christus mit ins Grab genommen.
93
Ich bin nunmehro Gottes Kind;
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Nun darf ich vor sein Antlitz kommen.
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Mir graut nicht vor des Grabes-Thür,
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Der Tod kömmt mir nicht schrecklich für,
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Dieweil mein Grab geheilget worden,
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Weil du mein Haupt erstanden bist;
99
So leb ich auch, und jeder Christ,
100
Der jetzo steht in Creuzes-Orden.

101
Du schwingest deine Sieges-Fahn,
102
Und rufst, der Schall dringt durch die Ohren;
103
Kommt her, schaut meine Wunden an.
104
Und glaubt, so geht ihr nicht verlohren.
105
Ich lebe nun und allezeit,
106
Des Höchsten Stul ist mir bereit,
107
Ich sitz zu meines Vaters Rechten.
108
Drum solt ihr gleichfals auferstehn.
109
Und mit in meine Freude gehn:
110
So lohn ich allen meinen Knechten.

111
Drum frag ich nichts nach Angst und Pein,
112
Nach Noth, nach Ungemach und Leiden,
113
Nichts nach Betrug und Heuchel-Schein,
114
Ich will mich stets an Christo weiden.
115
Stürmt alles Unglück auf mich zu:
116
Stöhrt Welt und Satan meine Ruh;
117
So will ich dulten, hoffen, schweigen.
118
Das kurze Leiden dieser Zeit,
119
Ist ja nicht werth der Herrlichkeit,
120
Die mir Gott wird im Himmel zeigen.

121
Es kan kein Held und Rittersmann
122
Auf seinem Haupte Palmen tragen,
123
Er hebe denn zu streiten an,
124
Und suche seinen Feind zu schlagen.
125
Kampf, Fechten, Mühe, Blut und Schweiß
126
Pflegt stets vor Ehre, Ruhm und Preiß,
127
Und vor dem Siege herzugehen;
128
So dringt man auch durch Creuz und Leid
129
In jene frohe Ewigkeit.
130
Nach Nebel ist das Licht zu sehen.

131
So gieng es meinem Heyland auch,
132
Er muste erst in seinen Jahren
133
Mich dünkt (ich seh den Dornen-Strauch)
134
Viel Schmach von seinem Volk erfahren.
135
Er schwitzte erst am Oelberg Blut,
136
Und muste seiner Feinde Wuth
137
Durch Bande, Hohn und Striemen sehen.
138
Er muste erst mit grosser Pein
139
Gemartert und gecreuzget seyn;
140
Bevor er kunte auferstehen.

141
Wärst du, mein Licht und Seelen-Heyl,
142
Nicht aus der dunklen Gruft gegangen;
143
So blieb der andre Tod mein Theil;
144
Ich könte nie zu Gott gelangen.
145
Herr! deiner Auferstehung Kraft,
146
Gibt meiner Seele Muth und Saft,
147
Getrost durch Noth und Tod zu brechen.
148
Triumph! Triumph! mein Heyland lebt,
149
Der mich aus meinem Grabe hebt;
150
So kan ich einstens Heilig! sprechen.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Sidonia Hedwig Zäunemann
(17111740)

* 15.01.1711 in Erfurt, † 11.12.1740 in Plaue

weiblich

deutsche Dichterin

(Aus: Wikidata.org)

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