Der Ulan

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Emanuel Geibel: Der Ulan (1833)

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Frühmorgens um vier, eh die Hähne noch krähn,
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Da sattelt sein Roß der Ulan
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Und reitet, den Feind und das Land zu erspähn,
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Den Waffengenossen voran.

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Hinjagt er durchs Blachfeld und pirscht durch den Forst,
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Hoch flattert sein Fähnlein im Wind,
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Und er lugt von der Höh' wie der Falke vom Horst
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Und wählt sich die Straße geschwind.

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In das sonnige Städtchen da sprengt er hinein,
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Am Rathaus hält er in Ruh':
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»herr Maire, nun schenkt mir vom schäumenden Wein
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Und ein Frühstück gebt mir dazu!

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Und schafft mir die prächtigen Rinder daher,
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Die am Tor auf den Weiden ich sah,
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Und Hafer für zwanzig Schwadronen, Herr Maire,
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Denn die Preußen, die Preußen sind da.«

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Hei lustige Streife! Hei köstlicher Scherz,
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Wenn der Maire seine Bücklinge macht!
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Doch freudiger wächst dem Ulanen das Herz,
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Wenn die Schlacht durch die Ebene kracht;

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Wenn, die Zügel verhängt und die Lanz' in der Faust,
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Das Geschwader mit stiebendem Huf
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Auf den eisernen Rechen des Fußvolks braust
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Unter schallendem Hurraruf.

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Wohl spein die Haubitzen Verderben und Tod,
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Wohl deckt sich mit Leichen die Bahn,
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Und die Luft wird wie Blei, und die Erde wird rot,
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Doch vorwärts stürmt der Ulan.

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Und rinnt auch das Blut von den Schläfen ihm warm:
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Durch Geknatter und Kugelgesaus
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Kühn setzt er hinein in den dichtesten Schwarm
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Und holt sich den Adler heraus.

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Und »Viktoria« schallt's durchs Getümmel herauf,
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Schon wanken die feindlichen Reihn,
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Und das Wanken wird Flucht, und die Flucht wird Lauf,
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Der Ulan, der Ulan hinterdrein.

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Hinterdrein durch den Fluß, wo die Brücke verbrannt,
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Durch das Dorf, das der Bauer verließ,
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Mit Gott für König und Vaterland
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Hinterdrein, hinterdrein bis Paris.

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Dort gibt's einen Tanz noch im eisernen Feld,
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Bis der Franzmann den Atem verliert,
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Und Wilhelm der Sieger, der eisgraue Held,
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Im Louvre den Frieden diktiert.

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Doch wenn dann die blutige Arbeit getan,
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Und die Stunde der Heimkehr erschien,
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Wie reitet so stattlich im Glied der Ulan
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Am Einzugstag in Berlin!

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Da steht an den Linden die rosigste Dirn',
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Und sie jubelt vor Stolz und vor Lust:
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»o wie lieb' ich dich erst um die Narb' auf der Stirn
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Und das Eiserne Kreuz auf der Brust!«

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Emanuel Geibel
(18151884)

* 17.10.1815 in Lübeck, † 06.04.1884 in Lübeck

männlich, geb. Geibel

deutscher Lyriker

(Aus: Wikidata.org)

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