Höchstädt

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Emanuel Geibel: Höchstädt (1833)

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Marlbrough zieht aus zum Kriege,
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Die Fahnen läßt er wehn;
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Da reicht zu Kampf und Siege
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Die Hand ihm Prinz Eugen.

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Sie mustern ihre Truppen
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Bei Höchstädt auf dem Plan:
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»gut stehn im Brett die Puppen,
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Frisch auf, wir greifen an!«

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Und wie sie mit den Haufen
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Dem Feind entgegenziehn,
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Da kommt gejagt mit Schnaufen
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Ein Hofkurier aus Wien.

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Er springt im bunten Staate
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Vom Roß und neigt sich tief:
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»vom hohen Kriegshofrate,
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Durchlauchtigster, ein Brief!«

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Der kleine Kapuziner
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Schiebt ihn ins Wams bedacht:
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»der Herrn ergebner Diener!
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Das les' ich nach der Schlacht.

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Jetzt ist kein Zaudern nütze,
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Jetzt heißt es: Dran und drauf!
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Schon spielen die Geschütze
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Tallards zum Kampf uns auf!«

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Er wirft sich auf die Franzen,
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Marlbrough bleibt nicht zurück;
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Bei Höchstädt an den Schanzen
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Das ward ihr Meisterstück.

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Wohl kracht's von Wall und Turme,
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Wohl sinken Roß und Mann,
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Doch vorwärts geht's im Sturme,
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Die Feldherrn hoch voran.

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Im dichten Kugelregen,
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Den Degen in der Hand,
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Erklimmen sie verwegen
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Des Lagers steilen Rand.

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Da packt den Feind ein Grausen,
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Da flieht er fern und nah,
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Und hinter ihm mit Brausen
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Erschallt's: Viktoria!

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Und wie des Kaisers Reiter
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Nachrasseln Stoß auf Stoß,
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Da frommt kein Haltruf weiter,
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Geworfen ist das Los.

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Ersiegte Fahnen prangen
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Zweihundert an der Zahl,
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Man bringt daher gefangen
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Tallard, den General.

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Doch abends, als die Flaschen
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Im Kreis ums Feuer gehn,
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Da zieht aus seiner Taschen
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Sein Brieflein Prinz Eugen,

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Studiert's und reicht's dem Briten;
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Der blickt hinein und lacht:
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»parbleu! Die Herrn verbitten
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In Wien sich jede Schlacht.

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Nur kluge Retirade
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Sauvier' uns, meint der Wisch;
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Erlesner Senf! Nur schade,
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Für diesmal Senf nach Tisch!«

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Emanuel Geibel
(18151884)

* 17.10.1815 in Lübeck, † 06.04.1884 in Lübeck

männlich, geb. Geibel

deutscher Lyriker

(Aus: Wikidata.org)

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