Eine Seeräubergeschichte

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Emanuel Geibel: Eine Seeräubergeschichte (1833)

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Wir hatten Öl geladen und Korinthen
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Und segelten vergnügt mit unsrer Fracht
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Von Malta auf Gibraltar, Jochen Schütt,
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Der Lüb'sche Kapitän, mit fünf Matrosen,
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Und ich, Hans Kiekebusch, als Steuermann.
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Der Wind blies lustig, und wir waren schon
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Sardinien vorbei, als hinter uns
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Nordosther ein verdächtig Segel aufkam,
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Das wie mit Siebenmeilenstiefeln lief.
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Bedenklich kuckte Jochen Schütt durchs Glas
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Und schüttelte den Kopf und kuckte wieder,
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Und immer länger ward sein schlau Gesicht.
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»verdammte Suppe!« brach er endlich los,
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»der Haifisch soll mich schlucken, wenn das nicht
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Tuneser sind, Spitzbuben, die's auf uns
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Und unsern schmucken Schoner abgesehn!
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Bei Gott, jetzt heißt es: Alles Weißzeug los
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Und stramm gesegelt!«
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Leider war's zu spät.
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Ein Viertelstündchen noch, da wußten wir,
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Daß Flucht unmöglich. Gleich darauf auch ließ
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Das Kaperschiff die rote Flagge schon
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Vom Topmast fliegen, und ein Schuß befahl
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Uns beizulegen. An Verteidigung
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War nicht zu denken: Sieben waren wir,
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Die höchstens Sonntags mal im Lauer Holz
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Mit Schrot geknallt, und drüben an die Vierzig,
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Verwegnes Raubvolk insgesamt, auf Mord
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Und Totschlag eingeübt wie wir aufs Kegeln.
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Mit einer einz'gen Salve hätten sie
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Uns weggefegt; drum hieß uns Jochen Schütt
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Geruhig bleiben und ihn machen lassen.
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Ein Stückchen, meint' er, hab' er ausgedacht,
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Das uns vielleicht noch aus der Tinte hülfe.
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Zwar spiel' er auf
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Am Ende sein wir Christenmenschen doch,
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Und Gott im Himmel könn' ein Einsehn haben.
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So brümmelnd stieg er zur Kajüt' hinab
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Und nahm die andern mit; nur mir befahl er,
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Auf Deck zu bleiben und dem leidigen
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Besuch, als käm' er auf ein Frühstück bloß,
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Mit Höflichkeit zu ihm den Weg zu weisen.

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Mir schlug das Herz bis an den Hals, als nun
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Mit jeglicher Minute der Korsar
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Uns näher rückte. Bald erkannt' ich schon
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Die Fuchsgesichter mit den Rattenzöpfen,
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Das Negervolk, das in den Tauen hing.
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Jetzt sah ich, wie solch rotbekappter Schuft
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Den Enterhaken hob, jetzt machten's ihm
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Zehn andre nach und jetzt – ein einz'ger Schlag,
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Ein ungeheurer Ruck, und Bord an Bord,
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Mit dem Tuneser lagen wir.
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Ein Mohr,
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Die breite Kling' im Maule, sprang zuerst
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Auf unser Schiff, dann kam der Hauptmann selbst
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Einäugig, stachelbärtig wie ein Kater,
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Am grünen Bund den Halbmond von Rubin,
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Und dann die andern, meist ein quittengelb,
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Zerlumpt Gesindel, doch mit langem Rohr,
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Mit Beil und Messer Mann für Mann versehn.
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Mir lief's den Rücken kalt wie Eis hinab.
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Doch macht' ich nach des Kapitäns Geheiß
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Den schönsten Bückling, und verbindlich dann
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Den Weg anzeigend fuhr ich wie ein Kellner
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In Sprüngen die Kajütentrepp' hinab.
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Auch poltert' es alsbald mit schwerem Tritt
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Mir nach, und, ein Pistol in jeder Hand,
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Trat Meister Einaug' in die Tür, doch blieb er,
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Als er sich umsah, wie ein Zaunpfahl stehn.
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Denn vor ihm saß, den Hut auf einem Ohr,
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Aus kurzer Pfeife Dampf und Funken paffend,
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Auf offner Pulvertonne Jochen Schütt,
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Und ringsumher lag wie ein Zauberkreis
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Ein breiter Streif von Pulver aufgestreut.
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Wir standen hinter ihm und mucksten nicht;
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Er aber, ruhig sitzenbleibend, tat,
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Als wüßt' er gar von keinem Harm, und sah
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Den Türken an und sagte: »Guten Tag!
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Was steht zu Diensten, wenn ich bitten darf?«
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Und als nun der sich wie ein Puterhahn
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Aufplustert und in seinem Kauderwelsch
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Zu kollern anfängt und, wie das nicht fleckt,
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Die Zähne weist und mit Geberden droht,
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Sagt Jochen Schütt: »Ja, Türk'sch versteh' ich nicht,
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Mein lieber Herr; doch
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Und dazu pafft er toller stets und macht
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Den Meerschaumkopf wie einen Schornstein sprühn,
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Daß mir, bei Gott, schon daucht, wir fliegen auf.
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Das schien denn unserm Rinaldini auch
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Ein schlechter Spaß; er wurde grün vor Wut,
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Und plötzlich macht' er Kehrt und schoß hinaus.

