6.

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Emanuel Geibel: 6. (1833)

1
Nichts ist so ganz mir verhaßt, wie verstimmt hochmütige Trägheit;
2
Wenn dir die Krone gebührt, geh und erobre sie dir!
3
Aber vermagst du es nicht, so laß dein Schmollen und Zaudern,
4
Lern' in bescheidenem Kreis tüchtig und tätig zu sein.

5
Freilich verdammt ihr mit Fug den poetischen Dilettantismus,
6
Doch noch bedenklicher scheint euer politischer mir;
7
Denn das Regieren verlangt wie das Dichten den Meister; es wirkt nur
8
Weiter ein töricht Gesetz als ein verfehltes Gedicht.

9
Unglückselig Geschick, daß sich meist in brennendem Ehrgeiz
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Grade das halbe Talent an das Erhabenste wagt!
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Nach der ambrosischen Frucht wie Tantalus streckt es die Hand aus,
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Aber der Zweig ist zu hoch, aber der Arm ist zu kurz.

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»bester, ein Sträußchen für mich!« Da mäht er den Anger und schüttet
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Unkraut, Blumen und Gras hoch mir vom Karren vors Haus.
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Freilich, zum Strauße genügt's. Doch wüßt' ich besseren Dank ihm,
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Hätt' er sich selber und mir leichter die Freude gemacht.

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Nicht zu früh mit der Kost buntscheckigen Wissens, ihr Lehrer,
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Nähret den Knaben mir auf; selten gedeiht er davon.
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Kräftigt und übt ihm den Geist an wenigen würdigen Stoffen;
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Euer Beruf ist erfüllt, wenn er zu

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Königin ist die Gestalt; ihr dient anmutig die Farbe,
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Wie ein köstliches Kleid schöner die Schöne dir zeigt.
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Aber entferne den Schmuck, und sie mag dich noch immer bezaubern,
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Während das leere Gewand jede Bedeutung verliert.

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Heut noch stöbert der Schnee, wie gestern; aber es weht mir
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Still durchs tiefste Gemüt Ahnung des Lenzes dahin.
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Wem verdank' ich das süße Gefühl? Seid ihr's, Hyazinthen,
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Die ihr am Fenster den Kelch träumerisch duftend erschließt,
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Ist's mein Töchterchen dort im Gemach, das, leise zur Arbeit
30
Singend, mich an das Geschwirr steigender Lerchen gemahnt?

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Emanuel Geibel
(18151884)

* 17.10.1815 in Lübeck, † 06.04.1884 in Lübeck

männlich, geb. Geibel

deutscher Lyriker

(Aus: Wikidata.org)

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