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Nun ging ein heftig Schnattern droben an.
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Und dann ein Poltern, Schieben, Ziehn und Winden,
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Als kehrten sie vom Schiffsraum bis aufs Deck
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Das Unterste zu oberst, während wir
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In tausend Ängsten wie die Hühner uns
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Um unsern Kapitän zusammendrückten,
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Der keine Silbe sprach und langsam nur
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Fortqualmte. Zwar die Ladung, wußten wir,
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War gut versichert, doch wir fürchteten,
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Die Heiden würden, wenn sie's ausgeraubt,
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Das Schiff aus purer Bosheit sinken machen,
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Und dann, ihr Lüb'schen Türme, gute Nacht!
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So ging ein langes banges Stündlein hin.
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Da plötzlich hörten wir durch all den Lärm
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Die Bootsmannspfeife kreischen, ein entsetzlich
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Gedräng' entstand an Bord, wie Flucht beinah,
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Und kurz darauf geschah ein Stoß und Rauschen,
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Als riss' ein Donnerwetter Schiff von Schiff;
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Und dann mit eins war's still. Wir warteten
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Ein Weilchen noch und horchten, doch es pfiff
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Auch nicht die Maus im Loch; kein Zweifel mehr,
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Sie waren fort. –
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»was nu?« sprach Jochen Schütt,
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»die Luft an Bord scheint wieder klar zu sein,
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Ich denk', wir sehn uns mal den Schaden an.«
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Und stieg hinauf aufs Deck, und wir ihm nach.

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Da sah's denn gräulich aus. Im großen Stall
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Der Arche Noäh war nicht solch ein Wust,
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Als aller Welt Getier das Schiff geräumt.
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Packstroh und Scherben rings, Korinthenfässer,
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Ölpiepen, Werkzeug, Zwiebeln, Kochgerät,
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Im tollsten Wirrwarr alles durcheinander,
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Als wär' in allerbester Arbeit just
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Das große Plünderfest gestört. Und so
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Verhielt sich's auch. Denn von Nordosten kam,
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Indes der Türk', wie ein gejagter Habicht,
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Nach Süden fortschoß, eine englische
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Fregatt' heran mit vollem Wind und ließ
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Die blaubekreuzte Flagge lustig wehn.
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Das gab ein Jubeln, ein Umarmen jetzt!
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Der Schiffsjung' fiel auf seine Knie, der Koch
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Der letzt in Portsmouth überwintert, schwang
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Die Zipfelmütz' und sang:
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Doch Jochen Schütt nahm eine Zwiebel auf
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Und roch daran und niest'; ich merkt' es wohl,
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Wir sollten ihn nicht weinen sehn. Dann zog er
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Den Hut und sprach: »Nun danket alle Gott!
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Heut tut mir's leid, daß ich nicht singen kann,
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Weil ich beim alten Haase Schulen lief.
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Den Engelsmann schickt uns der Himmel selbst.
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Auch keinen roten Sechsling gab ich mehr
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Für unser Leben, blieb er aus. Nun lief's
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Noch gnädig ab.« –
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»ein wahrer Segen auch«,
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Sagt' ich, »Kap'tän, daß Euch das Pulver einfiel,
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So kam uns selbst der Engelsmann zu spät.«
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»ja, Pulver!« lacht' er, und die Schlauheit blitzt'
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Ihm aus den Augen, »Pulver! Hat sich was!
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Wir haben keine zwanzig Schuß an Bord.
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Das schwarze Zeug, wovor der Heidenkerl
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Die Angst gekriegt, war – Rübsaat aus Schwerin,
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Und mein Kanarienvogel frißt davon.
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Ein richt'ger Mann muß sich zu helfen wissen,
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So hilft ihm Gott wohl auch. – Und nun seht nach,
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Ob uns das Volk auch überm Rum gewesen.
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Ich denk', ein Schluck soll gut tun auf den Schreck.«

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Emanuel Geibel
(18151884)

* 17.10.1815 in Lübeck, † 06.04.1884 in Lübeck

männlich, geb. Geibel

deutscher Lyriker

(Aus: Wikidata.org)

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